Drei Schermbecker Frauen helfen beim Aufbau eines indischen Nähprojektes

Um ein vor mehreren Monaten beschlossenes Hilfsprojekt vor Ort zu unterstützen, haben Barbara Stender, ihre Tochter Luna und die Textil-Ingenieurin Edith Schulte-Huxel eine fast vierwöchige Reise nach Indien angetreten.

Gleich mehrere Hilfsprojekte in Indien unterstützt die Katholische Kirchengemeinde St. Ludgerus. Während das Kirchbauprojekt im November letzten Jahres im Beisein einer Schermbecker Reisegruppe mit der Einweihung der Kirche beendet wurde (wir berichteten) und die Unterstützung von Mädchen in der „St. Joseph`s Girls Telugu Medium High School“ und in der „St. Joseph`s English Medium High School“ schon seit längerer Zeit gewährt wird, nimmt ein drittes Projekt derzeit Gestalt an. Dabei geht es um die Ausbildung junger Frauen in einem Nähzentrum.

Pastor Xavier Muppala verabschiedete Edith Schulte-Huxel, Luna Stender und Barbara Stender (v.l.), die zu einem fast vierwöchigen Aufenthalt in Indien starteten, wo sie ein im Aufbau befindliches Nähprojekt unterstützen wollen. Foto: Stephan Stender

„In Ponugodu und den umliegenden Dörfern im Süden Indiens leben hauptsächlich Familien der Kastenlosen, die sich selbst als Dalits bezeichnen“, berichtet Pastor Xavier Muppala von der Bevölkerungsstruktur in dieser Region seines Heimatlandes.

Ohne Bildung keine Chance

Die Kinder der Dalits haben ohne Bildung keine Chance auf ein besseres Lebens. Das Kastensystem ist in Indien zwar offiziell abgeschafft, aber in den Köpfen und Taten der Menschen lebt es noch weiter. „Dalit“ bedeutet in etwa „zerbrochen, zertreten“, und so fühlen sich die Menschen auch. Die Dalit-Kinder müssen zum Lebensunterhalt beitragen, weil die Eltern die Familie kaum ernähren und so auch kein Schulgeld bezahlen können.

Mit der Förderung einer Nähschule möchten die Schermbecker dazu beitragen, dass zumindest einigen Dalit-Frauen eine Arbeit ermöglicht wird. Bereits beim Aufenthalt einer Schermbecker Reisegruppe im Herbst 2017 wurden zehn Nähmaschinen überreicht. Inzwischen ist im Nähzentrum an 17 Nähmaschinen mit der Produktion begonnen werden.

In Indien wurden die drei Schermbeckerinnen am Flugplatz freundlich von Verwandten Pastor Muppalas begrüßt. Foto: privat

Die drei Schermbeckerinnen, die jetzt die Reise nach Indien angetreten haben, wollen den ersten jungen Frauen Fähigkeiten im Nähen beibringen. Sie fuhren nicht mit leeren Händen. Im 110 Kilogramm umfassenden Reisegepäck befanden sich Stoffe, Füllmaterial, Scheren, Nadeln und all das, was vor Ort schlecht zu bekommen ist.

Schermbecker Nähgruppe

In Indien eingetroffen ist auch Barbara Stenders Nähmaschine, mit deren Hilfe man Knopflöcher gestalten kann. Im Gepäck befanden sich auch einige Näh-Produkte, die von einer Schermbecker Nähgruppe erstellt wurden, und die dazugehörigen Schnittmuster. Die Nähprodukte und deren Schnittmuster sollen den indischen Frauen Anregungen geben.

Zu Beginn ihres Aufenthaltes in Indien haben Edith Schulte-Huxel, Luna Stender und Barbara Stender auch die „St. Joseph`s Girls Telugu Medium High School“ besucht und den Schülerinnen Geschenke überreicht. Foto: privat

Spenden vom Sportwagenkreis „Sandsport“

Um auch den beiden Schulen Hilfsgüter übergeben zu können, hatte der Schermbecker Unternehmer Stefan Stender, der die Hilfsaktion für Indien seit längerer Zeit engagiert unterstützt, zusätzlich 1000 Euro gespendet. Als er seinen Freunden vom Düsseldorfer Sportwagenkreis „Sandsport“ von der Reise seiner Frau und seiner Tochter erzählte, sammelte die Gruppe spontan innerhalb von 24 Stunden weitere 3000 Euro.

Inzwischen haben sich die drei Schermbeckerinnen aus Indien gemeldet. Sie wurden am Flughafen herzlich von Verwandten Pastor Muppalas begrüßt. In den ersten Tagen haben sie auch die „St. Joseph`s Girls Telugu Medium High School“ besucht und Geschenke überreicht. Derzeit sind sie täglich in der Nähschule, um den Nähschülerinnen zu helfen. Deren Produkte werden die Schermbeckerinnen bei ihrer Rückreise begleiten. Sie sollen am 1. Dezember auf dem „Marktplatz der Hilfe“ im Umfeld der Ludgeruskirche ebenso vermarktet werden wie auf dem Adventsmarkt am Weseler Willibrordidom im Dezember. Der Erlös wird in die Finanzierung des indischen Nähprojektes einfließen.

Wer das Nähprojekt nicht durch den Kauf von Nähprodukten fördern, aber dennoch unterstützen möchte, kann einen Geldbetrag auf das Volksbank-Konto der Kirchengemeinde St. Ludgerus, IBAN: DE 06400693630101005902, BIC: GENODEM1SMB, überweisen und das Stichwort „Nähprojekt“ angeben.

Zum Anfang eines jeden Jahres erhält jeder Spender automatisch eine Spendenquittung über die geleisteten Spenden des Vorjahres. Nähere Informationen erhält man von Pastor Muppala (Handy 015150409464) oder vom Pfarrbüro (Tel. 02853/4291). H.Scheffler

Bildung für die Ärmsten in Indien – Schermbecker engagieren sich

Vorheriger ArtikelWintergenuss am Niederrhein
Nächster ArtikelWildgansexkursion mit dem Schiff
Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here