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Lebendige Lippe in Schermbeck und Dorsten

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Flüsse und Bäche spielen eine entscheidende Rolle als Lebensräume für Menschen und Tiere. Sie sollen wieder zu natürlichen Lebensadern der Umwelt werden. Bei einer Exkursion durch Dorsten und Schermbeck stellte der Lippeverband sein Programm namens „Lebendige Lippe“ vor.

Der Lippeverband arbeitet in enger Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen aktiv daran, diese notwendige ökologische Entwicklung von Gewässern, Ufern und Auen voranzutreiben. Während einer Präsentation stellten die Mitarbeiter verschiedene Projekte des Lippeverbands vor. Darunter waren die Neugestaltung des Schermbecker Mühlenbachs, die nahegelegene Kläranlage, das Projekt KlimaBeHageN sowie die Arbeiten am Rapphofs Mühlenbach. Beide gehören zu dem Programm „Lebendige Lippe“.

Schermbecker Mühlenbach – Bessere Bedingungen für Fische

Vor der Renaturierung traf der Schermbecker Mühlenbach mit einem steilen Gefälle und geradlinig auf die Lippe. Dies war keine geeignete Umgebung für Fische, da sie nur schwerlich entgegen der Strömung passieren konnten. Bodo Klimpel, Vorsitzender des Verbandrates des Lippeverbandes und Landrat des Kreises Recklinghausen, beschrieb den vorherigen Zustand des Schermbecker Mühlenbachs.

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, erklärte: „Durch die naturnahe Umgestaltung des Mündungsbereichs in die Lippe haben wir eine „Reisefreiheit für Fische“ geschaffen. Diese können nun auch das Einzugsgebiet des Mühlenbachs besiedeln.“ Für die Renaturierung investierte der Lippeverband etwa 4,5 Millionen Euro. Der Mühlenbach wurde um etwa 270 Meter verlängert. Die Verbindung zur Lippe wurde flacher und naturnäher gestaltet, und die Mündung wurde um etwa 200 Meter nach Westen verschoben. So wird der Höhenunterschied zwischen den beiden Gewässern ausgeglichen.

2021 gestaltete der Lippeverband den Mündungsbereich des Schermbecker Mühlenbachs im Rahmen des Programms „Lebendige Lippe“ naturnah um. Der Bach ist seitdem 270 Meter länger und fließt in weiten Schleifen Richtung Lippe. Julia Reinbeck stellt die Renaturierungsmaßnahme vor. Foto: Ilias Abawi/EGLV

Kläranlage Schermbeck – Verbesserung der Gewässerqualität

In den letzten Jahren hat der Lippeverband die Kläranlage Schermbeck modernisiert. Damit konnte man die Wasserqualität des Schermbecker Mühlenbachs und der Lippe verbessern. Das Projekt kostete insgesamt etwa 17,5 Millionen Euro. Die Kläranlage ist nun erweitert und auf den aktuellen Bedarf angepasst. Die Sanierung war notwendig, da die Anlage aus den 1990er Jahren stammte. Sie hatte nicht mehr ausreichend Kapazität für die steigende Einwohnerzahl.

Dr. Frank Obenaus, Technischer Vorstand des Lippeverbandes, erklärte, dass die Sanierung während des laufenden Betriebs durchgeführt wurde, da Kläranlagen ununterbrochen funktionieren müssen. Die Anlage reinigt jährlich etwa 1,3 Milliarden Liter Abwasser, was dem Inhalt von 15 Millionen Badewannen entspricht. Sie trägt etwa 40 Prozent zur Wassermenge des Mühlenbachs bei.

Rapphofs Mühlenbach – Wiederherstellung eines natürlichen Gefälles

Neben den abgeschlossenen Projekten präsentierte der Lippeverband auch ein aktuelles Bauprojekt: die Renaturierung des Rapphofs Mühlenbach in Dorsten. Ziel dieser Maßnahme ist nicht nur die naturnahe Umgestaltung des Gewässers, sondern auch die Wiederherstellung des natürlichen Gefälles. Einige Abschnitte des Baches hatten kein Gefälle. Ohne Pumpwerke würden die Nebenläufe Erdbach und Rennbach aufgrund von Höhenunterschieden im Mündungsbereich entweder gar nicht in den Rapphofs Mühlenbach fließen (Erdbach) oder sogar rückwärts fließen (Rennbach).

Rapphof Mühlenbach
Dieser Abschnitt des Rapphofs Mühlenbachs unterhalb der Brücke Altendorfer Straße in Dorsten wurde bereits vom Lippeverband ökologisch aufgewertet. Foto: EGLV

Bei der Renovierung des Rapphofs Mühlenbachs schufen die Planer über eine Strecke von 1,9 Kilometern ein durchgängiges Gefälle. Dafür trugen die Arbeiter mehr als 100.000 Kubikmeter Boden ab. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 15 Millionen Euro. 100 Prozent übernimmt dabei die RAG, ein Bergbauunternehmen.

Die Bauarbeiten erfolgen in drei Abschnitten. Darunter sind der Bau eines Durchlassbauwerks zur Überquerung von Leitungen, der Ausbau eines 500 Meter langen Abschnitts des Mühlenbachs und die Erneuerung einer Brücke. Im letzten Abschnitt wird der restliche 1,4 Kilometer lange Gewässerabschnitt ausgebaut. Zudem werden Brücken erweitert, und das nicht mehr benötigte Pumpwerk am Erdbach wird abgebaut.

Nach Abschluss der Arbeiten wird der Rapphofs Mühlenbach etwa zwei Meter tiefer liegen, so dass die Nebenläufe Erdbach und Rennbach ohne Pumpwerke direkt an den Mühlenbach angeschlossen werden können.

Lippe bei Dorsten: Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Foto: Archiv

„Renaturierungsprojekte schaffen nicht nur Lebensräume, sondern machen die Gewässer auch widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels, wie die Zunahme von Starkregen und Hochwasser. Unsere Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung der Gewässer tragen somit wesentlich zur Anpassung an die erwarteten klimatischen Veränderungen bei“, betont Dr. Dorothea Voss, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit beim Lippeverband.

KlimaBeHageN – Sicherung des Grundwasserangebots

Während der Rundreise zum Thema „Lebendige Lippe“ wurde auch das Pilotprojekt „KlimaBeHageN“ vorgestellt, bei dem Vertreter aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Wissenschaft seit 2020 an Lösungen arbeiten, um das Grundwasserangebot im Landschaftsraum Dorsten langfristig über ein regionales Wassermanagement zu sichern. Die verschiedenen Nutzungen, wie Trinkwasserversorgung, Naturschutz und Landwirtschaft, führen zusammen mit den klimabedingten Schwankungen bei Niederschlägen zu einem Grundwassermangel. Die beteiligten Akteure haben die zukünftigen Bedarfe analysiert und sowohl verhaltensbedingte Verbesserungen als auch technische Lösungen erarbeitet.

Kurz- und mittelfristig können Optimierungen bei der Versickerung von Regenwasser, Änderungen in der landwirtschaftlichen Praxis und die Steuerung von Drainagen Verbesserungen bringen. Langfristig kann die Anreicherung des Grundwassers durch die Zufuhr von Wasser aus dem Hammbach und dem Blauen See zu neuen Versickerungsanlagen helfen. Dies erfordert nicht nur Investitionen, sondern auch neue Organisations- und Finanzierungsmodelle. Die dauerhafte Sicherung der Grundwasserversorgung erfordert die Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Einbeziehung der Bevölkerung, an der der Lippeverband weiterhin mit seinen Partnern arbeiten möchte.

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