Buschhausener Fähnchenschützengilde nahm die Lieblings-Schwesterngilde mächtig aufs Korn

Schermbeck. Max Bienbeck ist neuer König der „Fähnchenschützengilde Buschhausen n.e.V.“ Linda Deppe steht dem neuen König als Mitregentin ein Jahr lang zur Seite.

Der weitaus größte Teil der eintägigen Feier gehört alljährlich den scheidenden Majestäten. So war es auch am Samstag, als das „alte“ Königspaar Dennis Nappenfeld und Andrea Böhm und sein Throngeschlumpse Emanuel Böhm/Veronika Nappenfeld und Dirk Teborg/Tina Neumann die wohl drolligste Brauchtumsfeier des gesamten Gemeindegebietes über sich ergehen ließen.

Neues Königspaar der Fähnchenschützen - Max Bienbeck und Linda Deppe
Um 1.40 Uhr in der Nacht wurde das neue Königspaar Max Bienbeck (3.v.l.) und Linda Deppe (3.v.r.) inthronisiert. Mit der Unterstützung des Throngeschlumpses Florian Strock/Kathi Reken (l.) und Niklas Pohlhuis/Målin Baumeister (r.) regieren sie nun ein Jahr lang im Reich der Fähnchenschützengilde Buschhausen n.e.V.

Unverzeihlicher Brauchtumsbruch

Verstehen kann man das gesamte Tun der Gilde sowieso nur, wenn man weiß, dass es seit jenen Tagen praktiziert wird, als die Gilde aus Protest über einen unverzeihlichen Brauchtumsbruch der Altschermbecker Gilde gegründet wurde: Man wollte nicht zulassen, dass die kleinen Ansteckfähnchen abgeschafft wurden.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019

Schwächen der Lieblings-Schwesterngilde

Seither wird mit Argusaugen während des Kilianfestes, das die Fähnchenschützen als ihre „eigene Vorfeier“ definieren, auf Fehler und Schwächen der „Lieblings-Schwesterngilde“ geachtet und beim eigenen Fest faustdick karikiert.

Bei strahlendem Sonnenschein traten die Fähnchenschützen am Samstag beim noch amtierenden König Dennis Nappenfeld an der Erler Straße an, wo sich die Schützen in die Liste eintragen konnten. Wer fünf Euro zahlte, erhielt im Gegenzug drei Biermarken kostenlos.

Flüssige Kost und Schnapsstation

Begleitet von Blasmusikern der „Einklang“, der „Pils´n Buam“, der Holtwicker Blaskapelle und vom Tambourkorps Schermbeck, zogen Thron und Schützen zur ersten Schnapsstation in der KartoffelAckerdemie.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019
Zwei Euro für die Waschstraßen-Aktion. Ralf Sühling sorgte für „Wasser marsch“

Flüssige Kost gab es auch in der Gaststätte Overkämping und nach einer Pi-Pause an der Kapellenweg-Brücke vom Kilian-Vorstandsmitglied Holger Scheidt auf dem Gelände der Firma Lerbs und von Markus Fasselt.

Hof Cluse

Der vom Oberst Hendrik Bienbeck und seinem hölzernen Pferde-Fahrrad angeführte Zug endete in Buschhausen auf dem Hof Cluse, wo die Mitglieder der Fähnchenschützengilde laut ihrer Festschrift seit 1993 gerngesehene Gäste sind.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019
Präses Marius Sühling

Die sonst üblichen Paraden waren diesmal im Freien nicht möglich, weil nach einer tagelangen Hitzeperiode mit Rekordtemperaturen um die 40 Grad ein Gewitter mit strömendem Regen die Besucher ins Haus der Familie Cluse, in die Garage und unter die Zeltdächer trieb.

Seitenhiebe – Lichterkette und Bastelarbeiten

Präsi Marius Sühling verpasste mit witzigen Formulierungen der „Lieblings-Schwesterngilde“ in Altschermbeck manchen Seitenhieb und schreckte auch nicht davor zurück, die Mühlenteich-Kiliangilde lächerlich zu machen.

Schallendes Gelächter machte die Runde, als Sühling den Mühlenteich-Kilianern anbot, im kommenden Jahr die eigene Lichterkette auszuleihen, um ihnen Bastelarbeiten zu ersparen.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019

Auch das geplante Tier-Krematorium im Gebiet des Königreiches Buschhausen fand Eingang in Sühlings spöttelnde Betrachtungen. Die Rauchbelastung für das eigene Maien-Reservat sei einfach zu hoch.

Ehrungen

Einige langjährige Mitglieder wurden vom Vize-Präsi Yannik Heuwing geehrt: der Titanschütze Nico Höller, die Granatschützen Patrick Striewe und Ralf Schlebusch, der Silberschütze Björn Mischel, der Silberkönig Sascha Unger und der Goldkönig Michael Schuknecht. Marius Sühling gedachte des verstorbenen Vereinsmitglieds Heiner Hegemann.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019

Segen mit Toilettenbürste

„Pastor“ Andreas Pieniak erteilte bei seinem Rundgang in Begleitung des Messdieners“ Yannik Heuwing mit einer Toilettenbürste den Segen für den weiteren Verlauf des Festes.

Die vom Technischen Direktor Leon Sühling verlesene Schießordnung enthielt auch eine Menge Kuriositäten. Zum Schießen zugelassen wurden nur Schützen, die „mindestens ein paar Königinnenaspiranten“ nachweisen konnten und gleichzeitig ihren lebenslangen Austritt aus den Reihen der Schermbecker Schüppenschützen beantragten.

Nach dem Gesang der Nationalhymne eröffneten um 18 Uhr die letztjährigen Majestäten und der Silberkönig das Schießen mit einem Soft-Air-Gewehr auf den Vogel.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019

Widerspenstiger Vogel

Als widerspenstig erwies sich der Vogel-Korpus, sodass ein paarmal mit der Säge nachgeholfen werden musste und schließlich mit dem Werfen von Holzscheiten begonnen wurde. Trotzdem dauerte es noch bis 0.58 Uhr, bis Max Bienbeck den Rest des Vogels zu Boden zwang.

Die etwa 40-minütigen Beratungen in Adelgunde Cluses Mini-Beratungskammer im Dunst von Zigarren rauchenden Vorstandsmitgliedern kann man mit Worten kaum beschreiben.

Fähnchenschützenfest Kiliangilde Altschermbeck 2019

Um 1.40 Uhr gelang dann doch noch die Übergabe der Schützenkette an den 21-jährigen Gartenbauer Max Bienbeck, dessen Mutter Ulla Bienbeck amtierende Schützenkönigin der Kilianer ist und dessen Vater Berthold König in der Kiliansaison 2001/02 war. Max Bienbeck ist auch Fahnenoffizier der Kiliangilde.

Throngeschlumpse

Neue Königin der Fähnchenschützen ist die 20-jährige Sozialversicherungs-Fachangestellte Linda Deppe. Das Königspaar wird vom Throngeschlumpse Florian Strock/Kathi Reken und Niklas Pohlhuis/Målin Baumeister unterstützt. H.Scheffler

Was für die Altschermbecker Kilianer der heilige Kilian ist, das stellt für die Fähnchenschützen der heilige Suppsack dar.

Der erste Thron der Fähnchenschützen
Der erste Thron der Fähnchenschützen. Foto: Archiv

Der Legende nach soll der heilige Suppsack schon vor der Gründung der Fähnchenschützengilde im Jahre 1982 in Buschhausen gesehen worden sein. Seit 1996 begrüßt er als Denkmal die Schützen bei der Ankunft auf dem Hof Cluse.

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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