Rotary-Club Wesel-Dinslaken verband sein Fest mit einem Vortrag zur industriellen Entwicklung

Zum 15. „Voshövel-Treff“, der am Montagabend im Festsaal des Landhotels Voshövel vom Rotary-Club Wesel-Dinslaken veranstaltet wurde, konnte Präsident Dr. Gerd George etwa 150 Gäste begrüßen. Wie in den zurückliegenden Jahren waren auch diesmal Vertreter mehrerer regionaler Rotary-Clubs vertreten.

Im Mittelpunkt des festlichen Abends stand der Vortrag „1.0- 2.0- 3.0- 4.0 // Industrielle Revolution und Digitalisierung“. Referent war Professor Dr. Ing. Carl-Dieter Wuppermann, der Vorsitzender mehrerer technologiegetriebener Advisory- und Strategie-Boards ist und der dem Verwaltungsrat des Fördervereins proRWTH e. V. angehört.

Professor Dr. Ing. Carl-Dieter Wuppermann referierte beim 15. Voshövel-Treff im Festsaal des Landhotels Voshövel über die rasante industrielle Entwicklung seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Foto: Helmut Scheffler

Wuppermann unterteilte den industriellen Wandel in vier Phasen, die er mit Industrie 1.0 bis Industrie 4.0 überschrieb. In seinem illustrierten Vortrag kennzeichnete er die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mit Hilfe von Wasser und Dampfkraft als die Phase Industrie 1 und nannte als Beispiel für den Zeitraum zwischen dem Ende des 18. Jahrhunderts und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Bau der ersten Spinnmaschine im Jahre 1764, die Erfindung der Dampfmaschine im Jahre 1769 und die Erfindung der Dampflokomotive im Jahre 1814.

Dynamoelektrische Prinzip

Die Einführung der arbeitsteiligen Massenproduktion mit Hilfe von elektrischer Energie bedeutet für Wuppermann den Start in die Phase Industrie 2.0. 1866 wurde das dynamoelektrische Prinzip entdeckt, auf dessen Basis ein Jahr später Siemens die erste Dynamomaschine baute. Die ersten industriellen Schlachthöfe mit einer einfachen Fließbandproduktion entstanden 1845 in Cincinnati. 1908 verwirklichte Henry Ford die erste komplette Fließbandfertigung.

Professor Dr. Ing. Carl-Dieter Wuppermann referierte beim 15. Voshövel-Treff im Festsaal des Landhotels Voshövel über die rasante industrielle Entwicklung seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Foto: Helmut Scheffler

Im Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion sieht Wuppermann den Start in die Phase Industrie 3.0. Er erinnerte an Zuses ersten funktionsfähigen Computer aus dem Jahre 1941, an die erste speicherprogrammierbare Steuerung SPS aus dem Jahre 1969 und an die im Jahre 1990 erfolgte Einbettung von computergesteuerten Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen) in ein Computernetzwerk. In die Phase Industrie 3.0 fiel auch der Einzug des Personal-Computers in Büros und Haushalte.

Im Saal des Landhotels Voshövel veranstaltete der Rotary-Club Wesel-Lippe seinen 15. „Voshövel-Treff“. Foto: Helmut Scheffler

„Auf der Cebit 2011 fiel erstmals der Begriff Industrie 4.0“, berichtete Wuppermann und definierte diese Phase als „die technische Integration von Cyber-Physical-Systems (CPS) in die Produktion und die Logistik sowie die Anwendung des Internets in industriellen Prozessen einschließlich der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Wertschöpfung, die Geschäftsmodelle sowie die nachgelagerten Dienstleistungen und die Arbeitsorganisation.“ Die moderne Technologie und Produktion im Zeitalter der digitalen Revolution zieht besondere qualifikatorische Herausforderungen an die Arbeitnehmer in der Industrie nach sich.

Verschmelzung von physischer Welt

Als solche Anforderungen nannte Wuppermann „Qualifikationen im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in der Informatik“; von Facharbeitern forderte er „ein stärkeres Verständnis der Zusammenhänge“ und von Ingenieuren „übergreifende Fachkenntnisse für Systems Engineering“. „Das Internet ist die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts“, stellte Wuppermann fest. Die Phase der Verschmelzung von physischer Welt und Internet zu Cyber-Physical Systems (CPS) habe begonnen. Im Zuge dieser Entwicklung steige die Zahl vernetzter Geräte exponentiell an. Im Jahre 1992 gab es weltweit 1 Million vernetzter Geräte, im Jahre 2003 waren es 0,5 Milliarden, im Jahre 2013 waren es 11,2 Milliarden und im Jahre 2017 schon 28,4 Milliarden. Die Schätzung für das Jahr 2020 beläuft sich auf 50,1 Milliarden.

Im Saal des Landhotels Voshövel veranstaltete der Rotary-Club Wesel-Lippe seinen 15. „Voshövel-Treff“. Foto: Helmut Scheffler

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt massive Veränderungen mit sich. „Es entstehen neue Arbeitsformen durch Vernetzung der virtuellen und der physischen Welt“, ist Wuppermann überzeugt. Hinzu kämen neue Produkte und Dienstleistungen. Ein kultureller und gesellschaftlicher Wandel seien zu erwarten.

Dadurch käme es zu großen Herausforderungen für Individuen, Sozialpartner und Staat. Als Beispiel für eine bereits heute extrem vernetzte Stadt stellte Wuppermann Seoul vor. Dieses Beispiel und die zunehmende Zahl von Drohnen nutzte Wuppermann als Einstieg in seine abschließenden Betrachtungen zur bedenklichen Cybersicherheit im privaten Bereich und in Industrieunternehmen.

Einige Fragen aus dem Kreis der Zuhörer bezogen sich auf die Cybersicherheit, auf die Gefahr der Überwachung und Manipulation des Menschen und auf die Sinnhaftigkeit eines Ministeriums für Digitalisierung. Ein solches Ministerium lehnte Wuppermann mit dem Hinwies auf Länder wie Finnland, Neuseeland, Thailand und Südkorea ab, in denen man die rasante Digitalisierung geschafft habe ohne ein Ministerium. Deutschland brauche kein Ministerium dafür, sondern einen drastischen Abbau bürokratischer Hemmnisse.

Mit einem Grünkohlessen begann der gesellige Teil des 15. „Voshövel-Treffs“, dessen Erlös drei Projekten zugeführt wird, die vom Rotary-Club Wesel-Dinslaken gefördert werden. H.Scheffler

 

Vorheriger ArtikelKleinsteinberg führt Schermbeck zum Sieg
Nächster ArtikelSV Schermbeck veranstaltet Workshop „ABC des Spielens“
Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here