Bürgerinitiative bedankte sich bei der Baufirma für den zügigen Arbeitsablauf – Bau des Fahrradweges entlang der Bestener und der Kirchhellener Straße

Das hat Günter Eickmann auch noch nicht erlebt. Der Polier der Bottroper Baufirma Eurovia staunte am Dienstag nicht schlecht, als in der Mittagspause Antonius und Mathilde Jansen, Stephan Peuler und Ferdi Butenweg auf der Baustelle an der Kirchhellener Straße erschienen, um dem siebenköpfigen Bautrupp zwei Körbe mit Esswaren zu überreichen.

„Wir möchten uns bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern für den zügigen Fortgang der Arbeiten am Fahrradweg bedanken“, nannte Antonius Jansen als Grund für die Überreichung des Geschenkes.

An der Baustelle überreichten Stephan Peuler, Ferdi Butenweg, Mathilde Jansen und Antonius Jansen dem Polier Günter Eickmann (v.l.) zwei Körbe mit Esswaren für den siebenköpfigen Bautrupp. Foto: Helmut Scheffler

Auf diesen Moment hat Antonius Jansen lange warten müssen. Sein langjähriges Bemühen um Lösungen der „unendlichen Geschichte“ des Radweges entlang der Kirchhellener Straße hat sich gelohnt. Am 14. Oktober 2019 wurde mit dem Bau des Fahrradweges begonnen. Die erforderlichen Rodungsarbeiten waren bereits im Februar durchgeführt worden.

Vor drei Jahrzehnten sah alles nach einem zügigen Bau des Fahrradweges entlang der Bestener und der Kirchhellener Straße aus. Zusammen mit dem Bau der Umgehungsstraße wurde ein Fahrradweg auf der Westseite der Bestener Straße gebaut, der aber nach etwa 200 Metern an der Bruchstraße aufhörte. Um eine Verlängerung bis zur Grenze nach Kirchhellen n zu erreichen, setzten sich regelmäßig die Gahlener Ratsmitglieder aus den Reihen der SPD und der CDU ein.

Fahrradweg Gahlen

Besonders hartnäckig blieb dabei Antonius Jansen. Als Einzelkämpfer war er lange Zeit unterwegs, um Politiker und die zuständigen Behörden von der Notwendigkeit eines Fahrradweges entlang der L 104 zu überzeugen. Als hartnäckiger Gegner eines Fahrradwegs entpuppte sich lange Zeit hindurch der Landesbetrieb Straßenbau NRW (kurz: Straßen.NRW).

Er begründete seine Ablehnung mit zu geringen Verkehrsverhältnissen, was Antonius Jansen bis heute nicht begreifen kann, zumal die L 104 schon vor 30 Jahren eine Hauptverbindung zwischen dem Niederrhein und dem Ruhrgebiet war. Noch kurioser war die unterschiedliche Bewertung der Radwegbedeutung beiderseits der Grenze zwischen Besten und Kirchhellen. Der Regionalrat bei der Bezirksregierung Münster platzierte den Kirchhellener Teil des Radweges als Nummer eins auf der Prioritätenliste, während der Regionalrat der Bezirksregierung Düsseldorf für die Fortsetzung auf dem Bestener Gebiet den 35. Platz vorsah.

Als die Zuständigkeit im Jahre 2011 für die beiden Teilstrecken dem Regionalrat Ruhrgebiet zufiel, gab es enge Kontakte zwischen den Regionalratsmitgliedern Kamps und Schmidt, der Kirchhellener Bürgermeisterin Margot Hülskemper und dem Schermbecker Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter.

Im November 2012 wurde von den beiden Initiatoren Stephan Peuler und Michael Noske eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, der sich auch Antonius Jansen anschloss. Vertreter von Verwaltungen und Landtagsabgeordnete wurden ebenso eingeladen wie Eigentümer betroffener Grundstücke, um ihnen am 22. Januar 2013 das Radweg-Projekt vorzustellen. Zudem gab es im März 2013 ein Treffen im Landtag mit den hiesigen Landtagsabgeordneten und mit Vertretern des Verkehrsministeriums.

Fahrradweg Gahlen

17 Vertreter der BI saßen im Raum, als im Juni 2013 der Planungsausschuss des Regionalverbandes Ruhrgebiet (RVR) sich mit dem Radwegbau befasste. Die BI verstärkte auch ihren Druck auf die Spitze der Stadt Bottrop und der Gemeinde Schermbeck, auf die örtlichen Landtagsabgeordneten, auf das Kommunalparlament Ruhrgebiet und auf Straßen.NRW. Mehrere Bürgerversammlungen mit bis zu 60 Teilnehmern fanden statt. Die Entscheider wurden zu einer Planwagenfahrt eingeladen.

Am 13. Dezember 2013 folgte die RVR-Verbandsversammlung dem Vorschlag des RVR-Planungsausschusses und setzte den Radweg auf Platz 1. „Ab jetzt ging es durch die Verwaltungen“, erinnert Antonius Jansen an ein langwieriges Prozedere. „Ohne die Unterstützung des Oberbürgermeisters Bernd Tischler würde der Radweg nun noch nicht gebaut werden“, waren sich die Vertreter der BI am Dienstag einig. Die Stadt Bottrop hatte die Planung und die Grundstücksverhandlungen übernommen.

neuer Radweg Gahlen

Auf der Bestener Seite des Radwegs gehen die Arbeiten zügig voran. Zwischen der Grenze zu Kirchhellen und der Bestener Pannackerstraße wird auf einer Länge von 1,5 Kilometern der Boden abgetragen, neuer Füllboden eingebracht, der mit einem Gewebevlies abgedeckt wird, bevor eine 30 Zentimeter dicke Kalksteinschicht und anschließend Asphalt auf den 2,50 Meter breiten Fahrradweg aufgebracht werden.

Während die Firma Eurovia mit dem Bau des Fahrradwegs beschäftigt ist, hat die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft GmbH (RWW) im Bereich nahe der Nierleistraße mit dem Verlegen neuer Wasserleitungen begonnen.

Aufwändig ist die Anfang des Jahres 2020 anstehende Verlegung des Baumbaches. Durch ein Rohr wird er nahe dem Landhaus Nikolay auf die Westseite der L 104 geleitet und dann durch einen offenen Graben weitergeführt. Nach der Bachverlegung kann der Fahrradweg fortgesetzt werden bis zur Bestener Bushaltestelle. Dort ist eine Querung der L 104 vorgesehen. Ab dort folgt der Radweg nicht mehr der Bestener Straße, sondern der Pannackerstraße, dem Janbrucksfeld und der Bruchstraße in Richtung Gahlener Ortskern.

„Nun muss aber kurzfristig auch auf Kirchhellener Gebiet der Bau beginnen“, forderte Stephan Peuler am Dienstag. Ferdi Butenweg sieht noch eine weitere Notwendigkeit. Wenn der Radweg nicht nur von Ortskundigen genutzt werden soll, müsste er von der Münsterstraße bis zum Ortskern Gahlen gebaut werden.“ Er hofft, „dass die Stadt Bottrop ihren Ruf als fahrradfreundliche Stadt auch ernst nimmt.“ Helmut Scheffler

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.