Zu Besuch im Armenviertel in Sri Lanka

Rolf Freiberger hat mit Kindern zusammen ein Buch geschrieben

Schermbeck Wer Kinder mag, Lust am Vorlesen und Fabulieren hat, außerdem mit 66 Jahren ein nachberufliches Leben beginnen kann und voller Begeisterung für Neues in der Zukunft steckt, der bringt ideale Voraussetzungen mit für das Schreiben eines Buches.

Der Dammer Rolf Freiberger vereint all diese Pluspunkte, und da er auch noch Lust am ehrenamtlichen Engagement hat, konnte aus dem Bedingungsfeld heraus sein erstes Buch entstehen, das unter dem Titel „Anindos 134. Leben“ erschienen ist. Das 112-seitige Buch ist zum Preis von 9,98 Euro in der Schermbecker Buchhandlung Hansen und in der Dinslakener Buchhandlung „Lesezeit“ erhältlich.

Die Gedichte, die Rolf Freiberger als Schüler schrieb, dürfen in der Rückschau als unentdeckte Begeisterung für literarische Experimente gewertet werden. Der Beruf als Produktentwickler bei Evonik und späterer technischer Berater in der Lackindustrie ließ jedoch allenfalls Platz fürs Formulieren technischer Berichte.

Die Idee fürs Schreiben seines ersten Buches entstand im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Lese-Pate in der Drevenacker Otto-Pankok-Grundschule. Zweimal wöchentlich verhilft er dort Kindern übers Vorlesen und Erzählen zur Erweiterung des Wortschatzes. Bei solchen Übungen haben die Kinder mit ihrem „Lese-Opa“, wie er auch liebevoll genannt wird, geübt, wie man aus mehreren Einzelwörtern eine Geschichte entwickeln kann. Was zigmal mit dem Lesekind Joel trainiert wurde, brachte Rolf Freiberger auf die Idee, nicht immer neue Geschichten zu erfinden, sondern eine große Geschichte zu schreiben und zu einem Buch zu entwickeln.

Von Joel hat Rolf Freiberger zu jedem Kapitel neue Wörter bekommen, die er in seine Gesamtgeschichte einfließen lassen musste. Die Wörter durften der Situation angepasst werden, also im Plural oder in anderen Zeitstufen verwendet werden.

Rolf Freiberger entwickelte daraus die Geschichte um den achtjährigen Jungen Anindo, der in einem Armenviertel von Sri Lanka lebt. Die Familie ist sehr arm und Anindo muss für den Lebensunterhalt der Familie betteln gehen. Anindo träumt davon, eines Tages eine Schule besuchen zu können und Schreiben und Lesen zu lernen.

Das Buch beschreibt realitätsnah die Lebensumstände sehr armer Menschen in Sri Lanka mit den Augen eines Kindes. Rolf Freiberger konnte seine Erfahrungen und Beobachtungen einarbeiten, die er während eines dreiwöchigen Aufenthaltes in Sri Lanka in den 1990er-Jahren machte. Bei der sorgfältigen Recherche halfen ihm Bücher und das Internet.

In 17 Kapiteln des Buches erlebt Anindo schöne, aber auch traurige Momente. Auf verschlungenen Pfaden treibt ihn das Schicksal durch eine unvollkommene Welt. Der größte Tsunami der Neuzeit zerstört seine Heimat. Kraft findet Anindo in seiner Familie, vor allem bei seinem Opa und seinem besten Freund Ramesh. Daneben trifft er auf Menschen, die ihn beeindrucken und prägen Anindo erlebt den Zauber der ersten Liebe, aber auch den Hauch des Todes und die Wandlung seiner Heimat durch die Globalisierung.

In den ersten 16 Kapiteln des Buches erfahren die Leser, wie Anindo seinen Traum vom Besuch einer Schule verwirklichen kann. Erfolgreiche Stationen seines Lebens werden von Rolf Freiberger skizziert. Und dann bricht er urplötzlich ab. Statt eines Schlusses, der den Leser zufrieden das Buch zur Seite legen lassen könnte, fordert er die Leser auf, für die Geschichte eine Fortsetzung zu finden. Ein vierseitiges Glossar rundet das Buch ab.

Der Dammer Rolf Freiberger hat ein Buch (nicht nur) für Kinder geschrieben. Foto Scheffler
Der Dammer Rolf Freiberger hat ein Buch (nicht nur) für Kinder geschrieben. Foto Scheffler

Rolf Freiberger hat im Rahmen einer ersten Vorlesung in Dinslaken erfahren, dass den Zuhörern die entwickelnde Art des Schreibens sehr gefallen hat. Er ist bereit, auch in Schermbeck Vorlesungen zu starten. Besonders gern würde er in die Schulen gehen, um Kinder für die Geschichte des Jungen Anindo zu begeistern. Sein Angebot, in Schermbecker Schulen kostenlos eine Vorlesestunde zu gestalten, dürfte in Zeiten knapper schulischer Kassen ein verlockendes Angebot sein. Kontakte sind unter Tel. 02853/91659 ebenso möglich wie per Mail unter [email protected] H.Sch.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.