Landwirte fordern eine Erdgasleitung durch den Dämmerwald

Im Rahmen des Informationsabends zur Erdgasleitung ZEELINK wurde am Montag eine Leitungstrasse vorgestellt, mit der sich im Sommer das Planfeststellungsverfahren befassen wird (wir berichteten).

Diese Trassenführung widerspricht der Auffassung der Landwirte und der Gemeinde Schermbeck. Beide vertraten bislang die Auffassung, dass die Trasse durch den Staatsforst Dämmerwald führen sollte.

„Wir werden die Trasse durch den Dämmerwald auch im Verlauf des Planfeststellungsverfahrens weiter den Politikern nahelegen“, teilte der Schermbecker Fachbereichsleiter Gerd Abelt am Montagabend in Hecheltjens Scheune in Havelich mit und erinnerte daran, dass dies der ausdrückliche politische Wille des gemeindlichen Planungs- und Umweltausschusses gewesen sei.

Richtig verärgert sind die Landwirte darüber, dass ihr Vorschlag einer Trasse durch den Dämmerwald ignoriert wird. Im Gespräch mit uns nannte Rainer Kremer (Foto), der Sprecher der Schermbecker Landwirte, heute gleich mehrere Gründe, die für die Dämmerwald-Trasse sprechen. Die landwirtschaftlichen Böden, die für die jetzt geplante Trassenführung genutzt werden sollen, seien schon jetzt sehr schwierig zu bewirtschaften, da fast überall die Grundwasserverhältnisse durch Dränagen reguliert werden müssten. „Diese Dränagen“, so Kremer, „sind sehr sensibel. Wenn sie durch Baumaßnahmen zerstört werden, werden sie wohl niemals wieder richtig funktionieren.“

Kremer verweist zudem auf den sehr tonhaltigen Unterboden. Eine Wiederherstellung eines solchen Bodens sei sehr schwierig.

„Die Trassenführung durch den Dämmerwald hätte den Vorteil, dass ein anderes Naturschutzgebiet nicht berührt werden müsste“, verweist Kremer auf das Naturschutzgebiet am Drevenacker Schwarzenstein, das durch die jetzt geplante Trasse durchschnitten werde.

„Da wird mit falschen Zahlen operiert“, bedauert Kremer kursierende Werte für Flächen, die bei der Trassenführung durch den Dämmerwald beansprucht werden. Er selbst legt andere – sehr viel niedrigere – Flächenangaben vor. Auf einer Länge von 3,5 Kilometern würden insgesamt nur etwa 2 bis 2,5 Hektar bisheriger Waldfläche der Wiederaufforstung entzogen.

Die extrem starke Berücksichtigung des Naturschutzstatus des Dämmerwaldes kann Kremer nicht verstehen. Der Ortsteil Dämmerwald liege in einem Landschaftsschutzgebiet. „Die Untere Landschaftsbehörde hat uns vor etwa zehn Jahren im Rahmen der Landschaftsplanung des Raumes Schermbeck deutlich erklärt, dass dieses Gebiet zu schützen sei“, erinnert Kremer.

Kremer verweist auf eine starke Belastung des Ortsteils Dämmerwald. Der Ortsteil werde schon jetzt durch eine Starkstromleitung durchschnitten. Außerdem plane die Firma Amprion eine weitere unterirdische Stromleitung, die von Emden nach Neuss führen solle und dabei den Ortsteil Dämmerwald durchqueren solle. „Es kann doch nicht sein“, so Kremer, „dass ein einziger Ortsteil gleich drei Leitungen verkraften soll.“

Kremer legt den Grundstückseigentümern deshalb nahe, auf keinen Fall einen Vertrag zu unterschreiben, sondern abzuwarten, bis im Sommer das Planfeststellungsverfahren beginnt. Dann könne erst einmal jeder Eigentümer Einspruch erheben und gegebenenfalls eine gerichtliche Entscheidung anstreben. H.Scheffler

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Heimatreporter

Unter der Artikel-Kennzeichnung „Heimatreporter“ postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck.
Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks „Radio Kreis Wesel“, darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des „Schermbecker Schaufenster“. Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den „Rheinland-Taler“ des Landschaftsverbandes Rheinland.

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