Wölfe reißen erneut zwei Schafe in Dorsten-Östrich

Nach 65 Jahren gibt Heinz Heselmann aus Dorsten-Östrich seine kleine Schafzucht auf

Großen Hunger müssen die Wölfe gehabt haben, als sie in der Freitagnacht zwei Schafe im Wolfsgebiet Schermbeck rissen.

Die Wölfe aus dem Schermbecker Wolfsgebiet suchten sich erneut binnen von zehn Tagen eine Schafwiese in Dorsten-Östrich aus. Damit erhöht sich die gesamte Risszahl von Nutztieren seit August im Wolfsgebiet Schermbeck auf sechs Fälle, mit insgesamt 13 toten Schafen.

Die Wolfsrisse fanden laut Bürgerforum Gahlen Wolf in der Nacht von Freitag auf Samstag statt. Schafhalter Heinz Heselmann aus Dorsten-Östrich fand auf seiner Weide am Samstagnachmittag die zwei Schafe tot auf. Die Bereitschaftszentrale des LANUV wurde noch am gleichen Tag um ca. 18.00 Uhr verständigt. Die Wolfsberaterin traf am Sonntag gegen 14.30 Uhr ein.

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Schaf Schneeweißchen wurde durch einen Kehlbiss getötet. Foto: Bürgerforum Gahlen Wolf

Große Menge Fleisch

Bei der ersten Inaugenscheinnahme bestätigte die Wolfsberaterin die Vermutung von Heinz Heselmann, dass hier nicht nur ein Wolf am Werk war. Ein getötetes Schaf wies einen Kehlbiss auf, das zweite Tier sei laut Christiane Rittmann vom Bürgerforum Gahlen Wolf beinahe komplett abgefressen gewesen. Bereits beim letzten Wolfsriss in Kirchhellen-Holthausen fehlten bei einem von vier gerissen Schafe riesige Mengen Fleisch von ca. 20 bis 25 kg.

Die Weide von Heinz Heselhaus liegt im Grüngürtel der Stadt Dorsten, eingebettet zwischen Pferdekoppeln, Maisfeld und einem schmalen Baumgürtel. Geschützt ist die Weide durch ein Knotengeflecht und Stacheldraht.

Lieblingsschaf Schneeweißchen

Nach dem Riss ist die Familie Heselmann fassungslos und zieht die Konsequenzen. Sie gibt nach 65 Jahren ihre Schafhaltung auf. Ein trauriges Ende findet damit eine kleine traditionelle Schafzucht in Dorsten-Östrich. Ein Ende, was wohl alle Familienmitglieder noch länger beschäftigt wird. Ein Grund dafür auch, dass eins der getöteten Schafe sogar einen Namen „Schneeweißchen“ hatte. Es war das Lieblingsschaf von Heinz Heselhaus Enkeltochter.

Alle Schafe werden von einem befreundetet Schafhalter abgeholt und verkauft, heißt es in der Meldung. Und wieder gebe ein Schafhalter seine Herde auf, bedauert Christiane Rittmann. „Und wieder werden Flächen, wie z.B. Streuobstwiesen und kleinere Weiden nicht mehr durch Schafe gepflegt und verbuschen. Kleine Biotope, die für unsere Insektenwelt so wichtig sind, verschwinden“.