Don Kosaken rissen Schermbecker Zuhörer von den Kirchenbänken
Schermbeck Einen glanzvollen musikalischen Ausflug in die Welt der russisch-orthodoxen Liturgie bescherten der Männergesangverein „Eintracht“ und die Schermbecker Kulturstiftung etwa 200 Besuchern eines Konzertes in der Ludgeruskirche.

Vom Auftritt der „Don Kosaken Serge Jaroff“ in Rhade im vergangenen Jahr waren die „Eintracht“-Sänger so begeistert, dass sie beschlossen, ein ähnliches Konzert in Schermbeck anzubieten. Bei der Kulturstiftung fand Dr. Wolfgang Kimpenhaus offene Ohren und so kam ein musikalisches Highlight der allerfeinsten Art zustande, zu dem die Kulturstiftungs-Vorsitzende Brigitte Straus am Freitag auch zahlreiche Gäste aus dem weiten Umfeld Schermbecks begrüßen konnte.

Den musikalischen Reigen eröffnete der von Walter Buß geleitete MGV „Eintracht“ mit Franz Schuberts Lied „Die Nacht“. Das folgende „Schäfers Sonntagslied“ mit Ludwig Uhlands Bekenntnis „Das ist der Tag des Herrn“ passte zur Atmosphäre eines Gotteshauses ebenso wie das von Gotthilf Fischer bekannt gemachte Lied „Frieden“.
Vor dem Altar der Ludgeruskirche stehend, vermittelten anschließend 17 stimmgewaltige Sänger der von Wanja Hlibka seit 2001 geleiteten Don Kosaken die typische Atmosphäre in der orthodoxen Kirche, wo weder das Mitwirken eines Orchesters mit seiner bunten Tonfülle noch das ruhig-majestätische Spiel der Orgel gestattet waren.
Botschafter des orthodoxen Glaubens, Vermittler von Ökumene und vor allem mitreißende Gesangstalente: Das alles boten die in typischer Kosakenkleidung auftretenden Sänger den Zuhörern mit brillanter Stimmführung. Klare Tenöre und volltönige Bässe sorgten für ein Klangerlebnis, wie man es im provinziellen Schermbeck wohl nur selten erlebt. Prachtvolle Stimmen, gesangstechnisch versiert eingesetzt, verbanden sich zu einem Klang, der zum Gemüt ging. Das Publikum erlebte eine Klangfülle und musikalische Dramatik, die unter die Haut ging und die Seele aufschloss.

Schade nur, dass es kein schriftliches Programm und keinerlei Erläuterungen zu den in russischer Sprache gesungenen Liedern oder zu dem Stellenwert der Gesänge in der orthodoxen Kirche gab. Ein zweigeteiltes Programm boten die Sänger den Zuhörern. Nach dem religiös orientierten Part, der auch das „Vater unser“ und ein stimmungsvolles „Ave Maria“ enthielt, luden die Sänger zu einem Ausflug in die Weite der russischen Steppe ein. Die Gesänge wechselten schlagartig ihren musikalischen Charakter. Mit überschäumender Begeisterung schilderten die Sänger das Leben in der Steppe. Die Begeisterung griff schnell über aufs Publikum, dessen Beifall bisweilen kaum enden wollte. Bekannte Lieder wie die aus dem 16. Jahrhundert stammende Klosterlegende von den zwölf Räubern um den Hauptmann Kudiar wurden mit langem Applaus bedacht.

Zum krönenden Abschluss eines unvergesslichen Hörerlebnisses wurde das vorwärts stürmende „Kalinka“, das mit stehendem Applaus quittiert wurde. Den gemeinsamen Auftritt beim Lied „Guten Abend, gute Nacht“ werden die „Eintracht“-Sänger sicherlich als einen Höhepunkt in der Chronik ihrer 148-jährigen Geschichte vermerken. H.Sch.























