Das Krimi-Duo Thomas Hesse und Renate Wirth gastierte bei „Blumen Stricker“

Das wärmende Fell südamerikanischer Alpakas wird trotz ausgelegter Wolldecken sicherlich mancher der 30 Besucher herbeigesehnt haben, die am Freitagabend in die überdachte Halle von „Blumen Stricker“ kamen, um an der Lesung des bekannten niederrheinischen Krimi-Duos Thomas Hesse und Renate Wirth teilzunehmen.

Für das außergewöhnliche Ambiente hatten die von Marcell Oppenberg geleiteten „Schermbecker Landhelden“ als Veranstalter in Corona-Zeiten gesorgt. Für Thomas Hesse und Renate Wirth war es nach längerer Zeit mit Streaming- und Video-Lesungen wieder die erste Live-Lesung vor einem interessierten Publikum und zugleich eine neue Erfahrung mit Veranstaltungsorten, nachdem der Weseler und die Xantenerin schon in einem Restaurierungsarchiv, in der Düsseldorfer Krimi-Straßenbahn, in einer Pathologie-Station und in einer Weseler Schreinerei mit Särgen im Hintergrund Partien aus ihren gemeinsam erstellten Krimis vorgelesen hatten.

Während ihres einstündigen Auftritts in Schermbeck lasen Thomas Hesse und Renate Wirth am Freitagabend Passagen aus zwei ihrer gemeinsam geschriebenen Krimis vor und plauderten über Vorkommnisse im Umfeld des literarischen Produktionsprozesses. Foto Scheffler

Spannende Kriminal-Geschichten mit regionalem Bezug: Das ist das Markenzeichen des einzigen rheinübergreifenden niederrheinischen Krimi-Duos, das seit 2005 fast jährlich einen Kriminalroman produzierte, von denen die meisten im Kölner Emons-Verlag erschienen. Im Mittelpunkt stehen Verbrechen und deren Aufklärung durch das Weseler Kriminalkommissariat K 1 mit Chefkommissarin Karin Krafft, der aus Norwegen stammenden blonden Kommissarin Mette und dem widerspenstigen, an einen Paradiesvogel erinnernden Kommissar Gerold von Aha.

Für fast alle zwölf Krimis haben die beiden Autoren im Titel ein Tier gewählt. Mit den Füchsen begann es im Jahre 2006. Seither sorgten die Wölfin, die Elster und die Eule ebenso für eine spannende Lektüre wie die Spinne, der Käfer, das schwarze Schaf, der Storch und der Hahn. Auch der diesjährige Krimi stellt ein Tier auf dem Titelbild vor, das in den südamerikanischen Anden beheimatet ist. Die Alpakas am Ringenberger Schloss gaben die Anregung dazu, obwohl eines der Tiere Thomas Hesse seine Fähigkeit als treffsicherer Spucker unangenehm-präzise unter Beweis stellte.

Zwischen einzelnen Passagen ihrer Lesung plauderten die Autoren über die Technik ihrer gemeinsamen Arbeit an einem Roman. Der raubeinige Thomas Hesse und die fantasievolle Renate Wirth entwickeln die Handlungsstränge ihrer Romane gemeinsam. Früher mussten zum Aufzeichnen dieser Stränge Tapetenbahnen herhalten, heute geschieht es am PC. Etwa ein Jahre lang dauern das Schreiben und Korrigieren. Eine arbeitsreiche zweite Phase beginnt, wenn der Verlag die Druckfahnen schickt und dann nachgebessert werden muss, um die Vorgaben des Umbruchs zu beachten.

Niederrheinisches Kolorit durchschimmern zu lassen, ist zentrales Anliegen der Autoren. Das gilt für die Charaktereigenschaften der Handlungsträger ebenso wie für die typischen Landschaftselemente des Niederrheins. Inzwischen fahren Leser die Strecken ab, auf denen sich Handlungszüge der Romane ereignet haben. Thomas Hesse berichtete von „Beschwerden“ der Leser, die festgestellt hatten, das ein flüchtender Täter im Roman dort nach links abbog, wo er in der Realität nach rechts hätte abbiegen müssen.

Aus zwei ihrer insgesamt zwölf Krimis lasen Thomas Hesse und Renate Wirth am Freitag während ihres einstündigen Auftritts in Schermbeck vor, um deutlich zu machen, dass stets solche Themen aufgearbeitet werden, die jeweils aktuell einen Teil der Bevölkerung besonders bewegen. Der Krimi „Das schwarze Schaf“ aus dem Jahre 2016 erinnert an die Bürgerkämpfe gegen die Eisenbahnroute „Betuweline“, die den Hafen Rotterdam über die rechtsrheinischen Teile der Kreise Kleve und Wesel mit Duisburg verbinden soll. Mit der von ihnen gewohnten Genauigkeit des sprachlichen Ausdrucks, der keine Angst vor hypotaktischen Strukturen als Stilmittel erkennen lässt, schilderten Renate Wirth und Thomas Hesse die Argumente der Befürworter und Gegner im Rahmen einer Mehrhooger Bürgerversammlung.

Auch im aktuellen Krimi „Das Alpaka“ spielen gesellschaftliche Probleme eine Rolle, diesmal sogar in einer Verschachtelung eines typischen niederrheinischen Problems mit einem bundesweiten Konflikt. Es handelt sich um eine ländliche Geschichte, die auf einem Öko-Bauernhof spielt und den Konflikt herkömmlicher und biodynamischer Landwirtschaft zum dramatischen Thema macht. Und weil sich die Geschichten am Niederrhein abspielen, hat die Kiesindustrie ein wichtiges Wort mitzureden. Eine schwierige Aufgabe hat das Kommissariat K 1 zu lösen bei der Frage, wer den Altbauer Willi van de Sandt ermordet hat.

Wer die Lösung kennen lernen möchte, kann den im Emons-Verlag erschienenen Krimi unter Angabe der ISBN 9768-3-7408-0793-1 zum Preis von 12 Euro im Buchhandel beziehen. Am Freitag gab´s dazu noch die beiden Autogramme der Autoren, die bereits am 13. Krimi mit dem Titel „Der Stier“ arbeiten und von einem Zuhörer den Tipp erhielten, in der 14. Ausgabe der Gahlener Wölfin „Gloria“ und dem Ölpellets-Skandal ein literarisches Denkmal zu setzen. H.Sch.

Info:

Die nächste Lesung aus den beiden Krimis „Der Hahn“ und „Das Alpaka“ findet am 4. Oktober zwischen 11 und 13 Uhr in der Zuchtanlage des Rassegefügelzuchtvereins Voerde statt.

In der Hamminkelner Obstkelterei van Nahmen gastiert das Krimi-Duo am 27. Oktober ab 19 Uhr.

Im Bislicher „Café Landluft“ ergänzen Thomas Hesse und Renate Wirth am 23. November ab 19 Uhr ihre Lesepassagen um Plaudereien über den Produktionsprozess bei gemeinsam geschriebenen Krimis.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.