Auf den ersten Blick stellt sich diese Aufnahme als ein Dokument aus einem ganz privaten Fotoalbum vor. Erst wenn man den Blick vom zentralen Motiv, dem 500er Fiat und seinem stolzen Besitzer Siegfried Biedermann zur Seite oder in den Hintergrund schweifen lässt, dann merkt man plötzlich, welch gewaltiges heimatkundliche Foto-Dokument da in einem privaten Fotoschatz schlummert.

Im Hintergrund erkennt man die ehemalige Lippebrücke; von der bislang den Heimatforschern nur zwei Fotos bekannt sind. Die Aufnahme, die von der Straße „Im Aap“ südlich der Lippe etwa in Höhe der heutigen Angelteiche Naroda entstand, zeigt jene Lippebrücke, die Mitte Februar 1949 dem Verkehr übergeben wurde.

Vor 1962 muss diese Aufnahme entstanden sein, weil man noch nicht vor der abgebildeten Brücke Bauteile der im Jahre 1962 begonnenen Nachfolgerbrücke erkennen kann. Foto im Besitz der Familie Biedermann
Vor 1962 muss diese Aufnahme entstanden sein, weil man noch nicht vor der abgebildeten Brücke Bauteile der im Jahre 1962 begonnenen Nachfolgerbrücke erkennen kann. Foto im Besitz der Familie Biedermann

Es war nicht die erste Brücke über die Lippe. Die Vorgängerbrücke aus dem Jahre 1928 war im Jahre 1945 von deutschen Soldaten gesprengt worden, um der amerikanischen neunten Armee das Nachrücken zu erschweren. Nach Beendigung des Krieges scheiterte eine notdürftige Reparatur der Brücke schon allein dadurch, dass die Alliierten die hochwertigen Brückenkonstruktionen als Schrottkontingente begrüßten, die zerschnitten und abtransportiert wurden.

Bereits vor der Währungsreform im Juni 1948 wurde mit dem Bau der neuen Lippebrücke begonnen, nachdem zuvor die Oberhausener Firma Böger und Co. die Trümmerreste der ersten Brücke aus dem Flussbett entfernt hatte. Bis zur Währungsreform waren 239 005 Reichsmark ausgegeben worden. Acht Monate später rollte der Verkehr über die neue Brücke.

15 Jahre später wurde die Brücke überflüssig, weil man etwa zehn Meter östlich von ihr die dritte Lippebrücke im September 1964 eröffnete. Am 13. April 1965 wurde die abgebildete Brücke von dem Essener Sprengmeister K.H. Meyer mit Hilfe von sechs Kilogramm Amongelit III zum Einsturz gebracht. H.Sch.

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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