Kreis Wesel stellt einen Antrag auf Vergrämung der Saatkrähen aus dem Stadtkern durch Beschallung

Kreis Wesel (pd). Mit Hinweis auf die Stadt Soest und das dort laufende Projekt zur Umsiedlung von Saatkrähen mittels Beschallung stellte der Dienstleistungsbetrieb Stadt Xanten (DBX) im Frühjahr 2020 bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Wesel einen Antrag auf Vergrämung der Saatkrähen aus dem Stadtkern durch Beschallung.

Inzwischen liegt der Abschlussbericht des Soester Projektes vor. Dies hatten der DBX, die Stadt und der Kreis Wesel zum Anlass genommen, sich über den Antrag des DBX noch einmal intensiver auszutauschen und nach einem gangbaren Weg im Umgang mit den Saatkrähen zu suchen.

Umsiedlungsprojekt von Saatkrähen

In den Presseberichten der zurückliegenden Monate wurde regelmäßig der vermeintlich große Erfolg des Umsiedlungsprojektes in Soest propagiert. Klaus Horstmann, Fachdienstleiter für den Bereich Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd, Fischerei beim Kreis Wesel, korrigiert diese Aussage und zitiert aus dem Abschlussbericht: „Aufgrund der sehr geringen Reduktion der Nestdichte im beabsichtigten Wirkradius und keiner erfolgreichen Ansiedlung kann der Versuch nicht als erfolgreich betrachtet werden.“

Mit den Worten: „Leider hat das nicht geklappt“, fasste er das ernüchternde Ergebnis des Umsiedlungsversuches in Soest zusammen. Dass dabei eine weitere Zersplitterung der Kolonien mit der Auslösung neuer Störbereiche stattgefunden habe, sei nicht neu und könne bei Vergrämungsaktionen regelmäßig festgestellt werden. „In Kenntnis dieser Ergebnisse aus Soest fehlt mir jegliche rechtliche Grundlage, dem Antrag des DBX stattgeben zu können. Nur eine Vergrämung, die einerseits funktioniert und erfolgversprechend ist und andererseits nicht maßgeblich in den Saatkrähenbestand eingreift, kann eine artenschutzrechtliche Ausnahme begründen“, so Horstmann weiter.

Nach Aussage von Niklas Franke, Technischer Dezernent der Stadt Xanten, trifft diese Botschaft die Stadt Xanten hart. „Das ist zwar nachvollziehbar, aber damit kann ich nicht zufrieden sein. Wir hatten die bisherigen Signale aus Soest anders wahrgenommen und darauf gehofft, hierin auch eine Lösung für die Stadt Xanten gefunden zu haben“, führt Franke weiter aus.

Saatkrähen wohnen lieber in der Stadt

Denn es sei offensichtlich, dass die Saatkrähen lieber in der Stadt als auf dem Land wohnen wollen. „Das kann ich bestätigen“, so Horstmann und führte weiter aus: „Die Kartier-Ergebnisse aus den vergangenen Jahren belegen eindeutig, dass sich der Gesamtbestand der Saatkrähen in Xanten zwar kaum verändert, allerdings der Anteil der Stadtbewohner deutlich zugenommen hat.“

Außerordentliche Belastungen für Bürger

Ungeachtet des Ergebnisses des Soester Projektes erkannten alle Beteiligten die in einzelnen Bereichen bestehenden außerordentlichen Belastungen für die Xantener Bürger an. Da aber auf keine bekannte und rechtlich zulässige Standardlösung zurückgegriffen werden kann, schlug Franke vor zu prüfen, ob für das gesamte Gebiet der Innenstadt Xanten ein Gutachten erarbeitet werden kann.

Hierüber sollten Schwerpunktbereiche identifiziert werden, an denen unter Zugrundelegung stringenter Kriterien die Belastungen für die Bürger besonders gravierend sind. Außerdem sollten die Bereiche ermittelt werden, in denen die Saatkrähenkolonien ungestört bleiben müssen, um den Schutz ihrer Gesamtpopulation gewährleisten zu können.

Artenschutzrechtliche Vorgaben

Unter Beachtung der strengen artenschutzrechtlichen Vorgaben sollte dann für einzelne, klar definierte Belastungsschwerpunkte eine geeignete und rechtlich zulässige Vergrämungsmaßnahme entwickelt und aufgezeigt werden, die als Grundlage für einen Antrag auf artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung herangezogen werden kann.
Zusammenfassend stellte Franke fest: „Da nach den vorliegenden Erkenntnissen unser Antrag vom Frühjahr 2020 als aussichtslos anzusehen ist, werden wir diesen zurückziehen und stattdessen versuchen, auf gutachterlicher Basis eine gangbare Lösung für die Stadt Xanten zu finden.“

Über eines aber waren sich alle Beteiligten im Klaren: Auch, wenn es gelingen sollte, einzelne Schwerpunktbereiche zu entschärfen, wird die Stadt Xanten nicht komplett Saatkrähen-frei werden und auch weiterhin mit den Saatkrähen leben müssen.

Vorheriger ArtikelRV Gahlen sagt Turniere im Oktober ab
Nächster ArtikelAlterssicherung und Altersvorsorge für Frauen:
Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte den vollständigen Vor- und Nachnamen eintragen