Asato Ma Sat Gamaya: Tamaso Ma Jyotir Gamaya: Mrityor Ma Amritam Gamaya. 3 Gedankengänge aus der indischen Meditation, deren Bedeutung wir jetzt erschließen wollen.
Asato Ma Sat Gamaya: Führe uns vom Unwirklichen zur Wahrheit

Pastor Xavier Muppala

Pontius Pilatus fragt Jesus: Was ist Wahrheit? Schade, dass Jesus nicht geantwortet und uns gesagt hat, was Wahrheit ist. All die Jahrhunderte lang haben Menschen, Gruppen, Religionen und Nationen die Wahrheit so definiert, wie sie in ihr Denken passt.

Die Ereignisse in Syrien und im Irak wurden von der IS als heiliger Krieg bezeichnet. Die Russen sagen, sie würden so die ordnungsgemäße Regierung unterstützen. Der Westen glaubt, den Kampf um die Freiheit zu unterstützen. Was also ist die Wahrheit? Jesu Tod war das Ergebnis eines von den Mächtigen geschürten Populismus, eine Aufwiegelung der Menschenmenge.

Wir würden das heute einen Flashmob nennen. Auch Pilatus hatte nicht den Mut, sich diesem Flashmob entgegenzustellen. Der gleiche Populismus, der gleiche Flashmob beherrscht heute das Szenario. Extremismus beeinflusst den Alltag der Menschen, sei es in Großbritannien, in den USA, in der Arabischen Welt und leider auch hier in Deutschland. Populismus, der oft von den Mächtigen manipuliert wird. Und unglücklicherweise bleiben wir still, wie damals der Pilatus. Der neue Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wir brauchen den Mut, zu sagen, was ist… und was nicht ist! Wir brauchen den Anspruch, Fakt und Lüge zu unterscheiden, wir brauchen das Vertrauen in die eigene Urteilskraft.“ Die Auferstehung Jesu fordert, dass wir uns frei machen von unseren Vorurteilen, vom Schwimmen mit der Masse, vom Orientieren an der Mehrheit, vom Populismus.
Tamaso Ma Jyotir Gamaya: Führe uns von der Dunkelheit ins Licht
Obwohl die Dunkelheit uns hilft, gut zu schlafen (und das ist gut!), erzeugt sie auch Furcht in uns und erleichtert das Dunkle in uns selbst. Früher wurden Verbrechen im Normalfall im Dunklen begangen – heute gibt es in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen Dunkelheit und Licht. Die meisten Verbrechen werden bei Tag begangen. Wir leben heutzutage in einer Höhle, die man „Ich“ nennen kann. Wir sehen nur noch uns: unsere Interessen, unsere Pläne, unsere Wünsche, unseren Spaß. Den Anderen haben wir weniger im Blick. Die Auferstehung mahnt uns, aus dem Dunkel heraus zu kommen ins Licht, den Anderen zu sehen und zu erkennen, die Mitmenschen wahrzunehmen.

Mrityor Ma Amritam Gamaya: Führe uns von der Sterblichkeit zum Leben.
Als wir über meine Pilgerfahrt unter anderem nach Fatima sprachen, sagte ich zu Pastor Honermann: Wenn ich lebend zurückkomme, feiern wir mein Come-Back; wenn nicht, feiert ihr meine Beerdigung. Man weiß heutzutage nicht, was im nächsten Augenblick passieren wird. Und es ist gut, dass wir das nicht wissen.
Nur eines ist sicher: dass wir eines Tages sterben werden. Aber Sterblichkeit ist mehr als der individuelle Tod, mehr als Ihr und mein Tod. Sterblichkeit wird verursacht durch Unterdrückungs-Strukturen wie Sklaverei, Ausbeutung und Ungleichheit. Sterblichkeit hat zu tun mit Strukturen, die Unrecht legalisieren und Unheiliges verherrlichen: zum Beispiel, wenn ich andere Menschen töte oder mit mir in den Tod reiße, um einen Platz im Himmel zu bekommen. In seinem dreijährigen öffentlichen Wirken stand Jesus fest gegen solche Strukturen, wie Unterdrückung der Frauen, wirtschaftliche Ausbeutung, unfaire Handelspraktiken, profitorientiertes Wirtschaften wie Waffenindustrie und Ähnliches. Die Auferstehung Jesu fordert uns auf, solche Strukturen zu verändern und in Frage zu stellen. Und wenn wir noch so viel spenden und Gutes tun, wir werden unsere Probleme nicht ändern können, ohne die dafür verantwortlichen Strukturen zu beseitigen.
Die Osterkerze brennt. Jesus ist das Licht der Welt. Derselbe Jesus sagt uns: “Lasst euer Licht scheinen”. Liebe Freunde, achten Sie auf die Worte Jesu. Er sagt nicht: „Tragt mein Licht in die Welt“, sondern „Lasst euer Licht scheinen“. Wir sind aufgefordert, uns selbst und andere aus der Unwahrheit zur Wahrheit, aus der Dunkelheit zum Licht, aus dem Tod zum Leben zu führen.

Ich las, dass die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl nur 71,5 % betrug, trotz der guten Infrastruktur hier, obwohl fast 100 % der Menschen hier lesen und schreiben können. Ein noch düsteres Bild ergibt sich bei den Pfarreirats-Wahlen. Jeder möchte, dass sich die Kirche ändert. Aber ich frage mich: Wer oder was ist denn „die Kirche“? Wer kann denn etwas ändern, wenn nicht wir? Die NRW-Wahl im Mai, die Pfarreirats-Wahl im November sind Gelegenheiten, uns an den Änderungen, die wir haben möchten, wenigstens zu beteiligen. Demokratie ist nicht für alle Zeiten garantiert! Demokratie wurde und wird missbraucht, zum Beispiel durch Populismus. Die Auferstehung Jesu fordert uns auf, unsere Augen zu öffnen, mutig unsre Stimmen gegen Unwahrheit, Dunkel und Tod zu erheben.
Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes, frohes Osterfest.
Pastor Xavier Muppala

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Heimatreporter

Unter der Artikel-Kennzeichnung „Heimatreporter“ postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck.
Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks „Radio Kreis Wesel“, darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des „Schermbecker Schaufenster“. Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den „Rheinland-Taler“ des Landschaftsverbandes Rheinland.

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