Schermbecker Gesamtschüler gestalteten bei Kälte und Nässe den Marienthaler Balladenweg

Die Pasta im Marienthaler Gasthaus Hartmann hatten sich die 46 Schülerinnen und Schüler der Schermbecker Gesamtschule am Freitag redlich verdient.

Am Freitag bestückten die Schüler und Lehrer der Schermbecker Gesamtschule die Tafeln des Marienthaler Balladenweges mit Texten und Bildern zu Balladen aus verschiedenen Epochen der Literaturgeschichte. Foto: Helmut Scheffler

Zwei Stunden lang hatten sie – nach einer vorangegangenen Klausur – dem Dauerregen getrotzt und in Begleitung ihrer Lehrer Norbert Hohmann und Miriam Jacobi während eines Rundgangs die Tafeln für den Balladenweg des Isseldorfes nacheinander mit neuen Texten und Bildern bestückt, bis die Klebestreifen wegen der Kälte und Nässe einfach nicht mehr kleben wollten.

17 neu gestaltete Stationstafeln

Begleitet wurden die Schüler und Lehrer von Karl-Heinz Elmer, dem Vorsitzenden des Marienthaler Kulturkreises. Er hatte im Jahre 2016 die Betreuung des Balladenweges an die ehemalige Gesamtschullehrerin Irmgard Borgard übergeben. Sie entwickelte die Idee, die bislang lediglich mit den Balladentexten versehenen 17 Stationstafeln völlig neu zu gestalten und fand bei ihrer „alten“ Schule offene Ohren.

Die Schülerinnen und Schüler von zwei Leistungskursen der Q 2 haben im Schuljahr 2019/2020 im Fach Deutsch mit dem Schulleiter Norbert Hohmann und im Fach Geschichte mit der Lehrerin Miriam Jacobi immer dann, wenn es die Unterrichtszeit zuließ, an ihren Ideen gearbeitet. Die Entscheidung über die Auswahl der Texte war an keine Vorgaben gebunden; sie war ausschließlich orientiert am Interesse für den Text.

Fünf Kilometer langer Rundweg

Wie viel Einfallsreichtum die Q-2-Schüler bewiesen, wurde beim Aufhängen der in Folien eingeschweißten Texte und Bilder deutlich. Die Wanderer erwartet auf dem etwa fünf Kilometer langen Rundweg eine interessante Mischung aus ihnen vertrauten, traditionellen Balladen einerseits und modernen, manchmal englischsprachigen Texten. Die erste Tafel steht neben dem Parkplatz am Kiosk.

Von dort führt der Weg an Feldern und Wiesen vorbei zunächst in Richtung Gertendorf, von dort nach Süden über die Straße „Im Schwarzen Grund“ im Schermbecker Ortsteil Weselerwald.

Balladenweg-Marienthal

Westlich der Marienthaler Straße folgt man der Straße „Wöllenbruch“ nach Nordwesten bis zum Klosterweg. Über den Hanßemannsweg führt der Weg zur kleinen Holzbrücke an der Issel. Von der Mündung des Winzelbaches in die Issel kommt man zurück zum Marienthaler Ortskern.

Tafeln mit QR-Codes

Zahlreiche Tafeln sind mit QR-Codes versehen, mit deren Hilfe man per Smartphone zusätzliche Informationen zu den Tafeln abrufen kann. Das ist besonders interessant an jenen Tafeln, die sich mit Liedern befassen. An der vierten Station hat der Wanderer Gelegenheit, sich die musikalische Darbietung von Axl Rose` „November rain“ aus dem Jahre 1992 von der Band „Guns N`Roses“ anzuhören.

Die Schüler haben großen Wert darauf gelegt, zu den einzelnen Balladen Zusatzinformationen zu liefern, die von Erik Katzenberger am PC druckreif gestaltet wurden. So erfahren die Leser oder Hörer an der zehnten Station, die sich mit dem Pop-Song „Der Fels“ des Autors und Sängers Xavier Naidoo befasst, dass die Verbindung des lyrischen Ichs zu Gott und dessen Bedeutung für das Leben des lyrischen Ichs thematisiert werden.

Familiengeschichte der von Ribbecks

Wer sich der fünften Tafel nähert, ahnt schon von weitem, das dort Theodor Fontanes Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ vorgestellt werden soll. Sowohl der Balladentext als auch die Zusatzinformationen über die Biografie des Dichters und die Familiengeschichte der von Ribbecks im Ortsteil Ribbeck der Stadt Nauen wurden auf birnenförmigen Unterlagen gedruckt.

Balladenweg-Marienthal

Am Standort dieser Tafel haben die Schüler am Freitag einen Birnbaum gepflanzt. Wenn Tim Gerling später einmal mit seinen Freunden oder Verwandten dem Balladenweg folgt, kann er stolz erzählen, dass er die Pflanzkuhle für die „Köstliche von Charneux“ ausgehoben hat.

Der Zufall will es so: Reinhard Meys „Die Body-Building-Ballade“ aus dem Jahre 1988, die die Schüler mit dem Rezept für einen „Fitness Shake“ aus Milch, Bananen und Kakao versahen, steht unmittelbar vor der Gertendorfer „Issel-Milch-Hütte“.

Balladenweg-Marienthal

Anregungen für sportliche Übungen

Um die Leser fit zu halten, werden auf der Tafel ein paar Anregungen für sportliche Übungen gegeben. Das reicht von Liegestützen zur Kräftigung der Muskulatur bis hin zu Sit Ups zur Stärkung der Baumuskulatur.

Ob Goethes „Zauberlehrling“, Schillers „Handschuh“, Fontanes „Die 2 Raben“ oder das Queens-Lied „Who wants“: Der Balladenweg präsentiert den Wanderern einen bunten Querschnitt von poetischen Betrachtungen des Daseins. Auf manchen Tafeln werden die ausgewählten Balladen durch Kurzinterpretationen ergänzt und erleichtern dadurch das Verständnis der Inhalte.

Balladenweg-Marienthal

So wird Goethes „Der Erlkönig“ als ein literarisches Produkt auf dem Weg vom „Sturm und Drang“ zur Aufklärung vorgestellt und erklärt so das Aufeinanderprallen von Fantasien und den Versuchen ihrer Erklärungen durch realistische Sehweisen.

An der Tafel 11, die an Annette von Droste-Hülshoffs „Der Knabe im Moor“ erinnert, ersetzt eine Zeichnung die verbale Interpretation.

Die noch fehlenden Beschriftungen der Tafeln zwölf bis 17 sollen bei trockenem Wetter vom Kulturkreis Marienthal an den Tafeln befestigt werden. Sollte sich dennoch irgendwann eine Beschriftung lösen, so kann schnell für Ersatz gesorgt werden, denn alle Texte und Bilder befinden sich – zum erneuten Ausdruck bereit – im schulischen PC.

Landschaft und Poesie
Der Balladenweg ist nur ein Teil der Absicht des Marienthaler Kulturkreises, unter dem Motto „Landschaft und Poesie“ Besucher zu motivieren, während eines mehr oder weniger langen Spaziergangs ein besonderes Themenfeld kennen zu lernen.
Dazu gehören der historische Rundweg „So war`s einmal“ und der „Weg der Poesie“ ebenso wie der „Kinder-Natur-Lehrpfad“ und der „Isselweg“. Deren Routen findet man auf dem kostenlosen Flyer „Jahresprogramm 2019“ oder auf der Homepage www.marienthal.de.

Helmut Scheffler









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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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