Mit der Weidetierhaltung steht viel auf dem Spiel

Heute ist Tag des Wolfes – Nordrhein-Westfalen ist von Nutztierrissen durch Wölfe stark betroffen

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und der unverminderte Anstieg der Wolfspopulation hat inzwischen eine eine blutige Spur gerissener Weidetiere.

Darauf weist der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) in Bonn hin. Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden in Deutschland zwischen 2016 und 2020 bei 3.225 Übergriffen insgesamt 11.666 Nutztiere durch Wölfe getötet oder verletzt bzw. gelten seither als vermisst.

Riss eines Kalbes aus einer Mutterkuhherde

Inzwischen ist auch Nordrhein-Westfalen von Nutztierrissen stark betroffen – neben Schafen, Ziegen und Gehegewild auch Ponys. Vor Jahresfrist wurde zudem der Riss eines Kalbes aus einer Mutterkuhherde im nördlichen NRW bestätigt.

Die hohe Zahl gerissener Weidetiere und die in mehreren Fällen nachgewiesene Überwindung eines nach den Empfehlungen des Bundes ausreichenden Herdenschutzes verdeutlichen die dringende Notwendigkeit wirksamer Maßnahmen zum Umgang mit Problemwölfen.

Es fehlen konkrete Regelungen

Die Erwartungen vieler Tierhalter an die kürzlich verabschiedete Wolfsverordnung NRW dürften sich allerdings nicht erfüllen, so die Einschätzung des RLV. So fehlen für den Bereich der Weidetierhaltung konkrete Regelungen zur Entnahme auffälliger Wölfe, vielmehr muss weiterhin in jedem Einzelfall gesondert entschieden werden. Auch die Regelungen zum Vergrämen von Wölfen, die eine Vorabdokumentation des zuständigen Landesamtes vorsehen, erscheinen wenig praxistauglich.

Zudem bleiben die Tierhalter in NRW nach wie vor auf Kosten beim Herdenschutz sitzen, wie ein Vergleich etwa mit dem benachbarten Rheinland-Pfalz zeigt. Ein Rüstungswettlauf mit immer höheren Zäunen, der die Landschaft auch für Wildtiere zerschneidet, kann dennoch nicht die Lösung sein. „Was wir endlich brauchen ist eine klare Begrenzung der dynamischen Populationsentwicklung beim Wolf“, so Bernhard Conzen, Landwirt aus Gangelt und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes. „Ohne den schonenden Einsatz von Schafen, Rindern und Pferden in der Landschaftspflege ist erfolgreicher Artenschutz kaum mehr denkbar. Mit der Weidetierhaltung steht viel auf dem Spiel“, warnt der RLV-Präsident.

Vorheriger ArtikelHat die Politik versagt? Diskussionsrunde über den Wolf in Schermbeck
Nächster ArtikelMaikranzbinden am Törkentreck in Gahlen
Leserbriefe und Kommentare bitte an: info [at] heimatmedien.de. Netiquette - Kennzeichnen Sie den Leserbrief mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe abzulehnen, zu kürzen und die Identität des Absenders zu überprüfen. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Ihre Briefe richten Sie bitte an: info [at] heimatmedien.de Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Petra Bosse alias Celawie