Am Nordostrand des Gartroper Busches (im Vordergrund) überflog der Schermbecker Pilot Horst Schmitter am 5. August 2010 die Sonderabfalldeponie Hünxe-Schermbeck. Über dieses Gelände führt die Grenze zwischen Hünxe und Schermbeck. Die Tongruben (helle Fläche im Hintergrund links), der größte Teil des Teiches und der dazwischen liegende Kassettenbereich der Deponie liegen auf Schermbecker Gebiet.

Am 30. Oktober 1975 beantragte der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (später KVR, heute RVR) im Auftrage des Kreises Wesel beim Regierungspräsidenten die Errichtung einer ortsfesten Abfallbeseitigungsanlage. Am 1. September 1978 machte der RP den Antrag öffentlich bekannt. In ihrem Beschluss vom 5. Dezember 1978 machte die Gemeinde Schermbeck erhebliche Bedenken geltend. Teile dieser Bedenken flossen in einer Antragsüberarbeitung ein, die im Februar 1980 vorgelegt wurde. Unter anderem wurden die Deponiefläche und die Laufzeit von 30 Jahren auf 10 Jahre reduziert. Am 18. Dezember 1980 genehmigte der RP den Ausbau. An 1. Januar 1984 wurde die Zentraldeponie in Betrieb genommen.

Die Bevölkerung hat die Deponie nie geliebt. 1984 sorgten erste Brände für Aufregung, 1985 kamen die Planungen des RP auf den Tisch, die Hünxe-Schermbecker Deponie zu erweitern und für Sonderabfälle zu reservieren. Anfang 1986 fand man im Hausmüllbereich PCB-haltige Schlämme. Das führte zur Gründung der Bürgerinitiative „Gegengift“. Der Schermbecker Ratsherr Jürgen-Werner Koch trat im Oktober 1986 aus dem Deponiebeirat aus. 1987 lagerte eine Emmericher Firma PCB-verseuchtes Material auf der Deponie ab. Anfang Januar protestierte die SPD vor der Deponie.

Nr.-26,-05.08. 2010 Foto SchefflerDas „ungeliebte Kind“ wuchs weiter. Jm Jahre 1998 umfasste der Abfallkatalog 440 Abfallschlüssel nach dem Europäischen Abfallkatalog. „Atommüll ist für die AGR tabu“, versicherte die AGR 1999 schriftlich, als über Monate hinweg die Ablagerung von radiaktiv kontaminiertem Material im Raum stand. Die zehnjährige Laufzeit der Deponie hätte 1994 enden sollen. Bereits 1992 wurde eine Erweiterung beantragt. Die Planungen zur Ablagerung von Atommüll beschäftigten 1999 sogar den Landtag. 2002 musste belasteter Boden von der Firma Nottenkämper wieder abtransportiert werden. 2005 brannte es mehrfach auf der Deponie.

Heute ist die Deponie fester Betsandteil der Sondermüllbeseitigung im Regierungsbezirk Düsseldorf. Auf 35 Hektar kann nach einer Genehmigung des RP vom Juni 2009unbefristet Sonderabfall deponiert werden. Als Restvolumen stehen mehr als 400 000 Kubikmeter zur Verfügung. Die Anlieferungsmenge pro Jahr beträgt mehr als 50 000 Kubikmeter. Im Februar 2009 wurde ein neuer Motor im Blockheizkraftwerk für die Deponiegasverarbeitung in Betrieb genommen. Er hat eine elektrische Leistung von 80 kW und eine Brennstoffleistung von 243 kW.

Während die Abfallsatzung des Kreises Wesel vorsieht, dass Garten- und Parkabfälle von Privatpersonen in der Kompostierungsanlage des Kreises Wesel im linksrheinischen Asdonkshof entsorgt werden müssen, dürfen die Bürger der Gemeinde Schermbeck ihre Grünabfälle aber auch auf der Sonderabfalldeponie Hünxe/Schermbeck in der Waldaustraße abgeben. Termine können dem Abfallkalender entnommen werden. Die Deponie ist unter Tel. 02853/91350 erreichbar. H.Sch./Luftbild: Scheffler, 5.8.2010

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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