Folgende Gedanken zum Osterfest schickte Pastor Klaus Honermann von der Katholischen Kirchengemeinde St. Ludgerus in Schermbeck am 1. April:

Mit Christus – neue Menschen

„Boh glaubse!?“ Nicht nur Herbert Knebel drückt sein Erstaunen über etwas,

das „unglaublich“, aber wirklich passiert ist, mit diesen Worten aus.

Ein kerniger Ausspruch aus dem Ruhrgebiet, der etwas auf den Punkt bringt.

„Boh glaubse!?“ Dieser Jesus von Nazareth soll tatsächlich auferstanden sein

von den Toten. Paulus schreibt das in seinem Brief an die Christen in Rom.

„Wie Christus von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,4) schreibt er.

„Boh glaubse!?“ – Ja, glauben wir das denn? Oder feiern wir an Ostern etwas,

was wir glauben sollen, aber eben doch nicht wirklich glauben.

Ein Großteil der Deutschen, auch ein nicht geringer Teil der Katholiken, glaubt nicht mehr an die Auferstehung. Und wir?

Wir konnten vor einiger Zeit im Radio hören:

Deborah Cruz trägt in der einen Hand ein Marienbild, in der anderen ein Foto, auf dem Hugo Chávez, der Anfang März verstorbene Staatschef von Venezuela, ihre Tochter über den Kopf streichelt. Die Siebenjährige soll ihr Gedicht aufsagen: „Chávez, Du bist so schön wie Gott. Ich liebe dich von meinem ganzen Herzen.“

Wenn wir es nicht besser wüssten, könnten diese Worte auf Christus gemünzt sein.

„Er wird immer in unseren Herzen leben. Er ist nicht wirklich tot. Wir werden weiter für die Revolution kämpfen“, meint ein Venezolaner. Auch diese Worte könnten WIR auf Christus hin sagen.

In dem Radiobericht hieß es dann weiter:

„Chávez, der Unsterbliche.. .. Venezuelas Führung will den Verstorbenen nun endgültig in die Ewigkeit heben.“ Der Comandante soll einbalsamiert „in einer Glas-Urne liegen. Damit er immer bei seinem Volk ist. Immer präsent für sein Volk. … Einen Abschied für immer soll es nicht geben.“

Chavez, der Unsterbliche – oder Christus, der Unsterbliche? Schon erstaunlich, wie sehr dieser Staatschef als Messias und Erlöser gesehen wird: „Immer bei seinem Volk…“

Ob Chavez tatsächlich so “unsterblich“ ist, das werden wir in wenigen Jahrzehnten sehen.

Aber die reine Erinnerung einer Bevölkerung ist noch nicht die Auferweckung von den Toten. Daran ändert auch die Einbalsamierung nichts.

„Boh glaubse!?“ Was aber glauben wir, was verstehen wir darunter, wenn wir mit Paulus daran glauben, „dass Christus von den Toten auferweckt wurde“?

Vorweg kann ich sagen: Wenn wir nicht die Gegenwart des Auferstanden erfahren,

dann geht es uns so ähnlich wie dem Apostel Thomas, der sinngemäß sagte: Ihr könnt mir ja viel erzählen, aber bevor ich nicht selbst erlebt habe, dass ER da ist, ist das schwierig mit dem Glauben. Und er hat recht.

Gute gedankliche Klärungen können zwar Hindernisse des Glaubens aus dem Weg räumen und Zuhänge eröffnen, aber das Eigentliche ist die Erfahrung selbst. Und die ist ein Geschenk Gottes, welches sich nicht herbei predigen lässt.

Wenn Christus von den Toten auferweckt wurde, dann ist da jemand anderes im Spiel. Jesus ist nicht aus eigener Kraft sozusagen wie ein Superman dem Totenreich entkommen. Es ist die Liebe des himmlischen Vaters, der es nicht zulassen konnte, dass Jesus im Tode blieb, die ihn zu neuem Leben erweckt. Diesen Jesus, der nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich gestorben ist: Jesus ist nicht „unsterblich“ – wie die Anhänger von Chavez ihn gerne hätten. Jesus ist gestorben und hat sein Leben dafür gegeben, dass Menschen die unbegreifliche Nähe des geheimnisvollen Gottes in ihm ganz leibhaftig erfahren. Und genau diese göttliche Liebe, die in Jesus so greifbar geworden ist, ist stärker als der Tod. Sie überwindet den Tod und ruft neues Leben hervor. Ein Leben, das keine Einbildung ist, sondern erlebtes Neuwerden.

„Wie Christus von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ heißt es im Brief an die Römer. Als neue Menschen leben – da geht es also um das Leben hier und jetzt. Da geht es um unseren Alltag. Da geht es darum, neu anzufangen mit der Liebe zu anderen. Da geht es darum, neue Hoffnung zu haben, dass nicht alles beim Alten bleibt; dass nicht Gleichgültigkeit, nicht Hass und Vergeltung das letzte Wort haben.

So wie Christus ins neue Leben gerufen wurde, so können auch wir von Ihm her in ein neues Leben gerufen werden. Ein neues Leben, das mehr ist als Erinnerung an etwas Vergangenes. Ein neues Leben, das aus der Beziehung zu Jesus Christus hervorkeimt. Aus dem ganz praktischen Glauben, dass er mit uns ist, aus dem Gespräch mit ihm – wie mit einem Freund – können wir eine neue Art zu leben geschenkt bekommen.

Wenn wir ihm immer wieder die Tür unseres Herzen öffnen, dann kann er in uns und unter uns wirken. An uns ist es, ihn einzuladen dazu.

Lassen sie mich ein Wort sagen zu dem Einbalsamieren. Ich habe in Rom z.B. den einbalsamierten Körper von Johannes XXIII gesehen. Das kann einen berühren. Aber mich berühren mehr seine Worte. Mich berührt mehr sein Beispiel, wie er Kirche gelebt und belebt hat. Das ruft in mir mehr Leben hervor als das Anschauen seines konservierten Körpers. Ob es mit Jesus nicht ähnlich ist? Wenn wir seine Worte, seine Botschaft hören und in uns lebendig werden lassen, dann ist ER selbst in uns lebendig. Das hat er uns zugesagt. Und das ist mehr als eine Idee, die weiter vorangetragen wird. Es ist seine Person, die uns als Person leben lässt.

Das Bild, das jetzt oberhalb des Altares hängt, ist ein österliches Bild.

Eine Woge Morgenrot durchflutet die Landschaft wie ein Strom freudigen Lebens.

Lichtvolles Weiß überall. Von links schwingt sich eine Leiter nach oben. Sie steht nicht starr, sondern tanzt gleichsam. Aus der Leiter, welche am Kreuz stand, um den Toten herab zu holen, ist eine Himmelsleiter geworden. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ so sagten die Boten den trauernden Frauen im Evangelium. Besteigen wir diese Leiter ins Licht, die Leiter ins Leben, immer neu! Glauben wir, vertrauen wir dem Leben, das von Gott kommt!

Ich möchte schließen mit einer Oster-Erfahrung:

In einem Gefängnis der Moskauer Geheimpolizei flüstert eine junge Gefangene einer Frau in ihrer Zelle zu: „Wissen Sie, was morgen für ein Tag ist? Morgen ist Ostern!“ Wir waren von der Osterfreude ausgeschlossen – berichtet die Frau. Plötzlich, als sie traurig über den Gang geht, hört sie einen Ruf: „Christus ist auferstanden!“ Aus allen Zellen kam die Antwort: „Er ist wahrhaft auferstanden.“ Solch eine Frechheit war den Gefängniswärtern noch nicht vorgekommen. Die junge Frau wurde abgeführt.

Als sie nach 4 Tagen in einer ungeheizten Strafzelle und ohne Nahrung zurückkehrte, sagte sie mit leuchtenden Augen: „Ich habe aber doch die Osterbotschaft verkündet. Alles andere ist ja nicht wichtig.“

Ich wünsche uns solch leuchtende Augen des Glaubens. –

„Boh glaubse!?“

Klaus Honermann

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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