Auch Schermbecker Landwirte beteiligten sich an einem Mahnfeuer

Die Landwirte fordern ein Ende der zunehmenden Zerschneidung der Kulturlandschaft. Insekten- und Artenschutz sowie Biodiversität seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben.

„So kann es nicht weitergehen!“ und „Mehr geht nicht mehr unter diesen Bedingungen.“ Solche und ähnliche Formulierungen machten am Samstagabend die Runde am Mahnfeuer der Landwirte im Winkel zwischen Marienthaler Straße und Dämmerwalder Straße.

Dorthin kamen mehr als 50 Landwirte aus dem Schermbecker und Hamminkelner Raum, um ihrem Ärger über das Agrarpaket der Bundesregierung buchstäblich einen lodernden Protest entgegenzusetzen.

Etliche Teilnehmer waren auch dabei, als in der vorletzten Woche Landwirte mit ihren Traktoren vom Niederrhein aus nach Düsseldorf und dann nach Essen fuhren, um öffentlich auf die immer größer werdenden Erschwernisse der Ausübung landwirtschaftlicher Betätigungen zu verweisen. Viele Landwirte haben inzwischen grüne Kreuze an ihren Feldern aufgestellt als stille Hinweise auf das zunehmende Höfesterben.

Mit einem lodernden Mahnfeuer machten Schermbecker und Hamminkelner Landwirte ihrem Ärger über Fehlentwicklungen im Umgang mit der Landwirtschaft aufmerksam. Foto: privat

Eingeladen hatte die Niederrhein-Gruppe der seit drei Monaten bundesweit auftretenden Aktionsgruppe „LANDWIRT“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung das Leben der Landwirte näher zu bringen. Bereits 2017 gab es eine neue Düngeverordnung, die die Arbeit der Landwirte sehr erschwert hat. „Jetzt soll eine zweite Verordnung kommen, nach der die Pflanzen nur noch unter Bedarf gedüngt werden dürfen“, schilderte Landwirt Konrad Tenhagen den Grund für den Unmut der Landwirte.

Insektenschutz, Nitrat im Grundwasser, zunehmender Bürokratismus und mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung nannte Landwirt Matthias Kremer als maßgebliche Gründe dafür, dass immer mehr Betriebe aufgegeben werden.

Dialog statt Konfrontation

Einig waren sich am Samstag die Landwirte, dass man nach dem Prinzip „Dialog statt Konfrontation“ handeln möchte. Dabei wollen die Landwirte deutlich machen, dass sie das Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ablehnen, damit es nicht zum Unterlaufen des hohen Standards nachhaltig erzeugter Lebensmittel in Deutschland kommen kann.

Mit einem lodernden Mahnfeuer machten Schermbecker und Hamminkelner Landwirte ihrem Ärger über Fehlentwicklungen im Umgang mit der Landwirtschaft aufmerksam. Foto: privat

Gegen den Vorwurf, die Landwirtschaft sei der Alleinverursacher von zu hohen Nitratwerten im Grundwasser, wenden die Landwirte ein, dass es seit zwei Jahrzehnten eine Trinkwasserkooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft gibt, die ein Erfolgsmodell sei. Der Kooperationsansatz müsse daher weiterentwickelt und in die Fläche getragen werden.

Auch über den Vorwurf, Landwirte seien die Verursacher des Insektensterbens, wurde während des fünfstündigen Treffens am Samstag gesprochen.

Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Zukunftsaufgabe

Die Landwirte fordern ein Ende der zunehmenden Zerschneidung der Kulturlandschaft. Insekten- und Artenschutz sowie Biodiversität seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Statt überschneller pauschaler Verbote beim Pflanzenschutzeinsatz bedürfe es einer Risiko-Nutzen-Abwägung. Um eine zukunftsfähige Landwirtschaft gestalten zu können, müsse die Zulassungspraxis von Pflanzenschutzmitteln auf europäischer Ebene harmonisiert werden.

Geringe Akzeptanz und Wertschätzung

Es müsse ein verlässlicher Rahmen geschaffen werden, der die Innovationsbereitschaft der Landwirte fördere und nicht behindere. „Klimaschutz ist eine wirtschaftliche Zukunftsaufgabe“, stellte ein Dämmerwalder Junglandwirt fest. Man brauche aber dazu einen Förderrahmen, der die Leistungen der Landwirtschaft honoriere und die Umsetzung von Innovationen beschleunige. Erfolgreicher Klimaschutz brauche eine Effizenzmaßnahme.

Die geringe Akzeptanz und Wertschätzung bereiten den Landwirten besondere Sorgen. Es müsse Schluss sein mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Landwirtschaft sei nur ein Teilbereich der Lebensweise der modernen Gesellschaft, die vielfältige Auswirkungen auf die Umwelt habe; deshalb müsse man sich auch gemeinsam in allen Bereichen den unterschiedlichen Herausforderungen stellen.

„Bürokratieabbau, jetzt!“, fordern die Landwirte auf einem Info-Blatt, das sie in der Öffentlichkeit verteilen. Der Bürokratiewahnsinn verärgere den Landwirt und schaffe zudem beim Bürger kein Vertrauen. H.Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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