Das kleinste Strommuseum der Welt wurde am 27. Mai 2011 in Damm eröffnet

Zwischen einem geplanten Abriss und dem „zweiten Leben“ einer ehemaligen Trafostation im Schermbecker Ortsteil Damm lagen vor eineinhalb Jahrzehnten nur wenige Jahre.

Dem Turmverein Damm ist es zu verdanken, dass dieses zum kleinsten Strommuseum der Welt umgewandelte Gebäude inzwischen bundesweit bekannt geworden ist.

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Mit seiner Drohne hat der Schermbecker Horst Schmitter das Dammer Strommuseum am 7. Juni 2021 fotografiert.

Im März 2007 sah es so aus, als würde das Transformatorenhaus am Dammer Elsenberg sein 100-jähriges Bestehen nicht mehr erleben. Das RWE plante den Abriss des etwa 95 Jahre alten Gebäudes. Hintergrund für die Maßnahme war die Absicht des RWE, die Überland-Leitungen für die Stromversorgung durch eine Erdverkabelung zu ersetzen.

Strommuseum – Ein Denkmal der Geschichte

Für die Dammer war das Trafohaus mehr als ein Gebäude mit reiner Funktionalität für die Weiterleitung der Elektrizität. Für sie war das schmale Gebäude ein Denkmal der Geschichte der Elektrifizierung ihres Heimatraumes. Eine enorme Entwicklung nahm die Elektrifizierung, als das Kraftwerk Niederrhein in den Jahren 1910/11 in Obrighoven errichtet wurde.

Innerhalb kürzester Zeit erfolgte der Ausbau der 5 kV-, 10-kV- und 25-kV-Leitungen. Eine Karte vom Juni 1912, die das Versorgungsnetz der Betriebsverwaltung Wesel zeigt, lässt erkennen, dass die Leitung bereits bis Schermbeck und Gahlen führte und einen Abzweig zum Lühlerheim besaß.

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Blick auf die Nord-West-Seite des Dammer Strommuseums. Foto: Horst Schmitter

Ein paar Jahre vor dem geplanten Abriss des Turmes hatten einige Dammer Schützen das Wappen ihres Vereins auf die weiße Südwand gemalt. Der Dammer Ochse ohne Horn grüßt seither die Besucher, die sich dem Elsenberg von der Bundesstraße 58 aus nähern. Stillschweigend wollten die Schützen den Abriss des Trafohauses nicht dulden.

Symbolischer Preis von 1 Euro

Als das RWE signalisierte, das Gebäude einem Dammer Verein mit allen Rechten und Pflichten zu überlassen, wurde der Turmverein am 2. April 2009 gegründet. Am 19. November 2009 wurde der Kauf des ehemaligen Trafo-Hauses am Dammer Elsenberg zwischen dem Verein und dem bisherigen Eigentümer RWE notariell besiegelt. Die Schlüsselübergabe für den Turm, den der Verein zum symbolischen Preis von einem Euro erhielt, fand am 8. Dezember 2009 statt.

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Am 27. Mai 2011 wurde das Dammer Strommuseum im ehemaligen Trafohaus am Elsenberg eröffnet. Foto: Helmut Scheffler

Eineinhalb Jahre lang dauerten die Vorbereitungen für das geplante Turmmuseum. Die Eröffnung des Strommuseums fand am 27. Mai 2011 statt. Zu den Gästen, die der Turmvereinsvorsitzende Ernst-Hermann Göbel am Turm begrüßte, gehörte auch der Schermbecker Heinrich Tenk, der gemeinsam mit Michael Sonfeld vom RWE-Netzservice Rhein-Ruhr von Beginn an die Absichten des Turmvereins unterstützte, das ehemalige Trafohäuschen einer neuen Nutzung zuzuführen.

In Kleingruppen hatten die Gäste anschließend Gelegenheit, die zahlreichen Exponate zu besichtigen. Sachkundige Führerin am Eröffnungstag war Sabine Oetzel, die Leiterin des Museums „Strom und Leben“ im Umspannwerk Recklinghausen. Sie war bereit, dem Dammer Museum Leihgaben aus dem Recklinghäuser Museum zur Verfügung zu stellen.

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Im kleinsten Strommuseum der Welt werden viele Exponate zur Geschichte der Elektrifizierung gezeigt. Foto: Helmut Scheffler

Pünktlich zur Museumseröffnung wurde vom Verein „Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland“ an der Süd-West-Seite des Turms eine großformatige Karte der Region aufgestellt.

Ein Besuch im kleinsten Strommuseum der Welt lohnt sich, weil inzwischen eine stattliche Sammlung auf zwei Ebenen zusammengetragen werden konnte. Zahlreiche Ausstellungsstücke zur Geschichte der Elektrifizierung wurden dem Verein bislang übergeben. Das reicht von einer alten Handwaschmaschine über ein Telefon, einen Ventilator und Messgeräte bis hin zu einem recht monströsen elektronischen Vibrator-Sexspielgerät der Frühzeit.

Von Brennscheren zur Haarpflege bis hin zu Stromprüfer

Zur Sammlung gehören alte Brennscheren zur Haarpflege, Stromprüfer, eine intakte Glühbirne aus dem Jahre 1936, batteriebetriebene Rasierer und Hörgeräte, ein elektrisches Massagegerät aus den 1920er-Jahren und vieles mehr. Besonders stolz ist der Verein auf einen leuchtenden Stopfpilz des Altbundeskanzlers Konrad Adenauer und auf eine „Graphonette“ der Schweizer Firma Thorens. Das von einem Raesfelder Sammler zur Verfügung gestellte Reise-Grammophon der Firma Thorens wurde seit 1925 hergestellt. Wenn man den Tonarm auf eine Schallplatte legt, erklingt schon kurz darauf der Foxtrott „Küss mich, Angelina“.

Öffnungszeiten

Das Strommuseum ist vom Mai bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 11.30 Uhr und 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei; gegen eine Spende wehrt sich niemand. Für Gruppen besteht auch die Möglichkeit, an Sonderführungen teilzunehmen. Entsprechende Anmeldungen sind per Mail unter [email protected] möglich. Auf der Homepage des Vereins (www.turmverein-Damm.de) findet man Bücher und zahlreiche Presseartikel, die sich mit dem Turmverein und dem Strommuseum befassen. Für Modelleisenbahner gibt es den Turm als Kartonmodell-Baubogen zum Nachbauen in den Spurgrößen H0, TT, N und Z. Helmut Scheffler

Auf der Homepage findet man eine Reihe von Produkten, für die mit Hilfe des Turmes geworben wird. Das reicht vom Turmbier und mehreren Turm-Schnäpsen über das Turm-Brot bis hin zur Turm-Salami und den Turm-Käse. Bei den jährlichen Festen können die Produkte gekauft werden. Bestellungen sind auch per Mail unter [email protected] möglich.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.