Nur einen Steinwurf vom Museum entfernt, wo Klaus-Peter Wolf im November 2010 im Rahmen der „Kulturhauptstadt Ruhr.2010“ einen Krimi-Abend gestaltete, stellte der bekannte Krimi-Autor in der Kulturstube nahe der Burg seinen neuen Kriminalroman „Ostfriesenmoor“ vor.

Ein Tisch, dahinter ein Autor, der mit ernster Miene aus seinen Werken liest, ab und zu die Ärmel seiner Jacke zurechtrückt und zwischendurch ein Glas Wasser zur Anfeuchtung der Lippen trinkt: So stellt man sich eine typische Autorenlesung vor. Etwas ganz anderes erlebten die etwa 80 Zuhörer in der Kulturstube. Da tanzte im wahrsten Sinne des Wortes ein Autor vor ihren Augen auf der Bühne herum, von dem man annehmen konnte, er wolle mit den besten Comedy-Machern der Region wetteifern. Schelmisch leuchteten die Augen, das Gesicht gab ein Dauerlächeln vorn sich, und die Hosenträger, die offen über einem pinkfarbenen, weit offenen stehendem Hemd getragen wurden, ließen vollends den Gedanken an eine ernste Lesung verdrängen.

Klaus-Peter Wolf stellte in Schermbeck seinen neuen Kriminalroman "Ostfriesenmoor" vor. Foto Scheffler
Klaus-Peter Wolf stellte in Schermbeck seinen neuen Kriminalroman „Ostfriesenmoor“ vor. Foto Scheffler

Als Entertainer in Perfektion erwies sich der gebürtige Gelsenkirchener Hans-Peter Wolf, der bereits Drehbücher für die TV-Produktionen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ geschrieben hat und nun im niedersächsischen Küstenort Norden lebt und inzwischen sieben Krimis mit Regionalbezug geschrieben hat. 507 Seiten umfasst der Roman „Ostfriesenmoor“, der unter der ISBN-Nummer 978-3-596-19042-3 für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Die Schermbecker Buchhandlung Hansen auf der Mittelstraße hält auch Exemplare der bisherigen Bände bereit.

Statt vorzulesen entführte der quirlige Autor mit spritzigem Humor in Otto-Manier die Zuhörer in jene Zeiten, in denen er als 14-Jähriger seine ersten Geschichten in mehreren Tageszeitungen veröffentlichte. Er erinnerte an jene Lehrer, die ihm wenig zutrauten, und freute sich umso mehr, dass sein ehemaliger Lehrer Franz-Joseph van der Grinten nach Schermbeck gekommen war. „Er hat mich bestärkt“, freute sich Wolf in der Rückschau. Zeit zum Verweilen blieb für den wuseligen Autor nicht. Zu viel gibt es zu erzählen von der Entstehung seiner Kriminalromane bis hin zur Drucklegung und vielfältigen Resonanz seiner Leser. Diesmal war die Resonanz besonders groß. Schon vor der offiziellen Vorstellung mussten die 60 000 Exemplare zweimal um 20 000 Exemplare aufgestockt werden. Dann wurden weitere 30 000 fällig. Wolf erzählte von seinem Rupert-Fan-Club, dessen Mitglieder offensichtlich ihrem Vorbild auch im Auftreten nacheifern wollen. Stundenlang hätte Wolf plaudern können. Die Zuhörer quittierten seine Clownerien dankbar mit heiterem Gelächter.

Zu vorgerückter Stunde gab`s dann doch noch ein paar Lesproben aus dem „Ostfriesenmoor“. Die Textstellen waren so geschickt ausgewählt worden, dass keine Rückschlüsse auf irgendeinen Täter möglich wurden. Inhaltlich wurde klar: Hier verschwinden auf kuriose Weise Kinder. Da wartet jede Menge Arbeit auf die Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen und ihren reichlich einfältigen Kollegen Rupert.

Alle bisherigen Bände beinhalten abgeschossene Fälle, während die Kommissarin und deren Familienverhältnisse ebenso wiederkehrend sind wie alle gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Ostfrieslands.

Für den nächsten Band konnte Wolf bereits Teile seines handgeschriebenen Manuskriptes zeigen. Wie immer hat er auch diesmal wieder einen völlig neuen Füller für die Niederschrift gewählt. „Der Mörder läuft noch frei herum“, scherzte Wolf. Die Story ist allerdings schon fertig. „Alle Inseln wollen einen eigenen Mörder haben“, berichtete Wolf von vielen Leserzuschriften und dem Drängen der Tourismuschefs. H.Sch.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.