Wagen, zweifeln, erkennen, aufrichten, handeln – waren die Stichworte, die uns in diesen Wochen auf Ostern hin begleitet haben.

Heute nun lautet das Wort des Abends: GEBEN.
Eine Berliner Journalistin (Charlotte Haunhorst) berichtet:

Angefangen hat das Experiment mit einem Kneipengespräch, irgendwann im Winter 2015. Wie so oft kam da ein Mann in die Bar. … „Schon schlimm mit den ganzen Obdachlosen in Berlin, sogar im Winter“, sagt dann jemand – und sowieso: „Man kann ja nicht jedem Penner was geben, da wird man ja arm.“ Zum Glück war es mein Freund Max, der das Gespräch durchbrach: „Ich gebe seit Kurzem einfach jedem was“, sagte er. Ende der Diskussion. Und ich dachte so still bei mir: „Warum eigentlich nicht?“

Klaus Honermann

In den Wintermonaten treffe ich durchschnittlich drei Bedürftige pro Tag und verteile drei Euro an sie. Ungefähr der Preis von einem Cappuccino auf der Friedrichstraße. Bedeutet schon einmal kein großes Loch im Monatseinkommen. Sondern nur mehr Filterkaffee im Büro. …

Für meine Freunde ist meine neue Spendabilität ein Segen. Alle sagen mir, seit diesem Experiment sei ich eine viel angenehmere Begleitung geworden….

Richtig geläutert hat mich da die Sache mit dem Mann vor dem Einkaufszentrum. Jeden Tag sitzt er dort mit seinem Hund. Als ich ihm einen Euro in seine Blechdose lege, fragt er, ob ich in den Supermarkt gehen würde. Hatte ich eigentlich nicht vor, frage aber trotzdem: „Warum?“ Der Mann nimmt ein Zwei-Euro-Stück aus seiner Dose und fragt, ob ich dort Hundefutter kaufen könnte – „Ich kann hier ja schlecht weg“, sagt er. Ich nicke. Als ich mit dem Dosenfutter wieder-komme und ihm das Restgeld zurückgeben will, sagt er, ich solle es behalten für meine Mühen. Diese Erfahrung des Gebens hat mich nachdenklich gemacht.

„Geben ist seliger als Nehmen“ sagt ein Sprichwort.

Will Jesus darum, dass wir seinem Beispiel folgen und in die Haltung des Gebens kommen – damit wir seliger werden? Jesus selbst hat gegeben – und daran erinnern wir uns heute Abend besonders –

Er hat gegeben seinen Dienst des Füßewaschens, die Drecksarbeit.

Und: Brot und Wein, kein Geld – obwohl es das natürlich auch damals gab. Wir müssen nur an die 30 Silbermünzen denken.
Jesus nimmt die Pessachfeier des Volkes Israel und gibt Brot und Wein – und damit zugleich mehr als etwas zu essen und zu trinken. Er gibt die Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten durch Gott. Eine Erinnerung, die den Weg nach vorne zeigen soll.

Er gibt die Mahlgemeinschaft mit Brot und Wein, die ganz persönliche Gemeinschaft mit ihm – und damit mehr als Nahrungsaufnahme. Schon erst recht kein fast-food.

Jesus gibt Brot und Wein – und mit diesen Zeichen nicht nur etwas. Er gibt: sich selbst; alles, was er zu geben hat mit Leib und Leben. Oder anders gesagt: mit Fleisch und Blut.

Er nimmt in diesen Zeichen vorweg, was mit seinem Fleisch und seinem Blut eine Nacht und einen Tag danach ganz real geschehen wird: am Kreuz verschenkt er sein Leben an uns, an alle. Indem Jesus sich gibt und verschenkt, möchte er eine Kettenreaktion des Gebens auslösen. „Tut dies zur Erinnerung an mich“, sagt er. Und: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, was ich getan habe.“

Wenn wir uns fragen: Wer ist Gott? Dann könnte die Antwort lauten: Gott ist einer, der gibt. Und zwar immer.

Indem wir in Brot und Wein Jesus und sein Leben empfangen, sollen wir fähig werden, sein göttliches Leben mit zu leben. Er will uns verwandeln, damit wir fähig werden zu geben, wie er gegeben hat. Wir alle haben etwas zu geben. Schon rein menschlich gesehen. Unsere Zeit, unsere Hilfsbereitschaft, unsere Geduld, unsere Kenntnisse und Begabungen, unser Gebet, unser Lächeln, das Zugeben einer Schwäche, unser Zuhören ….

Als wir vor einigen Wochen spontan für die Hungernden in Afrika gesammelt haben, ist ein Vielfaches der Sonntagskollekte zusammen gekommen. Das fand ich gut.

Im Gegensatz dazu hat unsere Zeit im Allgemeinen eine andere Lebenshaltung als die eben beschriebene. Der Werbeslogan einer Firma ist ein typischer Spruch unserer Gesellschaft. Er lautet: „Ich bin doch nicht blöd …“ . Und wir könnten ergänzen: Ich sehe erst mal zu, dass ich mein Schäfchen ins Trockene kriege; dass ich die Vorteile absahne.

„Ich bin doch nicht blöd …“ – und helfe immer in der Familie. Sollen die anderen doch mal …

Gewiss gibt es Situationen und Verhältnisse, wo wir uns abgrenzen und schützen müssen, um nicht ausgenutzt zu werden; wo wir auch an unsere Gesundheit denken müssen; wo wir in gutem Sinne auch an uns selbst denken müssen.

Aber die Lebenseinstellung, welche hinter den Werbeslogans steht, hat eine andere Stoßrichtung. Da wird Egoismus und Konsumdenken geschürt, um Geschäfte zu machen.

Ich möchte schließen mit einem Beispiel, das deutlich macht, wie die Dynamik vom Abendmahlssaal in Jerusalem sich in der ganzen Welt ausgebreitet hat:

Ein junger kolumbianischer Priester war ganz in der Arbeit versackt und nahm nicht mehr an den Treffen seiner Gruppe teil. Ein anderer Priester kam ihn besuchen, um mit ihm Mittag zu essen, sich zu unterhalten, ihn zu fragen, wie es ihm geht. Und dann sagte Wilson ganz trocken: „Danach fuhr er die 6 Stunden wieder zurück.“ 12 Stunden unterwegs, nur um danach zu schauen, wie es einem anderen geht! Auch wenn wir wissen, dass „in Lateinamerika die Uhren anders gehen“ – mich hat das beeindruckt. Letztlich haben wir solches Verhalten Jesus zu verdanken, der uns verwandeln will, indem er uns sein Leben schenkt.

Klaus Honermann

TEILEN
Vorheriger ArtikelLandeswahl – Deutlich mehr Kandidaten als 2012
Nächster ArtikelKlaus Honermann: Predigt zum Karfreitag
Heimatreporter

Unter der Artikel-Kennzeichnung „Heimatreporter“ postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck.
Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks „Radio Kreis Wesel“, darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des „Schermbecker Schaufenster“. Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den „Rheinland-Taler“ des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here