Fünfter und letzter Teil des Berichtes aus dem Königsjahr

Nach Kilian ist vor Kilian. Doch was geschieht denn zwischen den Festen? Was machen eigentlich der König, die Königin der Kiliangilde Schermbeck und deren Thronpaare nach dem Fest?

Diese Frage wollen wir gerne beantworten und allen interessierten Mitmenschen in Schermbeck und Umgebung mit kleinen Berichten über unser Königsjahr einen Einblick geben.

Die letzte Woche vor Kilian wurde durch das Königschießen der Jungschützen und dem Schüppenwerfen der Schüppenschützen am 06.07. eingeläutet. In der Schießanlage der Sportschützen Schermbeck am Bleichwall konnte der scheidende Jungschützenkönig Silvan Lippach zahlreiche Gäste aus Offizierscorps und Vorstand der Gilde begrüßen.

Auch wir als Königspaar waren vertreten und konnten miterleben, wie unter der Aufsicht des Vorsitzenden der Sportschützen, Gerd Graaf, nach zähem Ringen der Vogel fiel. Sean Schidelko wurde neuer König und wurde freudig von seinen Jungschützen präsentiert.

Während die Jungschützen noch lange feierten, zog es uns zum nächsten Höhepunkt an diesem Tag. Die Schüppen hatten uns zu ihrem Schüppenwerfen eingeladen, welches wie in jedem Jahr im schweiß- und blutdurchtränkten Garten der Familie Horstkamp stattfand.

Blieben die Wurfweiten gerade auch von alten Haudegen zwar unter den Möglichkeiten, so gab es am Ende wieder strahlende Sieger. Guido Nuyken reckte mit dem Schrei der Erleichterung seine Doofen-Schüppe in die Luft und wurde von den anderen Schüppen gefeiert.

Orkanartiger Jubel brandete auf, als mit Matthias Müller der nächste Schüppenkönig feststand und die Tradition der goldenen Schüppe weiter fortsetzt. Zu den ersten Gratulanten gehörte auch der erste Schüppenkönig und damit auch erste Silberkönig Andreas Jansen.

Am nächsten Tag waren wir als Gilde mit einem eigenen Stand auf dem Sommerstraßenfest vertreten und boten den Schützen die erste Gelegenheit sich einzutragen und dass mit der Schermbecker Burg verzierte Abzeichen der Gilde ans Revers zu stecken. Die Nachbarschaft zum direkt anschließenden Bierwagen des mit der Gilde verbundenen MGV Schermbeck tat ein Übriges um für gute Stimmung zu sorgen.

Kilian Gilde Schermbeck

Für Mittwoch den 10.07. luden wir die Nachbarschaft, Freunde, Familie, Offiziere, Vorstand, Schüppen, etc. ein, um gemeinsam den Kranz zu Ehren von König und Königin an der Eingangstür von Königin Anes Haus zu befestigen.

Die Nachbarschaft hat sich große Mühe gegeben, so dass am Ende ein toller und breiter Kranz aus Tannenzweigen mit grün-weißen Rosen verziert am Haus hing. Dies wurde kräftig begossen und erst deutlich nach Mitternacht verließen die letzten Gäste die Feier. Der stetig vorhandene Regen konnte der Stimmung keinen Abbruch tun. Gottseidank der einzige nennenswerte Regen in der bevorstehenden Kilianzeit. Das wussten wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht und so war der bange Blick auf die Wettervorhersage für das Kilian-Wochenende lange unser treuer Begleiter, bevor es richtig losging.

Kilianfreitag! Was für ein Tag! Wir hatten uns lange auf diesen Tag vorbereitet. Für den Thronball wurden Einladungen gedruckt, verschickt und An- und Abmeldungen entgegengenommen. Kleider und Anzüge wurden gekauft und Vorbereitungen für das abendliche Nach-Hause-bringen der Königin getroffen.

Kiliangilde Schermbeck

Jetzt war es soweit. Eingeläutet wurde dieser besondere Tag durch die traditionelle Kranzniederlegung am Schermbecker Ehrenmal. Würdevoll untermalt durch den MGV Schermbeck, die Städtische Kapelle Ahaus und die Feuerwehr legten Präsident Rainer Gardemann und Bürgermeister Mike Rexforth zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege und der Opfer der Gewaltherrschaften den Kranz nieder.

Kiliangilde Schermbeck

Im Anschluss gingen wir zum Festzelt, wo unter Böllerschüssen und den kräftigen Hieben auf den Zapfhahn des von Ralf Daunheimer gebauten Bierwagens das Fest und die Kirmes eröffnet wurde. Zu den bleibenden Erinnerungen an das Königsjahr gehört auch das gemeinsame Foto von Thron, Vorstand, Offizieren und Reitermädel, welches wir vor dem alten Schermbecker Rathaus machten.

Kiliangilde Schermbeck

Ein paar Tränen der Rührung flossen dann schon, als wir von den Mädels vom Mühlenteich am Abend bei unserem Thronpaar Gaby und Günther Beck abgeholt wurden, denn die Mädels hatten sich eine besondere Überraschung einfallen lassen. Da war es gut, dass der König ein auf das Kleid der Königin farblich abgestimmtes Taschentuch dabeihatte. Zu den Klängen von Trommel und Dudelsack wurden wir von ihnen zum Festzelt geleitet.

Kiliangilde Schermbeck

Dort wurden wir von unseren Throngästen erwartet und marschierten mit dem Präsentiermarsch ein. Dann begann unser Thronball. Es würde den Rahmen sprengen, alle wunderbaren Facetten dieses Abends aufzuzählen. Es war einfach nur gigantisch und wir konnten mit unseren Gästen ein mehr als rauschendes Fest feiern. Dieses endete dann in den frühen Morgenstunden wiederum im Garten der Königin, da die Festgesellschaft es ablehnte, den König (nach Mannheim) nach Hause zu bringen… Wohl die falschen Schuhe an… Das Eierbraten brachte noch einmal neue Kraft, so, dass wir erst bei den ersten Strahlen des Tages unseren Kopf auf die Kissen für einen kurzen Schlaf legen konnten.

Samstag! Schützenfrühstück und Antreten in der „Schermbecker Mitte“. Beeindruckend viele Schützen fanden den Weg am Samstagmorgen zum Antreten und so konnte Oberleutnant Lars Niesen eine deutlich gewachsene Truppe zum Schießplatz am Festzelt führen, wo uns schon die Schießmeister Markus Redeker, Günther Hater und Wolfgang Lensing erwarteten.

Kiliangilde Schermbeck

Die traditionell ersten Schüsse auf den Vogel wurden von uns prompt erledigt, so dass sich die Schützen auf den Vogel stürzen konnten. Zwischendurch bekamen wir Besuch unserer Schwesterngilde Altschermbeck, für die das Fest am heutigen Tag begann. Noch einmal konnten wir mit den Altschermbecker Majestäten René und Miriam feiern und eine schöne Zeit verleben. Vielen Dank dafür.

Dann wurde es irgendwann ernst und nur noch wenige ernsthafte Königsaspiranten standen im Schießstand. Am Ende des letzten Schusses stand mit Dominik Woeste der neue König fest und wenige Augenblicke später konnte er mit Lenja Niesen seine Königin in den Armen halten.

Tränen Teil II: Besonders bei Königin Ane flossen die Tränen, denn damit war auch klar, dass ihr Sohn uns ablösen würde. Dies hat es in der neueren Zeit der Gilde auch erst mit Sven Nuyken gegeben, welcher seinen Vater Gerd Nuyken abgelöst hat. Gemeinsam ließen wir also unser neues Königspaar hochleben und stießen mit ihm an.

Tränen Teil III: Man muss es wohl nicht erwähnen, dass die am Abend stattfindende Krönung ein für uns ein emotional sehr schönes aber auch trauriges Erlebnis war. Traurig, weil unsere Zeit als Königspaar dann nun schlussendlich wirklich zu Ende gegangen ist. Schön, weil wir unseren Nachfolgern Kette und Krone aushändigen durften. Es war ein gewohnt feierlicher Rahmen, als die besten Schützen ausgezeichnet wurden und mit Philipp Nuyken ein Offizier in den Ruhestand geschickt werden durfte.

Danach wanderte die Kette um den Hals von König Dominik und die ersten guten Ratschläge für eine möglichst milde Regentschaft wurden ausgetauscht. Fest steht auch, dass sich die Krone ebenso gut auf dem Kopf von Königin Lenja macht, wie auf dem Haupt von Ane. Im Anschluss wurde die Zeremonie durch den großen Zapfenstreich beendet. Wer es noch nicht erlebt hat – unbedingt mal dabei sein!

Ein Fazit zu ziehen fällt uns leicht. Es war ein rundherum wunderschönes und bereicherndes Jahr. Wir hatten viele Begegnungen mit tollen und lustigen Menschen. Wir waren privilegiert die Arbeit der Gilde aus der Sicht eines Königspaares sehen zu dürfen. Wir durften so viele schöne Momente erleben. Dafür sind wir sehr dankbar. Dankbar dem Vorstand, welcher durch seine unermüdliche ehrenamtliche Arbeit das Fest nach vorne bringt und für Rahmenbedingungen sorgt, die es jedem Königspaar einfach macht zu „regieren“.

Dankbar den Offizieren, weil es ein einfach toller Haufen ist, der uns in jeder Hinsicht zur Seite gestanden ist und immer zur Stelle gewesen ist, wenn man sie brauchte.

Dankbar den vielen Aktiven in der Gilde. Den Jungschützen, Reitermädels, Schüppen, Mädels vom Mühlenteich, MGV, Feuerwehr, Ehrenschützen, Sportschützen, etc. welche durch ihre tollen Aktionen und ihren Einsatz, insbesondere in der letzten Woche unserer Regentschaft, bereichert haben.

Dankbar unseren Familien und Freunden die geholfen und unterstützt haben, wo sie nur konnten. Zum guten Ende aber vor allem Dankbar unserem Thron und Ehepartnern, dass sie uns ein Jahr lang begleitet und zur Seite gestanden haben. In einem Maße, dass absolut einzigartig ist. Es ist uns eine Ehre, dass wir ein Jahr lang die Gilde repräsentieren durften.

Wir wünschen dem neuen Königspaar Dominik und Lenja, welche wir nach Kräften unterstützen, und ihrem Thron ein schönes und frohes Regentenjahr!

Euer Ex-König Christian (Hötting) und Eure Ex-Königin Ane (Paus)

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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