Pünktlich zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Gahlener Löschzuges am kommenden Wochenende hat der Gahlener Heimatverein ein Projekt beendet, das äußerst arbeitsintensiv war. Im Umfeld des Gerätehauses am Widemweg wird am Samstag und Sonntag eine Multicar-Drehleiter „MC 22-1“ zu sehen sein, deren Umbau rund 1400 Arbeitsstunden in Anspruch nahm. Die Fertigstellung wurde Sonntagmorgen bei Hemmert am Bruchmühlenweg im Rahmen eines Sektempfangs gebührend gefeiert.

Als die Drehleiter im Dezember 2010 nach Gahlen gebracht wurde, endete eine Odyssee, die 1960 im VEB Fahrzeugwerk Waltershausen in der damaligen DDR begann. Das vier Meter lange und 1,25 Meter breite Fahrzeug, das zunächst grün lackiert war, weil es der Wahrnehmung feuerwehrpolizeilicher Aufgaben diente, war in den 1980er-Jahren in die Tschechoslowakei gelangt. Dort entdeckte der Dorstener Unternehmer Heinrich Kröger während einer Urlaubsreise das Feuerwehrauto in einer Kfz-Werkstatt.

Zur Präsentation der Multicar-Drehleiter kamen am Sonntagmorgen auch Heinrich und Brigitte Krüger (3.u.4.v.r.), die dem Gahlener Heimatverein das Fahrzeug schenkten. Leiter der Historischen Löschgruppe ist Wilfried Biedermann (am Fahrzeug r.).Foto Scheffler
Zur Präsentation der Multicar-Drehleiter kamen am Sonntagmorgen auch Heinrich und Brigitte Krüger (3.u.4.v.r.), die dem Gahlener Heimatverein das Fahrzeug schenkten. Leiter der Historischen Löschgruppe ist Wilfried Biedermann (am Fahrzeug r.).Foto Scheffler

Umgerechnet 2000 Mark zahlte der Inhaber der Dorstener „G+ K Öl- und Gasfeuerungsdienst GmbH“ für das Fahrzeug, das er zur Werbung für die eigene Firma einsetzen wollte. In der Tschechoslowakei wurde das Fahrzeug rot angestrichen, bevor es im August 1994 zur Ölmühle auf der Hardt gebracht wurde.

In Dorsten sollte das Fahrzeug von Grund auf saniert werden. So gelangte die Multicar-Drehleiter in Roland Hulds Kfz-Meister-Werkstatt. Die Restaurierung gestaltete sich schwieriger als ursprünglich eingeschätzt. Da Ersatzteile kaum aufzutreiben waren, stand das Fahrzeug ein Jahrzehnt lang mehr oder weniger nur in der Werkstatt herum.

Zum Team der Historischen Löschgruppe des Gahlener Heimatvereins gehören Holger Hemmert, Alexander May (unten v.l.), Frederic Schulz, Verena Beckmann und Wilfried Biedermann (oben v.l.). Foto Scheffler
Zum Team der Historischen Löschgruppe des Gahlener Heimatvereins gehören Holger Hemmert, Alexander May (unten v.l.), Frederic Schulz, Verena Beckmann und Wilfried Biedermann (oben v.l.). Foto Scheffler

Über Georg Beck erfuhr der Gahlener Heimatvereinsvorsitzende Jürgen Höchst, der Mitglied im Löschzug Gahlen ist, von dem Fahrzeug. Als er Mitte des Jahres 2010 bei Heinrich Kröger vorstellig wurde, war dieser spontan bereit, dem Heimatverein für sein im Aufbau befindliches Heimatmuseum in der Bruchstraße die Multicar-Drehleiter zu schenken.

Die Schermbecker Reifenfirma Wilkskamp & Terhardt stellte kostenlos jenen Tieflader bereit, mit dessen Hilfe Holger Hemmert, seine Tochter Lara und Sohn Oliver die Drehleiter zunächst zum Museum auf den Hof Hemmert-Halswick brachten, wo die historische Löschgruppe des Heimatvereins weitere Gerätschaften für den Kampf gegen den roten Hahn aufbewahrte.

Im Mai 2011 begann Holger Hemmert mit der Restaurierung des Multicars, den er am Bruchmühlenweg in seine Obhut genommen hatte. Das Fahrzeug wurde in mehr als 1000 Einzelteile zerlegt, die gereinigt, gesandstrahlt, anschließend grundiert und lackiert. Die Sandstrahlarbeiten sind zum Teil in der Firma Tebbe-Neuenhaus durchgeführt worden. Für die Lackierarbeiten hat das Voerder Autozentrum Stevens & Hülsdonk das Material gestiftet. Außerdem durften die Lackierarbeiten in der dortigen Lackierhalle von dem aus Gahlen stammenden Mitarbeiter Tobias Mai durchgeführt werden.

Ein Austauschmotor und Reifen mussten ebenso beschafft werden wie Felgen und viele Kleinteile. Einige Teile wurde auch per Internet bestellt. Für die Beschaffung hat der Heimatverein zirka 2800 Euro aufbringen müssen. 2100 Euro hatte der Heimatverein der historischen Löschgruppe bereits seit der Gründung für weitere Gerätschaften, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung gestellt. „Die Löschgruppe ist nun gut ausgestattet, um Übungen und Vorführungen im Rahmen von Veranstaltungen durchführen zu können“, freut sich HV-Vorsitzender Jürgen Höchst. Eine Betriebserlaubnis als selbst fahrendes Arbeitsmittel soll noch beantragt werden. Danach wird das Fahrzeug, das der Gahlener Provinzial-Geschäftsstellenleiter Markus Walbrodt ebenso wie die Kehrmaschine des Heimatvereins kostenlos versichert hat, am Straßenverkehr teilnehmen können.

Das Fahrzeug befindet sich nun in der Obhut der Historischen Löschgruppe. Zu dieser Gruppe gehören der Leiter Wilfried Biedermann, der stellvertretende Gruppenleiter Holger Hemmert, Verena Beckmann, Alexander May, Michael May und Frederic Schulz. Die Gruppe sucht noch weitere Mitglieder. „Alter und Ausbildung spielen keine Rolle“, lädt Jürgen Höchst zur Teilnahme ein. Die bisherigen Mitglieder gehören nämlich der Freiwilligen Feuerwehr Schermbeck an und haben entsprechende Kenntnisse, die sie an Neulinge weitergeben können. H.Sch.

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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