Bernhard und Ludgera Kraß sind seit 60 Jahren verheiratet

Der 6. Juni gehört für Bernhard und Ludgera Kraß zu den besonderen Tagen im Jahres-Kalender. An diesem Tag jährt sich ihr Hochzeitstag, in diesem Jahr sogar zum 60. Male.

Schermbeck. Zur Diamanthochzeit gratulieren die Kinder Johannes, Andreas, Christiane und Marita ebenso wie die zwölf Enkel und die sieben Urenkel. Am 11. Juni um 16.30 Uhr erteilt der ehemalige Schermbecker Pastor Franz-Gerd Stenneken in der Ludgeruskirche den kirchlichen Segen.

Mit ihren sieben jüngeren Geschwistern wuchs die Schermbecker Gastwirtstochter Ludgera Overkämping auf. Nach dem Besuch der Schermbecker Volksschule und der Dorstener St.-Ursula-Realschule arbeitete die Jubilarin als Angestellte in der Verwaltung des ehemaligen Amtes Schermbeck.

Ludgera-Krass-Schermbeck
Am morgigen Sonntag sind Bernhard und Ludgera Kraß 60 Jahre verheiratet. Foto: Helmut Scheffler

Banklehre in Ahaus-Alstätte

Im westfälischen Metelen wuchs Bernhard Kraß mit elf älteren Geschwistern auf. Nach dem Besuch der Volksschule und der Handelsschule absolvierte er in den Jahren 1954 bis 1957 eine Banklehre in Ahaus-Alstätte, bevor er Angestellter der „Spar- und Darlehnskasse Altschermbeck“, der späteren „Volksbank Schermbeck“ wurde. Als 23-Jähriger wurde er 1961 kommissarischer Geschäftsführer, vier Jahre später hauptamtlicher Geschäftsführer.

Wirtstochter Ludgera

Da die Bank und die Gaststätte nur einen Steinwurf entfernt auf der Mittelstraße lagen, blieben regelmäßige Begegnungen zwischen Bernhard Kraß und Ludgera Overkämping nicht aus. Da beide auch noch für die Erledigung von Geschäften in der Post auf der Mittelstraße zuständig waren, sah man sich regelmäßig auf dem Weg zur Post. Und wenn Bernhard Kraß abends ein Bierchen bei Overkämping trank, wurde ihm das häufig auch von der Wirtstochter Ludgera gereicht. Was die beiden im Steno-Format auf Bierdeckeln an Nettigkeiten austauschten, blieb den übrigen abendlichen Zechern lange ein Geheimnis.

Gefeiert wurde bei Overkämping

Am 6. Juni 1961 schlossen Bernhard Kraß und Ludgera Overkämping vor dem Schermbecker Standesbeamten Erich Heyne den Bund fürs Leben. Eine Woche später erteilte der Weseler Domkapitular Janßen am 13. Juni 1961 in der Kapelle auf dem Anna-Berg in Haltern den kirchlichen Segen. Anschließend wurde bei Overkämping gefeiert, bevor eine mehrtägige Hochzeitsreise ins sauerländische Willingen begann.

Während Ludgera Kraß sich um die Erziehung der vier Kinder und um den Haushalt kümmerte, war ihr Mann als Banker beschäftigt. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war er als Vorstandsmitglied der Volksbank tätig.

Ehrenamtliches Engagement in Schermbeck

Das Jubelpaar kann auf zahlreiche ehrenamtliche Engagements in Schermbeck zurückblicken. In der Katholischen Frauengemeinschaft St. Ludgerus hat Ludgera Kraß ein bedeutendes Kapitel geschrieben. In der Nachfolge von Hedwig Deiters war sie von 1975 bis 1991 Vorsitzende der kfd. Während dieser Zeit hat sie sich stets darum bemüht, diese Gemeinschaft von Frauen zu stärken. Etwa fünf Jahre lang gehörte Ludgera Kraß dem Kuratorium des Dorstener „Haus der Familie“ an. 20 Jahre lang war sie Lektorin in St. Ludgerus.

Als Ende der 1990er-Jahre der Weseler DRK-Ortsverband Verbindungsleute in Schermbeck suchte, nahm Ludgera Kraß diese Aufgabe an. In einem Team von zehn Schermbecker Frauen betreut sie seit Mai 2000 viermal jährlich die Teilnehmer an den Blutspendeterminen des DRK. 1970 bestieg sie mit Heinz Verwaayen den Thron der Kilian-Schützengilde Schermbeck.

Bürgermeister in der Großgemeinde Schermbeck

Als Nachfolger von Ernst Grüter sen. war Bernhard Kraß von 1980 bis 1989 Bürgermeister der im Jahre 1975 gegründeten Großgemeinde Schermbeck. Unter seiner Führung ließen sich auch die Randgemeinden zwischen Gahlen und Dämmerwald gerne im Interesse des Gesamtwohls der Großgemeinde Schermbeck in die Pflicht nehmen, weil sie spürten, wie sehr Bernhard Kraß als ehrenamtlicher Bürgermeister sich auch nach Feierabend und an den Wochenenden während regelmäßiger Frühschoppen für die Sorgen der Bürger interessierte. Der Kraß`sche Realitätssinn und die Geradlinigkeit des Denkens und Handelns hatten länger Bestand im öffentlichen Bewusstsein als die von ihm hinterlassenen soliden Gemeindefinanzen.

Neben der leitenden Position im Beruf und der politischen Tätigkeit als CDU-Mitglied seit 1974 und als Ratsmitglied in den Jahren 1975 bis 1989 war Bernhard Kraß an mehreren Stellen ehrenamtlich tätig. Dem SV Schermbeck gehörte er seit 1960 an, unter anderem als Geschäftsführer im Hauptvorstand. 1968 gründete er die Tischtennisabteilung, die er von 1968 bis 1972 leitete. 1999 war er erneut bereit, für drei Jahre der TT-Abteilung als Leiter eine Zukunft zu sichern.

CDU-Mitglied seit 1974

Dem Pfarrgemeinderat von St. Ludgerus gehörte der Jubilar von 1967 bis 1971 an. Von 1979 bis 1985 war er als Mitglied des von Pfarrer Anton Benning geleiteten Kirchenvorstands.

Als der Verkehrsverein im Jahre 1971 gegründet wurde, war Bernhard Krass mit von der Partie; er übernahm bis 1976 das Amt des Kassenwartes.

In jener Zeit, als die Pfadfinder begannen, über den Bau einer Begegnungsstätte nachzudenken, übernahm Krass als Vorstandsmitglied im Förderkreis und als Schirmherr gerne die Aufgabe, Gelder für die Baumaßnahme zu beschaffen. Das Wissen um den Umgang mit Geld hat ihm auch dazu verholfen, zehn Jahre lang die Geschäfte der Jagdgenossenschaften Uefte und Rüste zu führen. Zudem war er zu Beginn der 1990er-Jahre Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve. Als Bürgermeister war er auch Vorsitzender des Fördervereins der noch jungen Schermbecker Gesamtschule.

Für gemeinsame Reisen und regelmäßige Fahrradtouren blieb im Ruhestand ebenso Zeit wie für Spaziergänge. Die jährliche Wanderung von Schermbeck zum Wallfahrtsort Kevelaer überlässt Ludgera Kraß gerne ihrem Mann als einen beachtenswerten Mosaikstein für sein persönliches Fitness-Programm. Helmut Scheffler

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.