Belebungsbecken der Kläranlage wird Kernstück der biologischen Abwasserreinigung

Mit dem dritten Bauabschnitt des Belebungsbecken der Kläranlage wurde begonnen

Im Jahre 2016 wurde mit dem Umbau der Schermbecker Kläranlage begonnen.

Die Fertigstellung sämtlicher Ausbaustufen wurde vom Lippeverband für das Jahr 2020 angekündigt. Ein Besuch auf der Baustelle im Schermbecker Ortsteil Bricht zur Halbzeit beweist: Der fünfstufige Ausbau geht planmäßig voran.

Modernisierung und Erweiterung

Der „Zahn der Zeit“ hatte an der im Februar 1971 eröffneten Kläranlage, die im Jahre 1992 zum letzten Male geändert wurde, mächtig genagt. Da seit dem Jahre 2012 auch die Anschlussgröße von 16 000 Einwohnergleichwerten immer wieder im politischen Raum hinterfragt wurde, hatte sich der Lippeverband zur Modernisierung und Erweiterung entschlossen.

Der Entwurf der Umbaumaßnahme wurde im Dezember 2014 eingereicht und am 3. Juli 2015 von der Bezirksregierung Düsseldorf genehmigt. Anfang 2016 wurde mit dem Ausbau begonnen. „Es soll eine rundum erneuerte Anlage geschaffen werden, deren Kapazität 18 000 Einwohnerwerte beträgt“, berichtet Diplom-Ingenieur Ulrich Mahlfeld, der die Bauleitung für das 12 Millionen Euro kostende Projekt übernommen hat.

 Belebungsbecken der Kläranlage als Kernstück der biologischen Abwasserreinigung
Diplom-Ingenieur Ulrich Mahlfeld überwacht die Arbeiten am dritten der insgesamt fünf Bauabschnitte. Hier entsteht derzeit ein modernes Belebungsbecken als Kernstück der biologischen Abwasserreinigung. Foto: Helmut Scheffler

In einem ersten Bauabschnitt entstanden auf einer benachbarten Weide bis zum Sommer 2017 zwei neue Nachklärbecken. Jedes der beiden kreisrunden Becken hat einen Durchmesser von 20 Metern und ist an der Trichterspitze 10,60 Meter tief.

Millionen von Bakterien

Diese Becken haben die Funktion, den Bio-Schlamm, Millionen von Bakterien, die sich von Schmutzstoffen im Abwasser ernähren, am Ende des Reinigungsprozesses wieder vom Wasser zu trennen. Übrig bleibt einerseits so genannter Belebtschlamm, der wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird, auf der anderen Seite klares Wasser, das in den Schermbecker Mühlenbach und von dort in die Lippe fließt. Die baugleichen Becken mit einem Volumen von jeweils 1266 Kubikmetern wurden im Jahre 2017 in Betrieb genommen. Das ehemalige Nachklärbecken umfasste nur etwa 1850 Kubikmeter. „Wenn ein Becken ausfällt, kann die Anlage dennoch weiterbetrieben werden“, begründete Ulrich Mahlfeld die Entscheidung für zwei statt bislang ein Becken.

Grundwasserabsenkung

Um die jetzigen Nachklärbecken betreiben zu können, musste das alte Becken über eine Leitung mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern mit den beiden neuen Becken verbunden werden.

„Es ist nur ein einziger Schaden aufgetreten“, freut sich Mahlfeld über den glimpflichen Ausgang der vorgenommenen Grundwasserabsenkung. Im Vorfeld hatten die Anlieger im weiten Umfeld Schäden an ihren Häusern befürchtet, weil das Grundwasser während der Bauphase um acht Meter abgesenkt werden musste. Vorsichtshalber war vor Baubeginn der Arbeiten von Fachleuten eine gutachterliche Beweissicherung vorgenommen worden.

Q-Tip-Pflegestäbchen und Hygieneartikel

Im Rahmen des parallel verlaufenden zweiten Bauabschnitts wurde das Rechengebäude saniert. Dort kommt das Abwasser aus der Schermbecker Kanalisation an. Dieser Teil der Anlage trennt das Abwasser zunächst vom Müll aller Art; das sind vor allem Feuchttücher, Q-Tip-Pflegestäbchen und Hygieneartikel. Bereits im Jahre 2016 wurde das Abwasser auf eine mobile Rechenanlage umgeleitet. Das alte Rechengebäude war so marode, dass es saniert werden musste. Es wurde weitgehend entkernt und neu eingerichtet. Dabei wurde auch eine umfangreiche Elektrotechnik installiert.

Mit dem dritten Bauabschnitt, dem Umbau der alten und nicht mehr benötigten Nachklärung zu einem modernen Belebungsbecken, wurde Anfang 2018 begonnen. Das neue Becken, welches die beiden bisherigen Belebungsbecken ergänzt, weist ein Volumen von 1800 Kubikmetern auf. „Dieses Becken wird zum Kernstück der biologischen Abwasserreinigung“, berichtet Ulrich Mahlfeld. Ende 2018 soll das Becken fertig sein. Durch die Vergrößerung der Beckenkapazität steige auch die Reinigungskapazität der Anlage. Nach der Fertigstellung dieses Beckens soll das alte Belebungsbecken baulich saniert werden.

Brennmaterial für ein Blockheizkraftwerk

Derzeit ist der vierte Bauabschnitt in der Planung. Im Bereich des nicht mehr benötigten so genannten „Essener Becken“ soll ein Gebäude zur Überschussschlamm-Eindickung errichtet werden. Der Schlamm, der dort künftig eingedickt wird, wird in die bereits bestehenden beiden Faulbehälter gepumpt, wo auch alle anderen Schlämme gesammelt werden, die in der Kläranlage anfallen. Bei der Umsetzung des gemischten Schlamms entsteht Gas, das als Brennmaterial in einem Blockheizkraftwerk genutzt wird. Die entstehende Wärme wird unter anderem fürs Heizen der Faulbehälter verwendet.

Mit dem fünften und letzten Bauabschnitt soll in der ersten Jahreshälfte 2019 begonnen werden. Die Faulbehälter, an denen Betonschäden entstanden sind, sollen ebenso saniert werden wie der Sandfang und die Vorklärung.

Investitionskosten trägt die Gemeinschaft

Nach der Fertigstellung der Arbeiten im Jahre 2020 reicht die Kläranlage problemlos aus für die Aufnahme der Schmutzwässer aller derzeit im Ausbau befindlichen Schermbecker Wohngebiete und die regelmäßig in den Außenbereichen stattfindenden Ausbauten von Bauernhöfen zu Wohnzwecken. „Die Investitionskosten trägt die Gemeinschaft der Beitragszahler“, kennzeichnet Pressesprecher Michael Steinbach die Finanzierung. Die Schermbecker Kläranlage sei im Vergleich der insgesamt 51 Kläranlagen des Lippeverbandes eine mittelgroße Anlage. „Durchschnittlich“, so Steinbach, „fließen pro Sekunde 36 Liter Wasser aus der Schermbecker Kanalisation in die Kläranlage.“ Im Jahr würden rund 1,3 Milliarden Liter Abwasser in der Kläranlage gereinigt, was dem Inhalt von 15 Millionen Badewannen entspreche. H.Sch.

Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband für das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe. Er wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung.

 

 

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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