Am Schützenfest-Montag des Jahres 2019 holte Bernd Becker an der Vogelrute bei Große-Ruiken mit dem 560. Schuss den letzten Rest des Altschermbecker Vogels aus luftiger Höhe herab.

Knapp zwei Stunden später wurden er und Ulla Bienbeck als neues Königspaar der Kiliangilde Altschermbeck inthronisiert.

Wegen der durch das Coronavirus bedingten Einschränkungen hat sich der Thron bereit erklärt, ein weiteres Jahr lang die Regentschaft zu übernehmen. Das Königspaar beantwortete uns ein paar Fragen.

Am 15. Juli 2019 gaben Sie den besten Schuss ab. Hatten Sie sich vorgenommen, neuer Regent im Königreich Altschermbeck zu werden?

Ja, ich hatte es bereits in den zwei Jahren zuvor auch versucht und bin jeweils „Vize“, also Vorletzter geworden, das hat mich im vorigen Jahr dann ganz besonders angespornt.

Wie sind Sie in das Altschermbecker Schützenwesen hineingewachsen?

Sowohl in meiner Familie als auch in der meiner Frau gibt es eine sehr lange Tradition. Mein Opa war Präsident, mein Vater König, meine Frau und meine Schwiegermutter Königinnen. Aber das eigentlich Motivierende, was unser Fest auch ausmacht, sind das Zusammenkommen von Jung und Alt und die stets großartigen Stimmung beim Feiern in Altschermbeck.

Wann und wie haben Sie erfahren, dass Sie Königin werden sollten?

Der König hatte mich bereits Karneval 2017 angesprochen und mein Interesse ausgelotet. Natürlich habe ich sofort zugestimmt, denn ich wusste, dass wir gemeinsam Spaß haben werden. Deshalb war ich auch im vergangenen Jahr darauf vorbereitet, dass dies gegebenenfalls passieren könnte und mit meinen Freundinnen an der Vogelstange. Als die letzten Vogelteile von der Stange geschossen wurden und klar war, dass ich Königin würde, hieß es nur noch „Yeah“.

Bis zur Inthronisation hatten Sie nur zwei Stunden Zeit. Da war sicherlich schnelles Handeln angesagt.

Mir war es wichtig, zunächst den Ehrenpräsidenten der Altschermbecker Schützengilde Ernst-Christoph Grüter, der mir die Daumen gedrückt hatte, persönlich von meinem Erfolg zu informieren, also bin ich direkt von der Vogelrute mit dem Fahrrad zu ihm gefahren.
Den Friseur, was für Frauen ja stets sehr wichtig ist, hatten wir an der Hand, dort wurden wir dann auch bereits mit Sekt und Kaffee versorgt. Die Männer haben schwarze Anzüge und die Frauen Kleider, die sie schon einmal getragen hatten, aus dem Schrank geholt und Vorstandsmitglieder unterstützten mit weißen Fliegen, Handschuhen und Zylinder, alles überhaupt kein Problem.

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie nach den Eindrücken von Ihrer Inthronisation, vom Umzug und vom Festball gefragt werden?

Das ist unbeschreiblich und sollte sich keiner entgehen lassen, weil uns so viel Freude entgegengebracht wurde. Begeisterter Jubel schon bei der Inthronisierung, großartige Beteiligung der Schützen beim Umzug, ausgelassene Stimmung im Festzelt und letztlich bis nach dem Sonnenaufgang auf der Straße vor dem Königshaus weitergefeiert.

Welche Verpflichtungen mussten Sie seit Beginn Ihrer Regentschaft übernehmen?

Die Frage ist falsch gestellt, weil sie etwas Negatives impliziert. Wir freuen uns immer, wenn wir gemeinsam etwas unternehmen dürfen und sei es auch nur Unkraut am Kilians-Denkmal jäten, denn auch das kann Spaß machen. Es ist super, den Nachwuchs beim Kinderschützenfest in Rüste zu erleben, ganz besonders haben wir uns gefreut, dass das Schützenfest in Uefte-Overbeck in unsere Regentschaft fiel und wir die Nachbargilde an mehreren Tagen besuchen durften.

Aber auch das Oktoberfest des Hauses Kilian, wo uns das Engagement der Beschäftigten berührt hat, bleibt in unserer Erinnerung. Als König bereitet es Vergnügen darüber hinaus an den monatlichen Vorstandssitzungen teilnehmen zu dürfen, denn erst da wird so richtig klar, was für ein tolles Team mit so unterschiedlichen Talenten wir haben. Dies inkludiert selbstverständlich auch unsere Offiziere und wir schätzen es sehr, dass wir diese, aber auch deren Ehefrauen, die den Einsatz der Männer unterstützen, besser kennen lernen konnten.

In diesem Jahr wird es wegen des Coronavirus kein neues Königspaar geben. Freuen Sie sich über die Verlängerung Ihrer Regentschaft?

Grundsätzlich ja, denn das gibt uns die Gelegenheit die ausgefallenen Veranstaltungen wie z. B. die Weinprobe oder die Fahrt ins Blaue im kommenden Jahr nachzuholen. Andererseits waren wir schon so gut ins Jahr 2020 gestartet und „eingeschwungen“, dass wir gerne im Festzelt gefeiert hätten.

Wir sind aber froh, dass es der Gilde gelingt, in dieser schwierigen Situation die Schützen und ihre Familien nicht aus den Augen zu verlieren und wir – gutes Wetter vorausgesetzt – am 12. Juli um 10.30 Uhr einen Feldgottesdienst auf dem Festplatz ebenso anbieten können wie eine „Überraschung“ am Nachmittag.
Getreu dem Motto unserer Videos „Wir machen gemeinsam das Beste daraus“, die über unsere Internetseite altschermbeck.com aufgerufen werden können.

Ihre Antwort signalisiert eine große Begeisterung. Wenn Sie einen Werbeflyer für das Altschermbecker Schützenwesen erstellen sollten, was würden Sie unbedingt hineinschreiben?

Kilian-Schützenfest Altschermbeck bedeutet pure Lebensfreude. Das Fest für Jung und Alt in (Alt-)Schermbeck. Hier wird gefeiert und gelacht, komm und sei dabei!

Wenn Sie die Altschermbecker Schützen mit zwei bis drei Sätzen zum Königsschuss ermuntern müssten, was würden Sie ihnen nahelegen?

Einer muss den Job ja machen, aber da wir ein tolles Vorstands- und Offiziers-Team haben, macht dies so viel Spaß, dass man gar nicht mehr aufhören möchte 😊
Ich habe noch keinen ehemaligen König gesprochen, der nicht restlos begeistert war, allein der Jubel beim Einlaufen ins Festzelt… Das sollte man sich nicht entgehen lassen, wer irgendwelche Zweifel hat, möge mich bitte ansprechen.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie am Ende Ihres ersten Regentschaftsjahres sagen möchten?

Natürlich möchten wir uns bei allen bedanken, die uns in unserem ersten Amtsjahr so fabelhaft unterstützt haben. Auch für das kommende Jahr versprechen wir eine milde Regentschaft.

Die Fragen stellte Helmut Scheffler

Vorheriger ArtikelGruß des Schermbecker Präsidenten Ralf Daunheimer
Nächster ArtikelSchermbecker Königspaar hält Rückschau
Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte den vollständigen Vor- und Nachnamen eintragen