Rückblick auf das erste Regentschaftsjahr

Am heutigen Samstag würden Dominik Woeste und Lenja Niesen eigentlich ihre Regentschaft beenden und die Amtskette und die Krone an das nachfolgende Königspaar übergeben. Wegen des Coronavirus haben die Schermbecker Kilianer in diesem Jahr auf ihr traditionelles Schützenfest verzichtet. So bleibt das Königspaar ein weiteres Jahr im Amt. Wir stellten dem Königspaar ein paar Fragen.

Am 13. Juli 2019 holten Sie den Vogel von der Stange. Hatten Sie sich vorgenommen, neuer Regent im Königreich Schermbeck zu werden?

Ja, wir hatten vor Regenten von Schermbeck zu werden. Dass es sofort geklappt hat, war mega klasse, aber auch überraschend.

Dominik Woeste und Lenja Niesen (Mitte) sind das Königspaar der Kiliangilde Schermbeck von 1602 e.V. Während ihrer einjährigen Regentschaft wurden sie von den Thronpaaren Scotty La Rocca (USA)/Katrin Schulz (l.) und Lars Niesen/Lena Nowotny (r.) unterstützt. Archivfoto: Helmut Scheffler

Wie sind Sie in das Schermbecker Schützenwesen hineingewachsen?

Hineingewachsen in die Gilde bin ich durch die Familie. Mein Opa Bernhard Redeker war schon Offizier sowie mein Onkel Markus Redeker, der derzeitig Hauptmann der Gilde ist, genauso wie Michael Redeker, der jahrelang als Fahnenbegleitoffizier gedient hat. Mein Patenonkel Günther Beck war jahrelang Präsident der Gilde und ist jetzt Ehrenpräsident. Wie Sie also sehen, bin ich voll und ganz in die Gilde miteingebunden. Seit mehreren Jahren bekleide ich das Amt des Fahnenbegleitoffiziers. Dieses mache ich sehr gerne.

Wann und wie haben Sie erfahren, dass Sie Königin werden sollten?

Domi hatte mich schon in jungen Jahren gefragt, wir haben aber immer auf den richtigen Moment gewartet. Königspaar ist man in der Regel nur einmal und dann soll es auch ein unvergessliches Erlebnis werden. Am Tag des Königsschießens waren wir dann doch sehr aufgeregt. Man weiß ja auch nie, ob es klappt. Ich wollte gerade Getränke holen, da fast noch der komplette Vogel hing, und auf einmal höre ich lautes Gejubel. Das waren schon ein paar sehr spannende Sekunden, bis ich dann Domis Mutter, die ja selbst noch Königin war, und die Freude in ihrem Gesicht sah. Da war alles klar.

Bis zur Inthronisation hatten Sie nur wenige Stunden Zeit? Da war schnelles Handeln angesagt.

Dominik: Wir beide, Lenja und ich, planen schon seit etlichen Jahren, dass wir einmal König und Königin der Kiliansgilde Schermbeck werden. Bevor wir das Amt bekleiden konnten, musste sich natürlich ein Hofstaat finden. Dieser bestand vorher schon aus Katrin Schulz, Lars Niesen und Lena Nowotny. Weitere Überlegungen bestanden dann noch aus Jens Hecheltjen und Eva Hüser. Da wir dann eine ungerade Zahl waren, hatten wir die Idee Scotty aus den USA an Bord zu holen. Somit waren wir vollzählig. Man kann sagen, dass wir einen internationalen Thron haben. Da wir das geplant hatten, das Amt zu übernehmen, war kein schnelles Handeln nötig. Der Vogel ist ja schon sehr früh gefallen.

Lenja: Das Einzige, was dann noch spontan vorbereitet werden musste, war das gute Aussehen. Zum Glück haben meine Mädels sofort das Ruder übernommen und für mich einen Friseurtermin gemacht und mir Kleider, Schuhe und Handtaschen zur Auswahl gestellt. Ohne gute Unterstützung kann es sonst in der begrenzten Zeit sehr stressig werden. An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank dafür!

Königspaar Dominik Woeste und Lenja Niesen. Foto: Helmut Scheffler

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie nach den Eindrücken von Ihrer Inthronisation, vom Umzug und vom Festball gefragt werden?

Es war einfach ein tolles Erlebnis. Man hat ganz andere Eindrücke. Es ist einfach schön, den Zuschauern zujubeln zu können und zu sehen, wie viel Spaß sie daran haben. Das sind unvergessliche Eindrücke, die man dadurch bekommt. Das schönste an der Regentschaft ist die Gemeinsamkeit aller Schützenmitglieder in der Gilde und derjenigen, die gerne mit uns feiern.

Welche Verpflichtungen mussten Sie seit Beginn Ihrer Regentschaft übernehmen?

Ja, Verpflichtungen. Wenn man in einer Gilde die Regentschaft übernimmt, muss man sich im Klaren sein, dass man an allen Veranstaltungen der Gilde teilnehmen muss. König und Königin sind das Aushängeschild der Gilde, sie repräsentieren die Gilde. Wir kommen diesen Verpflichtungen aber sehr gerne nach und sehen sie eher als Privileg an.

Vor COVID-19 durften wir zum Schützenfest nach Uefte, was ein Mega-Spaß und ein besonderes Highlight im Jahr 2019 war. Dann hatten wir das Oktoberfest und auch noch eine Weihnachtsfeier, die ein denkwürdiger Abschluss für 2019 war. Das Jahr 2020 fing dann mit der Après-Ski-Party im Februar sehr erfolgreich an und kurz darauf durfte ich (Lenja) beim Schlopi-Rennen zusammen mit den anderen Königinnen die Jury bilden und die Siegerwagen aussuchen. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht.

Das sind die Verpflichtungen, die wir als Königspaar bis jetzt übernehmen durften. Die Schützenfeste in Damm, Bricht und Erle holen wir dann nächstes Jahr nach, genauso wie unser eigenes Fest.

In diesem Jahr wird es wegen des Coronavirus kein neues Königspaar geben. Freuen Sie sich über die Verlängerung Ihrer Regentschaft?

Natürlich freuen wir uns, ein weiteres Jahr das Königspaar der Gilde sein zu dürfen. Es ist zwar sehr schade, dass das Fest nicht in traditioneller Form stattfinden kann, aber so freuen wir uns umso mehr aufs nächste Jahr, wenn wir alle wieder zusammenkommen können.

Ihre Antwort signalisiert eine große Begeisterung. Wenn Sie einen Werbeflyer für das Schermbecker Schützenwesen erstellen sollten, was würden Sie unbedingt hineinschreiben?

Wir würden betonen, dass sich das Schermbecker Schützenwesen durch ein besonderes Gemeinschaftsgefühl auszeichnet. Wir sind verbunden durch die Tradition und das Feiern. Quasi die perfekte Balance, um sich jedes Jahr neu zu versammeln und gemeinsam im Dorf vier außergewöhnliche Tage zu verbringen. In einem Satz: Das ist einfach eine coole Truppe!

Wenn Sie die Schermbecker Schützen mit zwei bis drei Sätzen zum Königsschuss ermuntern müssten, was würden Sie ihnen nahelegen?

Dass sie solche Eindrücke nur als König haben werden. Dass es eine schöne Zeit ist, die man mit vielen tollen Menschen verbringen darf. Dass kein König in der Kilian-Schützengilde Schermbeck allein ist.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie am Ende Ihrer eigentlichen Amtszeit sagen möchten?

Da wir noch nicht am Ende unserer Amtszeit sind, kommt dieses dann im Jahr 2021.

Wir können uns für die tolle Zeit, die wir bis jetzt erlebt haben, schon mal bei allen bedanken. Es wird noch einiges folgen, aber bis dahin schon danke an die Kiliansgilde Schermbeck und alle Mitglieder im „Königreich am Mühlenteich“.

Die Fragen stellte Helmut Scheffler

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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