Der Ortsverband der Grünen in Schermbeck wird zur Kommunalwahl im September keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen. Statt auf eine Personalentscheidung setzen die Grünen auf eine inhaltliche Neuausrichtung im Rat – mit dem Ziel, bestehende Machtverhältnisse aufzubrechen.
Kritik an bisheriger Oppositionsrolle
„Schermbeck steckt in einer politischen Sackgasse“, erklärt Holger Schoel, Vorsitzender der Grünen Schermbeck. „CDU, SPD und DIE PARTEI haben in den vergangenen fünf Jahren als verlässliche Unterstützer des Bürgermeisters agiert.“
Die Oppositionsparteien hätten sich, so Schoel, zu Mitläufern entwickelt: „SPD und DIE PARTEI liefern sich einen Wettbewerb darum, wer dem Bürgermeister zuerst das Mon Chéri reicht. Bei 99 Prozent (SPD) bzw. 95 Prozent (DIE PARTEI) Zustimmung zu CDU-Beschlüssen ist das Wort Opposition ein schlechter Witz.“
Gegenkandidaturen mit Signalwirkung?
Auch die Ankündigung von SPD und DIE PARTEI, eigene Bürgermeisterkandidaten aufzustellen, stößt bei den Grünen auf Kritik. Schoel bewertet das Vorgehen als kontraproduktiv: „Das wirkt eher wie eine doppelte Majestätsbeleidigung. Am Ende sichert dieser Schritt nur dem Amtsinhaber den Wahlsieg. Die Gegenkandidaturen zersplittern das Wählerpotenzial für einen echten Politikwechsel. Und bei einer Stichwahl würden SPD und DIE PARTEI ohnehin wieder hinter dem Bürgermeister stehen.“
Fokus auf Ratswahl und Inhalte
Die Grünen richten ihren Fokus deshalb auf die Ratswahl. Ziel sei es, die dominierende Mehrheit aus CDU, SPD und DIE PARTEI – derzeit 75 Prozent der Ratsmitglieder – zu durchbrechen. Nur dann sei ein Neuanfang in Schermbeck möglich.
„Wer echte Veränderung will, kommt an Grün nicht vorbei“, betont Schoel.
Thematische Schwerpunkte
Inhaltlich setzen die Grünen auf solide Finanzen, mehr bezahlbaren Wohnraum, eine intelligente Gemeindeentwicklung ohne unnötige Flächenversiegelung sowie stärkere Bürgerbeteiligung.
„Wir werden weiterhin unbequeme Fragen stellen und für ein Schermbeck mit Lebensqualität für alle eintreten – auch wenn wir damit anecken“, so Schoel abschließend.























