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Wie steht es um die Energieversorgung in Schermbeck?

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©Petra Bosse

„Wäre ein Blackout auch bei uns denkbar?“ Ein Gespräch mit Rainer Gardemann

Die Energiekrise hat Deutschland fest im Griff. Keiner weiß derzeit so genau, wohin die Reise geht und wie teuer es für den einzelnen Haushalt wird.

Schermbeck-online hatte die Gelegenheit, mit Rainer Gardemann, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Gemeinde Schermbeck und Kreistagsmitglied, zu sprechen und um seine Einschätzung zu bitten.

Schermbeck-online: „Herr Gardemann, überall wird darauf gedrängt, den Energieverbrauch in den kommenden Monaten deutlich zu senken. Wo setzt die Gemeinde Schermbeck den Hebel an, z. B. in öffentlichen Gebäuden?“

Rainer Gardemann: „Lassen Sie mich eines vorwegsagen. Je mehr wir von fossilen Energieträgern abrücken, umso mehr Strom verbrauchen wir. Der aktuell immer wieder thematisierte Wasserstoff wird aus Strom erzeugt, und auch eine Umstellung der Heizungen auf Wärmepumpen oder die zunehmende Zahl der E-Autos steigern den Strombedarf. Das gilt nicht nur in Privathaushalten, sondern auch für die Gemeinde. Die neue Grundschule wird sicher nicht mit fossiler Energie geheizt.

Da, wo es Einsparpotenziale gibt, nutzen wir diese schon länger. So ist die Straßenbeleuchtung bereits vor einigen Jahren auf LED umgestellt worden. Eine komplette Abschaltung über Nacht, wie es immer mal wieder diskutiert wird, halte ich nicht für sinnvoll. Das ginge zulasten des Sicherheitsgefühls vieler Menschen. Wir erleben gerade, dass die Angebote der Vereine nach Corona wieder zunehmend genutzt werden. Ein nennenswerter Teil der Trainingszeiten fällt in die Abendstunden, sodass viele Menschen den Heimweg im Dunkeln antreten müssten. Für die Bürgerinnen und Bürger würde sich anbieten, z. B. durch das Abschalten des Stand-by-Modus ohne großen Aufwand Energie einzusparen. Auch kleinere Maßnahmen können das Netz und das Portemonnaie entlasten.

Schermbeck-online: „Begriffe, wie Kilowattstunde sind für viele Menschen böhmische Dörfer. Kann man solche Maßangaben ganz konkret an typischen Haushaltsgeräten festmachen?“

Rainer Gardemann: „Ich musste mich da auch erst einmal schlaumachen. Tatsächlich lässt sich das anhand konkreter Beispiele verdeutlichen. So benötigt man 1 kWh, um mit einer normalen Kaffeemaschine 50 Tassen Kaffee zu produzieren oder 150 Scheiben Brot zu toasten. Mit der gleichen Energiemenge kann man 2-5 Minuten duschen, etwa eine halbe Stunde staubsaugen oder eine 20 Watt Sparlampe 50 Stunden lang brennen lassen. Eine 5 Watt LED-Lampe könnte sogar 200 Stunden brennen.

Schermbeck-online: „Wer nach Schermbeck kommt, wird weithin sichtbar von zahlreichen Windrädern begrüßt. Welchen Stellenwert haben die mit Blick auf die Stromversorgung bei uns?“

Rainer Gardemann: „In Schermbeck haben wir an drei Orten Windräder, Lühlerheim, Rüste und Besten. Betrieben werden die Windparks von privaten Investoren und der SL Naturstiftung, beteiligt ist die Schermbecker Energiegenossenschaft. Über die SL Stiftung fließt ein Teil der jährlichen Gewinne an Schermbecker Vereine zurück. Die letzten Fördermaßnahmen liegen erst wenige Wochen zurück. Der zusätzliche Benefit erhöht die Akzeptanz in den Kommunen, wo die Windräder stehen. Die muss natürlich auch für Ökostrom vorhanden sein. Um nicht die ganze Gemeinde mit Windrädern vollzustellen, haben wir uns von Anfang an für eine konzentrierte Aufstellung in bestimmten Bereichen entschieden. Die Rolle ist schon jetzt nennenswert. Allein der Windpark Lühlerheim produziert 30 Millionen kWh im Jahr. Eine Menge, mit der man 8.500 Dreipersonenhaushalte mit grünem Strom versorgen kann und dabei bis zu 22.000 Tonnen klimaschädliches CO2 einspart.

Insgesamt liegt die Stromproduktion in Schermbeck bei 150 % des Bedarfs. Tendenz steigend. Für einen weiteren Ausbau bedarf es allerdings der Planungssicherheit durch den Gesetzgeber, z. b. mit Blick auf die Abstandsregelung und die Umweltbelastung. Das wird Anfang bis Mitte kommenden Jahres konkret. Dabei ist der Bundes- und Landesgesetzgeber gefragt. Diese Fragen können nicht auf lokaler Ebene geklärt werden. Man muss allerdings auch sagen, dass das Thema in Schermbeck nicht erst durch die Energiekrise aufgekommen ist. Auch immer mehr Privathaushalte setzen auf Photovoltaik. Oft schon seit Jahren.“

Schermbeck-online: „Wäre ein Blackout auch bei uns denkbar?“

Rainer Gardemann: „Theoretisch schon. Wir leiten den hier produzierten Strom ja auch in „das große Becken“ ein, aus dem wir unseren Bedarf dann decken, wie der Rest Europas das auch macht. Allerdings sieht es aktuell nicht nach einem Blackout aus.“

Schermbeck-online: „Neben den Windrädern gibt es auch Biogasanlagen. Welchen Beitrag können die für unsere Versorgung leisten und bleibt das Gas überhaupt in Schermbeck?“

Rainer Gardemann: „Tatsächlich produziert die Biogasanlage in Rüste neben Strom auch Abwärme. Die geht voll in die Eigenversorgung ein und wird teilweise für die Gewächshäuser im Umfeld genutzt. Das spart natürlich fossile Energien ein. Weitere Biogasanlagen sind derzeit allerdings nicht geplant.“

Schermbeck-online: „Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für die anstehenden Feiertage!“

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