Pünktlich um 15 Uhr drehen sich am Freitag die ersten Fahrgeschäfte auf der Kirmes in Altschermbeck. Rund 30 Grad zeigt das Thermometer. Es riecht schon nach gebrannten Mandeln und die Futterstände haben auch geöffnet. Noch bleibt es zwischen Autoscooter, Schießbude und Hula-Hoop und den anderen Buden überschaubar. Die Schausteller wissen jedoch: An heißen Tagen beginnt das Geschäft oft erst am Abend.

Große Fahrgeschäfte werden seltener
Die Kirmes gehört seit Jahrzehnten zum Schützenfest in Altschermbeck. Fahrgeschäfte stehen traditionell an derselben Stelle rund um das Festzelt. Das ist längst nicht mehr auf jedem Schützenfest selbstverständlich. Besonders größere Geschäfte lassen sich für kleinere Festplätze nicht immer gewinnen.
Direkt am Zelteingang steht das Hula-Hoop der Firma Heinz Deinert aus Dortmund. Im Verkaufshäuschen sitzt Emy Deinert. Die Juniorchefin ist 18 Jahre alt und arbeitet fest im Familienbetrieb mit. „Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen“, sagt sie.
In Altschermbeck steht sie nach eigener Erinnerung zum dritten oder möglicherweise bereits zum vierten Mal. Mit den Besucherinnen und Besuchern sei sie jedes Jahr zufrieden. „Die Leute hier sind sehr, sehr lieb und angenehm.“

Fünf Stunden warten auf die ersten Fahrgäste
Bei großer Hitze braucht eine Kirmes Anlauf. Viele Menschen bleiben zunächst im Garten oder suchen Schatten. Erst am Abend füllt sich der Platz. „Wenn du um 14 Uhr aufmachst und es ist so heiß, dann sitzt du auch mal fünf Stunden nur rum und hast vielleicht drei Fahrten gemacht“, sagt Emy Deinert. In den vergangenen Wochen hätten die Besucher an besonders heißen Tagen teilweise erst gegen 19 Uhr den Weg zur Kirmes gefunden. Das könne sie nachvollziehen. „Ich würde auch nicht, glaube ich, bei 38 Grad auf eine Kirmes gehen.“
Der Schaustellerbetrieb plant seine Saison lange im Voraus. Bereits im Oktober stellt die Familie ihre Anfragen für das nächste Jahr zusammen. Die Tour führt überwiegend durch den Raum Dortmund. Hinzu kommen größere Veranstaltungen in Bocholt und Werne.
In manchen Jahren reist der Betrieb von einem Platz zum nächsten. Dann steht das Hula-Hoop nahezu jedes Wochenende auf einer Kirmes oder einem Schützenfest.

Schützenfeste ticken anders
Schützenfeste unterscheiden sich nach Erfahrung der jungen Schaustellerin deutlich von klassischen Kirmesplätzen. Auf größeren Kirmessen komme mehr Familienpublikum. Schützenfeste dauerten dagegen oft bis tief in die Nacht. „Schützenplätze sind manchmal etwas anstrengender und gehen auch viel, viel länger“, sagt sie.
Mit Altschermbeck verbinde die Familie dennoch gute Erfahrungen. Das Publikum sei freundlich, die Atmosphäre angenehm. Beschwerden gebe es kaum.

Seit 40 Jahren mit dem Autoscooter dabei
Einige Meter weiter steht ein Geschäft, das für viele Besucher zu jeder Kirmes gehört: der Autoscooter. Walter Hanowski kommt seit rund 40 Jahren nach Altschermbeck.
Er bringt den Autoscooter nicht nur mit, sondern organisiert die Kirmes gemeinsam mit weiteren Beteiligten. Die Aufgabe habe seine Familie damals von Frau Wimmler übernommen.
„Wir fühlen uns hier wohl und kommen schon seit vielen Jahren hierhin“, sagt Hanowski. „Wir haben auch ein bisschen Verantwortung, dass Schermbeck immer so am Laufen bleibt.“ Seinen Platz hat er inzwischen meist im Kassenhäuschen gefunden. Hanowski hat, wie er selbst sagt, „Knie“. Da kommt ihm der Stuhl hinter der Kasse gerade recht. Von dort behält er den Autoscooter und das Geschehen auf dem Festplatz trotzdem im Blick. Die großen Bäume auf dem Festplatz sieht er als besonderen Vorteil. Sie spenden Schatten und machen den Standort bei hohen Temperaturen angenehmer.
Auch das Publikum schätzt er. „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“

Rückwärtsfahren ausdrücklich erlaubt
Von einer Krise des Autoscooters will Hanowski nichts wissen. Kinder und Jugendliche stiegen weiterhin gerne ein. Wer Spaß habe, fahre nicht nur eine Runde. „Man kann mal nach links, mal nach rechts, mal vorwärts und auch rückwärts fahren“, sagt er. „Wenn der eine dem anderen mal hinten reinfahren will, ist das alles kein Problem.“
Gerade diese Freiheit mache den Autoscooter bis heute attraktiv. Anders als bei vielen anderen Fahrgeschäften bestimmen die Fahrgäste selbst, wohin sie steuern und wen sie dabei anrempeln.
Nur das Wetter könne das Geschäft bremsen. Bei Hitze verlagere sich der Betrieb in die Abendstunden. Für Hanowski gehört das in Altschermbeck ohnehin dazu. „Hier ist Nachtpublikum. Dann steppt der Bär. Dann rockt der Bär hier.“

Ein Chip für die nächste Begegnung
Besonders bei Jugendlichen bleibt der Autoscooter ein beliebter Treffpunkt. Für den Kirmesabend brezelt sich mancher besonders auf, andere werfen erst einmal einen Blick auf die Jungs am Fahrgeschäft. „Dann heißt es schnell: ‚Guck mal, der sieht doch gut aus. Komm, wir holen uns einen Chip und fahren eine Runde‘“, erzählt Hanowski lachend. Zwei oder drei gezielte Rempler später sei der erste Kontakt oft hergestellt.

Schießbude reist zum zweiten Mal an
Auch die Schießbude von Jürgen Karraas und seiner Frau Mareike gehört zum Kirmesbild. Das Paar steht zum zweiten Mal in Altschermbeck. Bereits im vergangenen Jahr seien beide mit dem Verlauf zufrieden gewesen. Gemeinsam mit Willi reisen sie von Veranstaltung zu Veranstaltung. In Altschermbeck warten sie nun darauf, dass mit sinkenden Temperaturen mehr Besucher auf den Platz kommen.

Das Riesenrad legt in diesem Jahr eine Pause ein. Dafür wartet auf alle, die Tempo lieben und einen belastbaren Magen mitbringen, ein deutlich rasanterer Ersatz: Das EXtrem katapultiert seine Fahrgäste mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde in 42 Meter Höhe. Wer einsteigt, kann Altschermbeck also weiterhin von oben sehen, hat für den Ausblick allerdings nur wenig Zeit.
Bis Montagabend bleiben Hula-Hoop, Autoscooter und Schießbude und die anderen Fahrgeschäfte geöffnet. Dann endet die Kirmes. Bis dahin dürfte sich besonders in den Abendstunden zeigen, ob der Bär in Altschermbeck tatsächlich wieder steppt.























