Viel Arbeit für „die Letzte Reise“

Schermbecker Bestattungsunternehmer Berger referierte im Rathaus
Schermbeck Tritt ein Trauerfall in der Familie ein, sind die nächsten Angehörigen häufig nicht gut vorbereitet auf das, was an Entscheidungen ansteht. In einem Vortrag, zu dem der Seniorenbeirat und die Nachbarschaftsberatung Schermbeck eingeladen hatten, informierten die Schermbecker Bestattungsunternehmer Henning und Kai Berger am Mittwochnachmittag im Begegnungszentrum etwa 45 Zuhörer.
Ohne die professionelle Unterstützung durch einen Bestattungsunternehmer würden die meisten Menschen in der Situation des persönlichen Trauerns überfordert. Ob Bestattungsunternehmer oder Eigenleistung, es sind eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören die Überführung des Verstorbenen und die Meldung des Todesfalles beim Standesamt, der Rentenstelle und der Krankenkasse ebenso wie die Abholung der Todesbescheinigung, Terminabsprachen mit dem Pfarramt und dem Friedhofsamt, das Geltendmachen von Lebens- und Sterbegeldversicherungen sowie die Besorgung fehlender Dokumente. Der Verstorbene wird im vorab ausgesuchten Sarg aufgebahrt. Die Trauerfeier und die Bestattung müssen organisiert werden. Hinzu kommen das Bestellen von Blumendekorationen, Kränzen und Gestecken, die Organisation des Kaffeetrinkens in einer Gaststätte, das Setzen und Schalten von Zeitungsanzeigen und das Aufstellen eines Grabkreuzes nach der Beerdigung.
Henning Berger berichtete über die verschiedenen Formen der Bestattung und ihre Umsetzung auf Schermbecker Friedhöfen. Auf den Friedhöfen beider Kirchengemeinden (einen kommunalen Friedhof gibt es Schermbeck nicht) kann man Einzel- oder Doppelgräber oder ein Rasengrab wählen. Anonyme Grabstellen gibt es in Schermbeck nicht. Die Ruhezeiten auf dem Friedhof der Georgsgemeinde betragen 25 Jahre, auf dem Friedhof der Ludgerusgemeinde 30 Jahre. Während die Kremation (Einäscherung) bei evangelischen Christen schon im 19. Jahrhundert gebräuchlich wurde, öffnete bei den Katholiken erst das zweite vatikanische Konzil im Jahre 1965 die Möglichkeit zur Feuerbestattung. In Schermbeck hat es allerdings sehr viel länger gedauert. Die Zuhörer wollten viele Details erklärt haben. So erfuhren sie unter anderem, dass man nach einer Einäscherung in Holland die Urne selbst nach vier Wochen abholen kann. Man muss dann zwar unterschreiben, dass die Urne in Deutschland beigesetzt wird. „Aber“, so Henning Berger, „da gibt es Grauzonen und Wege, die Urne mit nach Hause zu nehmen.“

Der Bestattungsunternehmer Henning Berger (r.) informierte im Begegnungszentrum etwa 45 Zuhörer über alle Entscheidungen, die nach dem Tode eines Menschen getroffen werden müssen. Foto: Helmut Scheffler
Der Bestattungsunternehmer Henning Berger (r.) informierte im Begegnungszentrum etwa 45 Zuhörer über alle Entscheidungen, die nach dem Tode eines Menschen getroffen werden müssen. Foto: Helmut Scheffler

Schermbecker Bürger können auch auf der offenen See bestattet werden. Solche Bestattungen sind seit 1934 in Deutschland möglich. Die sterblichen Überreste des Verstorbenen werden nach der Kremierung in einer speziellen, sich nach kurzer Zeit im Wasser auflösenden, Urne in ausgewiesenen Gebieten der Meere beigesetzt.
Die Zuhörer interessierten sich für Möglichkeiten der Vorsorge. Henning Berger empfahl einen Vorsorgevertrag, der den gewünschten Beerdigungsverlauf beinhalten sollte. Sinnvoll sei ein Treuhandkonto bei einer Bank. Das dort festgelegte Geld werde gegenüber dem Altenheim und dem Sozialamt aus dem Vermögen sicher abgekoppelt, sodass die Bestattung sicher finanziert werden könne.
Die Bestattungskosten beinhalten die Leistung des Bestatters, öffentliche und kirchliche Gebühren sowie weitergehende Dienstleistungen wie Blumen, Zeitungsanzeigen, Steinmetzarbeiten und ähnliche Kosten. Als durchschnittliche Kosten für eine Beerdigung in Schermbeck nannte Berger 6600 Euro. Es gebe allerdings ganz unterschiedliche Ansprüche.
Neben diesen grundsätzlichen Ausführungen gab es eine ganze Menge Detailfragen rund um die letzte Reise eines Menschen. Einzelbeispiele: Es gibt auch heute noch Aufbahrungen im Hause von Verstorbenen. Auf einer Grabstelle können zwei Urnen oder ein Sarg und eine Urne beigesetzt werden. Die Möglichkeit einer Umbettung ist auch abhängig von den Bodenverhältnissen. H.Sch.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.