Wie in den vergangenen Jahren auch, bereitet der Verkehr auf der Schermbecker Mittelstraße auch heute noch weiter Probleme

Das Interesse an der fünften Runde der Bürgerbeteiligung für die Umgestaltung des Schermbeckers Ortskern war groß. Rund 200 Besucher konnte Bürgermeister Mike Rexforth am Mittwochabend ins Ramirez.

Die Mitarbeitern der drei Planungsbüros „Junker + Kruse (Dortmund), Runge IVP (Düsseldorf) und „WBP“ brachten die Bürger auf den neusten Stand der Entwicklungen des des Städtebaulichen Rahmenkonzeptes für den Ortskern Schermbeck.

Bürgerbeteiligung-Mittelstrasse-Schermbeck

Am Mittwochabend ging es im Ramirez an der Maassenstraße hoch her. Kein Wunder, denn das Thema Mittelstraße, das bei der Bürger- und Informationsveranstaltung auf dem Programm stand, war emotional aufgeladen. Das Interesse der Info-Veranstaltung war groß. Der Saal war – soweit es die Einhaltung der Corona-Regeln zuließ – schon frühzeitig gut gefüllt. Es ging u. a. um eine mögliche Beruhigung des Verkehrs auf der Mittelstraße durch eine Umlenkung in die Schienebergstege und den Kapellenweg. Ein Vorhaben, das seit den 80er Jahren bereits zum dritten Mal von der Politik in Angriff genommen wird. Zweimal ist die Umsetzung bereits gescheitert.

Die Grundzüge ihrer bisherigen Arbeiten zur Optimierung der Ortskerngestaltung erläuterten anfangs die Diplom-Ingenieure Hans-Rainer Runge, Rolf Junker, Andreas Meyer sowie die Landschaftsarchitektin Luisa Walterbusch.

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Bürgermeister Mike Rexforth konnte rund 200 Bürger im Saal von Ramirez begrüßen. ©Petra Bosse

2200 Schermbecker Bürger haben sich online beteiligt

Mit rund 3.600 Beiträgen haben sich 2200 Schermbecker Bürger bei dem integrierten Handlungskonzept für den Ortskern von Schermbeck zu den Themen online eingebracht. Zwar standen auch noch einige weitere Tagesordnungspunkte an, z. B. die Neugestaltung der Grünanlage am Mühlenteich. Die gingen allerdings neben dem Verkehrsthema weitgehend unter.

„Die Mittelstraße ist nicht der Ku’damm. Die Straße hat jedoch auch ihren besonderen Charme“, so Hans-Rainer Runge vom Ingenieurbüro für integrierte Planung. Laut der Verkehrszählung September 2020 liegt der Gesamtverkehr (24h) in Schermbeck bei 14.900 Fahrzeugen.

Worüber am Ende der Versammlung am hitzigsten beim Austausch mit den Fachexperten diskutiert wurde, waren eindeutig das Verkehrskonzept und die Varianten, wo der Verkehr, wenn nicht durch die Mittelstraße, umgeleitet werden könnte.

Hausgemacht

Was den Durchgangsverkehr auf der Mittelstraße anbelange sei dieser, so Runge, „hausgemacht“. Den Vorschlag eines Besucher, diesen bereits am Rande des Ortskerns, bzw. von Raesfeld und Erle aus abzufangen, widersprach der Planer. „Wovon wir sprechen, sind nicht die Besucher aus Raesfeld, Erle, Dorsten oder Wesel, die größtenteils durch den Ort fahren, sondern von Eltern, die ihre Kinder morgens zur Spiele bringen oder die innerörtlichen Einkaufsfahrten“. Ein Hinweis, der für lautstarke Zustimmung sorgte.

500 Bürger sprechen sich für eine Öffnung aus

Von den Teilnehmern an der Online-Befragung sprachen sich mehr als 500 für eine Öffnung der Marellenkämpe aus, 120 dagegen.

Marellenkämpe-Schermbeck
Straße Marellenkämpe ©Petra Bosse

Wie nicht anders zu erwarten, waren die meisten Anwesenden von der Marellenkämpe, Schöneberg und Kapellenweg. Schließlich würden sie die geplanten Maßnahmen ganz besonders zu spüren bekommen. „Zweimal hat es nicht geklappt, dreimal das gleiche Konzept. Die Mittelstraße wird gesperrt und der gesamte Verkehr kommt in die Schienebergstege und in den Kapellenweg. Und fertig ist der Lack! Die Frage, ob es diesmal klappt? Ganz sicher nicht!“, kommentierte Kastulus A. Wolf von der Verkehrsinitiative das Vorhaben.

Fakt laut Planer sei jedoch auch, dass der Verkehr auf den breiteren Ersatzstraßen wesentlich erträglicher sei als auf der engen Mi.

Bei den Untersuchen aller drei Varianten, wie sich eine Öffnung der Marellenkämpe auf die Fahrzeugfrequenz auswirken werde, schwankte die Anzahl der Fahrzeuge zwischen 900 und 1300 pro Tag.

Mittelstrasse-Verkehrskonzept-Schermbeck

Allerdings stellt sich auch die Initiative nicht generell gegen eine Verkehrsberuhigung auf der Mittelstraße. Stattdessen fordert sie ein auf die Zukunft ausgerichtetes Verkehrskonzept, das einen Beitrag zur Klimaneutralität 2040 leistet.

Schienebergstege und Kapellenweg soll möglichst wenig belastet werden

Erklärtes Ziel sei es, den innerörtlichen Verkehr auch auf der Mittelstraße generell zu minimieren, ohne dabei die Schienebergstege und den Kapellenweg zusätzlich zu belasten. Die Möglichkeit, sein Haus anzufahren soll jedoch weiterhin gegeben bleiben. Einer der Wege, diese Ziele zu erreichen, sieht eine stärkere Berücksichtigung von Fahrrädern aller Art, Kinderwagen und Senioren-Skootern vor.

Auch die elf Platanen, die nach den aktuellen Plänen gefällt werden müssten, sollten erhalten bleiben. Dazu soll die freie Durchfahrt für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, Krankenwagen oder Polizei in ganz Schermbeck gewährleistet bleiben.

Mittelstrasse-Verkehrskonzept-Schermbeck

Was die Gestaltung, Aufwertung und die Begrünung der Mittelstraße an sich anbelangt, gebe es hier kein großes Wunschkonzert, hieß es vonseiten der Planer. Allerdings könne optisch neuer Raum geschaffen werden. Auch durch einen neuen Asphaltbelag in hellgrau, angeschliffen mit Randkanten aus Naturstein. Ein weiterer Schwerpunkt bei der Planung für die nächsten Jahre seien die E-Mobile. Runge ist sich sicher: „Schermbeck, eine Stadt im Grünen. Heute noch das Sorgenkind, könnte aber bald zum Glückskind werden“.

Unterstützung gesucht

Ein großes Vorhaben, das sich nicht mal auf die Schnelle umsetzen lässt. Das wissen auch die Organisatoren der Verkehrsinitiative Jenny und Daniel Langenberg, Elisa und Felix Rempfer und Christine und Kastulus A. Wolf. Daher haben sie dem Gemeinderat angeboten, sich aktiv bei der Ausarbeitung entsprechender Konzepte einzubringen. Bereits jetzt stehen dafür fünf Ingenieure mit langjähriger Erfahrung zur Verfügung. Zusätzliche kompetente Unterstützung aus verschiedenen Fachbereichen ist gefragt. Insgesamt soll sich ein Team von 10 bis 15 Personen an die Erarbeitung einer zukunftsfähigen Alternative zur aktuellen Planung machen. Gegen diese haben sich bislang schon einige hundert Bürger durch ihre Unterschrift ausgesprochen. Wer Interesse hat und über eine entsprechende Ausbildung bei der Umsetzung von verkehrsplanerischen Projekten verfügt, ist herzlich eingeladen, sich bei der Verkehrsinitiative Schermbeck zu melden: [email protected]

Gesamtkonzept

  • Verkehrsentlastung Mittelstraße
  • Verträgliche Verkehrsverlagerung auf die Schienebergstege, den Kapellenweg und die Marellenkämpe
  • Gesamtwiderstandserhöhung im Ortskern für den KFZ-Verkehr
  • Stärkung der Nord-Süd-Achse für den Fahrradverkehr
  • Anlage von Radschutzstreifen Erler Straße und Mittelstraße
  • Neugestaltung ZOB und Ertüchtigung für verbessertes Linienbusangebot
  • Entwicklung zur Mobilitätsstation, Verknüpfung Fahrrad, E-Ladestationen, Toilette und Carsharing sowie die Erschließung des Zentrums Nord (REWE)

Ralf Meier und Petra Bosse