Am Samstag wurde das sechste Schermbecker Oktoberfest gefeiert
Schermbeck Chrissie Aleong`s Augen leuchteten. So schön können die Schermbecker feiern. Die 29-Jährige war extra aus Liverpool nach Schermbeck gekommen, um mit ihren Schermbecker Pateneltern ins Festzelt auf dem Schermbecker Rathausplatz zu kommen, wo die Kiliangilde Schermbeck ihr sechstes Oktoberfest feierte.
Im geschmückten Festzelt kam schon zeitig eine bajuwarische Grundstimmung auf, zumal man wusste, dass zur selben Zeit auf der Münchener Theresienwiese das große Vorbild des Schermbecker Festes zum 182. Male veranstaltet wurde. Manches glich dem großen Vorbild: Ein Riesenzelt mit langen Tischreihen, hübsche Madels als Kellnereien, die bis zu acht Bierkrüge mit einem Liter Inhalt gleichzeitig in die entferntesten Ecken des riesigen Zeltes schleppten, um durstige Kehlen zu stillen.

Oktoberfest Schermbeck19.09.2015 353 (168)
Es war fast wie in München, nur günstiger und vor der Haustür. Ein Großteil der Besucher erschien im typisch bayerischen Outfit. Für Männer war die krachlederne Hose geradezu ein Muss. Viele trugen Lederhosen mit Hosenträgern, Kniebundstrümpfe und ein kariertes Hemd, oftmals in einer zum Dirndl der Partnerin passenden Farbe. Einige erinnerten mit ihren Zipfelmützen aus Filz an das Aussehen von Sennern auf der Alm. Die Damen wetteiferten mit klassischen Trachten oder farbigen Sexy-Minidirndls und sogar mit atypischen Hotpants um die anerkennenden Blicke der „Buben“ und freuten sich riesig, wenn die Feststellung „na, sieht die fesch aus“ gerade ihnen galt. Manche hatten sich mit einen speziellen Wies`n`-Haarschnitt aufstylen lassen. Da staunte sogar Johannes aus Österreich, der seine Schermbecker Freundin Lena besuchte und hier feststellen konnte, dass auch nördlich des Weißwurst-Äquators in bajuwarischer Manier prächtig gefeiert wird.

Oktoberfest Schermbeck19.09.2015 353 (159)
Die Schermbecker Musikkapelle „Pils`n`Buam“ übernahm das Aufheizen der Stimmung zu Beginn des Abends. Die Gruppe, die sich seit einigen Jahren zu Stimmungsmachern bei Schermbecker Volksfesten entwickelt hat und in diesem Jahr ihr zwölfjähriges Bestehen feierte, präsentierte Blasmusik, wie man sie aus Bayern, Böhmen, Mähren und Slowenien kennt. Walzer wie das „Kufstein-Lied“, die „Rauschende Birke“ und „Mariechen“ waren ebenso wie Polkas von der „Rosamunde“, den „Blauen Augen“ und der „Fischerin vom Bodensee“ und ein Ländler-Potpourri so recht nach dem Geschmack des Publikums, das schon bald – immer lauter werdend – mitsang und die Nachbarn am Tisch zu schunkelnden Einheiten zusammenfügte. Bisweilen sah es so aus, als sei beim gemeinsamen Schunkeln der Start für eine mehr oder weniger dauerhafte Romanze ins Rollen gekommen.

Oktoberfest Schermbeck19.09.2015 353 (142)
Bürgermeister Mike Rexforth, der den Anzug gegen eine Lederhose eingetauscht hatte, übernahm zum zweiten Mal den Anstich des auf der Bühne stehenden Bierfasses. Wie viele Schläge er brauchte, um dem Fass das Bier zu entlocken, lässt sich nicht mehr feststellen, denn nach vier Schlägen in der ersten Runde versagte das Zapfbesteck. Marc Grothoff sorgte für Ersatz und dann bedurfte es nur noch eines einziges Schlages, bis die Krüge gefüllt werden konnten. Die ersten Maßkrüge mit frischem „Benediktiner“-Bier gönnten sich der Bürgermeister, Kilian-Präsident Rainer Gardemann und Festwirt Marc Grothoff aus dem 30-Liter-Fass. Als amtierender König brachte Gardemann auch Königin Ute Halbsguth ein Maß.

Oktoberfest Schermbeck19.09.2015 353 (140)
Als perfekte Stimmungsmacher entpuppten sich die Mitglieder der Band „Die Bamberger“. Als professionelle Spitzenband kannten die Musiker den unverwechselbaren bayerischen Sound bestens, der bei Oktoberfesten erwartet wird. Eine perfekte Moderation, Spontaneität, Gags und Gaudi auf der Bühne: „Die Bamberger“ wurden zu wahren Garanten für eine gelungene Wies`n-Party. Das Publikum genoss die Super-Show. Pfiffe der Begeisterung ertönten, wenn es die Gruppe verstand, die jungen Besucher auf den Tischen tanzen zu lassen. Beim Lied „Schatz, ich schenk dir ein Foto“, unterstützten manche Besucher mit ihren Klappstühlen den Schlagzeuger. Abgerundet wurde die musikalische Darbietung durch eine professionelle Licht- und Tontechnik. Tanzen macht hungrig. Nichts fehlte, was den bayerischen Magen erfreuen konnte. H.Sch./Fotos: Helmut Scheffler

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Heimatreporter

Unter der Artikel-Kennzeichnung „Heimatreporter“ postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck.
Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks „Radio Kreis Wesel“, darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des „Schermbecker Schaufenster“. Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den „Rheinland-Taler“ des Landschaftsverbandes Rheinland.

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