Großer Bahnhof am Mittwochvormittag beim Spatenstich zur Renaturierung des Schermbecker Mühlenbachs an der Lippe am Gietlingsweg in Schermbeck

Spatenstich mit NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser

Im Rahmen des Programms „Lebendige Lippe“ entwickelt der Lippeverband im Auftrag des NRW den Mündungsbereich des Schermbecker Mühlenbachs naturnah. Land NRW als Eigentümerin des Landesgewässers Lippe trägt die Kosten für die Renaturierung des Mündungsbereichs Schermbecker Mühlenbach zu 100 Prozent. Die Arbeiten am Mündungsbereich des Schermbecker Mühlenbachs soll bis Frühjahr 2022 abgeschlossen sein.

  • Die Kosten belaufen sich auf 4,5 Mio. Euro
  • Insgesamt werden 36.000 Tonnen Bodenmaterial bewegt
  • Der jetzige Lippelauf wird um 217 Meter verlängert
  • Der Mündungsbereich wird um 200 Meter nach Westen hin verlegt.
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Spatenstich am Gielingsweg: v. l. : Bürgermeister Mike Rexforth, Bodo Klimpel (Ratsvors. Lippeverband), Dr. Emanuel Grün (Lippeverband), Umweltministerin NRW Ursula Heinen-Esser, stellv. Landrat Kreis Wesel Günter Helbig und Dr. Uli Paetzel (Vorstandsv. Lippeverband). Foto: Petra Bosse

Für den Bürgermeister sei dies schon ein fast historischer Moment, denn es werde heute, so Mike Rexforth, einfach die Schermbecker Grenze verlegt.

Begrüßen zum Spatenstich konnte der Bürgermeister neben Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, den stellv. Landrat Günter Helbig, den Ratsvorsitzenden Lippeverband und Landrat Kreis Recklinghausen Bodo Klimpel, sowie Prof. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender LV und Dr. Emanuel Grün (Tech. Vorsitzender LV).

Ehemals Grenze zwischen Sachsen und Franken

„Für uns in Schermbeck hat der Mühlenbach eine ganz besondere Bedeutung. Er markiert ab 1575 nicht nur die Grenze zwischen Sachsen und Franken – er ist auch der namensgebende Fluss für unsere Gemeinde“, so Bürgermeister Mike Rexforth. Sogar in dem Schermbecker Wappen sei der Mühlenbach wiederzufinden. „Das symbolisiert die enge Verbindung, die die Menschen in Schermbeck zum Schermbecker Mühlenbach und der Lippe haben“. Gleichzeitig betonte Rexforth, dass er alle Maßnahmen, die zur Aufwertung der Gewässer führen und zum ökologischen Artenreichtum beitragen, begrüße.

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Diesmal ging es nicht um das Thema Wolf in Schermbeck oder den Ölpellets in Gahlen. Bürgermeister Mike Rexforth und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sind sich einig, was die Wichtigkeit der Renaturierungsmaßnahmen Mühlenbach anbelangt. Foto: Petra Bosse

Insektensterben und Artenarmut

„Hitze, Trockenheit und zu wenig Schatten bedeuten eine große Belastung für unsere aquatischen Lebensräume. Deshalb stabilisieren Renaturierungen wie hier Schermbeck diese Lebensräume“, erklärte Ursula Heinen-Esser. Ein weiterer wichtiger Punkt für die anstehende Renaturierung der Lippe sei auch, dass dadurch natürliche Gewässer weniger anfällig für die Folgen von Belastungen des Klimawandels seien. „In Zeiten von Insektensterben und Artenarmut erhalten und schaffen wir durch unsere Maßnahmen ein wichtiges Ökosystem und entwickeln unsere Gewässer in NRW zu lebendigen Gewässern – daran arbeiten wir seit Jahren“, fügt die Umweltministerin hinzu.

50.000 Kilometer Bäche und Flüssn

Mit insgesamt 50.000 Kilometer Bächen und Flüssen ist NRW ein Land der Gewässer und: „Gewässer bedeuten auch für Menschen Lebensqualität“. Allerdings werde ein natürlicher oder naturnaher Zustand der Gewässer – wie die EU-Wasserrichtlinien es fordert – derzeit nur für weniger als zehn Prozent der Fließgewässer in NRW erreicht.

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Ratsvorsitzender des Lippeverband Bodo Klimpel aus Haltern und Ministerin Heinen-Esser Foto: Petra Bosse

Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

Günter Helbig, stellv. Landrat im Kreis Wesel verwies auch auf die Teilmaßnahme Maassenstraße. Hier habe der Kreis eine Fläche für die Auen-Entwicklung zur Verfügung gestellt. „Die Planungen und das Genehmigungsverfahren zur Renaturierung des Mündungsbereichs waren jederzeit von guter Zusammenarbeit geprägt“, betonte Helbig. Für ihn sei sicher, dass sich die Renaturierung positiv auf die Gesamtdurchgängigkeit der Gewässer auswirken werden: „Das heute hier ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinien“, so Helbig.

Neuer Lebensraum wird geschaffen

Dass sich in den kommenden Monaten in diesem Bereich der Lippe auf Schermbecker Gebiet ziemlich viel verändern werde, stellte der Ratsvorsitzende des Lippeverband Bodo Klimpel nicht infrage. Hier werde ein neuer wertvoller Lebensraum entstehen, durch ein neues Flussbett und die Anpflanzung eines Auenwaldes. Dass es sich hierbei um viel Aufwand und auch viel Geld, was in die Hand genommen werden muss, handelt, sei unbestritten. Eine Renaturierung unserer Gewässer sei nicht ökologisch unverzichtbar, sondern auch eine gesetzliche Vorgabe. „Mit solchen Maßnahmen versuchen wir, die menschlichen Eingriffe, die unsere Natur über Jahrhunderte geprägt haben, wieder zu regulieren“, so Klimpel.

Lippeauen-Mühlenbach-Schermbeck

Wichtiger Schritt

Dies sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, unterstrich auch Prof. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender Lippeverband). Alleine schon deshalb, weil sich die Artenvielfalt in den letzten Jahren in der Lippe vervielfacht haben.

„Schaut man in auf unser Monitoring der vergangenen 50 Jahre, wird deutlich, dass in den 1970er Jahren die Lippe ein nahezu toter Fluss war. 13 Insektenarten waren damals resident genug, um in der Lippe zu überleben. Heute, sind es 150 verschiedene Arte – wie Libellen, Köcherfliegen, Schwimmkäfer -, die in der Lippe wieder heimisch geworden sind“, so Paetzel. Dies liege unter anderem auch am technischen Ausbau der Kläranlagen, aber auch an baulichen Renaturierungsmaßnahmen, dank denen wir Fischen, Amphibien und seltene Vögel einen Lebensraum bieten können.

Einbahnstraße für Fische

Mit Blick auf den Mündungsbereich des Mühlenbachs treffe dieser deutlich zu steil auf die Lippe, erklärt Dr. Emanuel Grün (Technischer Vorstand Lippeverband). Bildlich ausgedrückt heißt dies: „Wer als Fisch im Schermbecker Mühlenbach Richtung Lippe schwimmt, ist auf einer Einbahnstraße unterwegs. Kurzum: Es fehlt die Reisefreiheit für Fische. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Durchgängigkeit zwischen den Gewässern wiederherzustellen und durch die rund 270 Meter Laufverlängerung kann die Anbindung an die Lippe naturnäher gestaltet werden“.