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Schermbecker Tafel zieht Bilanz: Ein Jahr praktische Hilfe im Alltag

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Tag der offenen Tür gefeiert mit Besuchern der Tagespflege, Ehrenamtlichen, dem Direktor der Caritas Wesel/Dekanat Dinslaken Michael van Meerbek und Bürgermeister Mike Rexforth. Foto: Petra Bosse

Ein Jahr Tafel und Kleiderkammer in Schermbeck – beim Tag der offenen Tür stellte die Caritas heute am Mittwoch die vielfältigen Angebote des Soziokulturellen Zentrums im Alten Rathaus vor. Rund 300 Menschen nutzen derzeit die Unterstützungsleistungen.

Bürgermeister Rexforth und Caritas-Direktor van Meerbeck betonten die Notwendigkeit frühzeitiger Hilfen und warben für gesellschaftlichen Zusammenhalt, auch angesichts angespannter finanzieller Rahmenbedingungen.

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Gesellschaftlicher Wandel sichtbar geworden

„Wir dürfen nicht schweigen, wenn Menschen Hilfe brauchen, wir müssen handeln“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth in seiner Rede vor dem Alten Rathaus. In Schermbeck habe sich in den vergangenen Jahren ein wachsendes Bewusstsein für gesellschaftliche Veränderungen entwickelt, insbesondere für Altersarmut und steigende soziale Notlagen.

Ein Jahr Die Tafel in Schermbeck 2025
Ein Jahr die Tafel in Schermbeck v. l.: Benedikt van Meerbeck, Fachbereichsleiter Pflege und Beratung, Michael van Meerbeck, Direktor Caritas Wesel/Dekanat Dinslaken, Bürgermeister Mike Rexforth und Ellen Weber, Gemeindeverwaltung. Foto: Petra Bosse

Er erinnerte daran, dass es anfangs kritische Stimmen gab, als das Thema Armut öffentlich angesprochen wurde. „Man glaubte, in Schermbeck sei die Welt noch in Ordnung“, so Rexforth. Doch seine Erfahrung als früherer Leiter des Sozialamts habe gezeigt, dass sich die Realität verändert habe: „Immer mehr Menschen geraten in finanzielle Schwierigkeiten, auch im Rentenalter.“

Frühzeitiges Handeln statt Abwarten

Die Gemeinde habe sich bewusst entschieden, frühzeitig zu handeln, mit konkreten Projekten wie der Tafel oder der „Kleiderkammer“, einem Secondhand-Angebot für Kinder- und Erwachsenenbekleidung. „Es ging nicht um politische Beschlüsse, sondern um praktisches Handeln. Wir haben es einfach gemacht“, betonte Rexforth.

Gemeinsam mit Ellen Weber von der Gemeindeverwaltung und weiteren Partnern seien Fördergelder akquiriert worden, um erste Angebote umzusetzen. „Mittlerweile nutzen rund 300 Menschen die Hilfen“, berichtete der Bürgermeister.

Michael van Meerbeck Caritas und Bürgermeister Mike Rexforth
Soziale Verantwortung gemeinsam tragen“ – Caritas-Direktor Michael van Meerbeck (l.) und Bürgermeister Mike Rexforth sprachen sich beim Tag der offenen Tür im Alten Rathaus für konkrete Hilfe und gesellschaftlichen Zusammenhalt aus. Foto: Petra Bosse

Solidarität als Leitmotiv

Rexforth machte deutlich, dass ihn nicht nur seine Funktion, sondern auch persönliche Überzeugung antreibe: „Ich möchte die Menschen nicht alleinlassen.“ Ziel sei es, nicht nur eine Anlaufstelle zu bieten, sondern auch konkrete Unterstützung im Alltag.

Besonders hob er das Engagement der vielen Ehrenamtlichen hervor. „Es geht nicht nur um Kleidung oder Lebensmittel. Es geht um Zuwendung, um Gespräche, um das Zuhören – und das ist nicht selbstverständlich.“ Die Helferinnen und Helfer müssten häufig Belastendes mit nach Hause nehmen. Dafür dankte er ausdrücklich: „Ohne dieses soziale Grundverständnis, wäre es in unserem Land sehr, sehr traurig.“

Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Caritas im Multikulturellem Zentrum Schermbeck
Ehrenamtlich und Mitarbeiter im Multikulturellem Zentrum im Alten Rathaus in Schermbeck. Foto: Petra Bosse

Van Meerbeck: „Reich an Menschen – aber nicht an Geld“

Auch Caritas-Direktor Michael van Meerbeck fand klare Worte – und stellte dabei die Realität sozialer Arbeit offen dar. „Wer eine Tafel betreibt, muss dafür sorgen, dass Lebensmittel da sind, dass Mitarbeitende beschäftigt werden können, dass der Laden läuft“, sagte er. „Ja, wir sind reich, aber nicht im materiellen Sinne. Wir sind reich, weil wir Mitarbeitende haben. Weil Menschen unsere Angebote annehmen. Das ist unser Reichtum.“

Mitarbeiter-der-Caritas-Wesel in Schermbeck
Mitarbeiter der Caritas Wesel in Schermbeck. Foto: Petra Bosse

Wohlfahrtsverbände sind keine Selbstverständlichkeit

Gleichzeitig machte er deutlich, wie angespannt die Lage sei: „Wohlfahrtsverbände sind keine Selbstverständlichkeit. Wer sie erhalten will, muss sich um sie kümmern. Wenn der Partner nicht mehr atmen kann, muss man hinnehmen, dass er sich zurückziehen muss.“ Die Caritas wirtschaftet laut van Meerbeck sparsam, zahlt faire Löhne und achtet auf fachliche Qualität. „Aber wir sind endlich in dem, was wir tun können – und die finanziellen Wolken am Horizont sind unübersehbar.“

Er ergänzte: „Ich bin wirklich keine Jammerbirne, aber es geht an die Substanz. Viele unserer Mitarbeitenden stecken bei Sachkosten zurück, schenken uns ihre Freizeit und tragen viel Verantwortung. Dass es bisher funktioniert hat, lag am Mut zum Risiko. Doch selbstverständlich ist das nicht.“

Tagepflege Schermbeck Gemeinsames Singen
Foto: Petra Bosse

Gemeinsam zum Ausklang

Zum Abschluss des Tages stimmten Gäste, Mitarbeitende und die Besucherinnen und Besucher der Tagespflege gemeinsam Lieder an – ein musikalisches Zeichen für Gemeinschaft und gelebte Solidarität.

Wohlfahrtsverbände sind keine Selbstverständlichkeit.

Michael van Meerbeck

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