Deutschland sucht ein Endlager für seinen Atommüll. Ein erster Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) wurde erstellt und veröffentlicht. Auch Dorsten und Schermbeck sind als „grundsätzliche Suchbereiche“ dafür ausgewiesen.

Mit einer frühzeitigen Stellungnahme positionieren die beiden Nachbarkommunen sich jetzt klar gegen ein solches Lager auf ihrem Gebiet.

Argumente gegen ein Endlager vor Ort:

  • Teil des größten Grundwasserfördergebiets in NRW
  • wichtiges Trinkwasserschutzgebiet
  • Grubenwasserströme im Untergrund

Eher kleine Kälbchen

Die Kuh soll schnell vom Eis. Dabei handelt es sich bei Schermbeck und Dorsten in Sachen Atommüllendlagersuche aber wohl eher um sehr kleine Kälbchen. Aufgrund des Tonvorkommens im Boden (Übergang zwischen dem Norddeutschen Becken und Münsterländer Kreidebecken) sind beide als Suchbereiche deklariert worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier einmal Atommüllfässer eingelagert werden könnten, ist aber wohl eher gering. Die Gründe wollen beide Kommunen jetzt vorsorglich dem Bundesamt vorlegen.

25 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr

„Dorsten und Schermbeck liegen großflächig in dem größten Grundwasserfördergebieten von NRW (Dorsten-Holsterhausen und Üfter Mark) mit einer genehmigten Jahresfördermenge von ca. 25 Millionen Kubikmeter“, heißt es im Schreiben an das BASE, das Stadt- und Gemeinderäte noch beraten und beschließen wollen.

Wo Trinkwasser, da kein Atommüll

Diese Gebiete dienen „zur Trinkwasserversorgung eines merklichen Bevölkerungsanteils“. Die Einlagerung radioaktiver Stoffe sei demnach „nach der Wasserschutzgebietsverordnung ein Verbotstatbestand“. Oder einfacher ausgedrückt: Atommüll ist der Trinkwassergewinnung nicht förderlich. Selbst Transportwege für Atommüll müssten bereits „möglichst außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten liegen“, heißt es weiter.

Wo Grubenwasser, da kein Atommüll

Außerdem argumentieren die Nachbarkommunen weiter, „dass der Untergrund in dieser Region (Nordrand Ruhrgebiet) bis zu einer Tiefe von 1100 Metern intensiv geprägt wird durch untertägigen Steinkohleabbau mit unzähligen Abbauflözen und sehr langstreckig vernetzen Transporttunneln für viele ehemalige Verbundzechen.“ Und weiter: Die bestehenden „weiträumigen Grubenwasserströme bilden sicherlich keine gute Ausgangssituation für die bei Atommüllendlagern zu favorisierende Lokalbegrenzung für Bodenwasserströme / Schadstoffaustragungen“. Auch hier einfacher ausgedrückt: weit verzweigtes Grubenwasser ist für Atommülleinlagerung nicht förderlich.

Hinweis

Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), beaufsichtigt das Verfahren der Endlagersuche und verantworten die Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH – ein bundeseigenes Unternehmen – ist Vorhabenträgerin, d.h. sie wertet derzeit Daten aus und wird in den noch folgenden Suchphasen geologische Erkundungen durchführen.

Die BGE mbH hat in den von uns erwähnten Zwischenbericht Teilgebiete  – einen ersten Arbeitszwischenstand – Ende September 2020  veröffentlicht. Darin kommen vorerst aus rein geologischer Sicht ca. 54 Prozent der Fläche Deutschlands für einen Endlagerstandort in Frage. Einen anschaulichen Überblick über alle Akteure der Endlagersuche und die insgesamt drei Suchphasen erhalten Sie hier.

Alle Infos zur Endlagersuche finden Sie auf unserer Website unter www.endlagersuche-infoplattform.de. Interessant ist vielleicht auch unsere virtuelle Ausstellung unter http://www.endlagersuche-infoplattform.de/virtuelle-endlagerausstellung