Der Landschaftsverband Rheinland erstellt ein digitales Inventar der Kulturlandschaft
Schermbeck Gedruckte Bücher, Karten und Fotos waren in der Vergangenheit die wichtigsten Quellen zur Information über eine Landschaft. Seit Dienstag werden diese klassischen Informationsmedien auch für den Kreis Wesel um eine Sammlung digitaler Darstellungen von Kulturlandschaftsinhalten ergänzt.
„KuLaDig“ (Kultur, Landschaft, Digital) heißt ein Projekt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), das am Dienstag im Sonsbecker Kastell vorgestellt wurde. Auf der Suche nach einem regionalen Partner für die Sammlung und Aufbereitung von Materialien zur Vorstellung kulturlandschaftlicher Besonderheiten stieß der LVR bei der in Wesel ansässigen Biologischen Station des Kreises Wesel auf offene Ohren. Die Leitung des Projektes „KuLaDig“ übernahm dort Martina Erzner. Sie wurde von der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Johanna Siewers, einer gebürtigen Gahlenerin, unterstützt.
Im September 2013 wurden Fragebögen an 40 geschichtliche Vereine oder Gruppierungen im Kreis Wesel verschickt. Neun Vereine schickten den Fragebogen zurück. Mit vier Vereinen bahnte sich schon bald eine engere Zusammenarbeit an. Die Heimatvereine aus Gahlen, Bislich und Dingden und der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck stellten Materialien zur Präsentation von Kulturgütern ihres Raumes zur Verfügung.
Martina Erzner und Johanna Siewers bearbeiteten die Materialien und bereiteten sie für die Wiedergabe in einem standardisierten Format auf. Bislang wurden Texte von 65 Objekten für den Kreis Wesel auf die Homepage www.kuladig.de gesetzt und in der Regel um Fotos, ein Luftbild und Literaturangaben ergänzt. Es besteht zudem die Möglichkeit, Filme oder PDF-Dateien in die Artikel einzuarbeiten.
„Das Internetportal ist ein Werkzeug zur Erfassung und Präsentation von Kulturlandschaftsgütern“, berichtete am Dienstag Christoph Boddenberg, der Betreuer des Netzwerkes „Landschaftliche Kulturpflege“ beim LVR. Martina Erzner und Johanna Siewers zeigten anhand mehrerer Beispiele die Arbeitsweise des Internetportals. Gibt man auf der Startseite in das Suchfeld den Namen „Gahlen“ ein, so werden zwölf Ergebnisse angezeigt. Das reicht vom Alten Friedhof „De Widow´“ über artesische Quellen und ehemalige Tongruben der Firma Idunahall bis hin zum Pastorat am Widemweg. Für Damm werden das Forsthaus und die Turmwindmühle ausgewiesen.

Der Zugang zu Kulturgütern einer bestimmten Region ist auch über eine Karte möglich. So kann man sich als Besucher einer Stadt oder Gemeinde mehrere Objekte zu einem Spaziergang oder zu einer Rundfahrt zusammenfügen. Damit wird über die Nutzung von „KuLaDig“ eine Förderung des lokalen Tourismus erwartet.
„Kulturlandschaft ist nicht starr“, stellte Christoph Boddenberg fest und verwies auf die Möglichkeit, über das Feld „Hinweis zu diesem Objekt geben“ Korrekturen oder Ergänzungen jederzeit vornehmen zu können. Das habe gegenüber dem Buch den Vorteil der permanenten Aktualisierung.
Eine geplante Aktualisierung bezieht sich auch auf die Zahl der Objekte. Wenn alle dreizehn Kommunen des Kreises Wesel sich an der Bekanntgabe von Landschaftsobjekten beteiligen, dann können gleich mehrere hundert Objekte zusammenkommen. Parallel dazu werden auch Objekte in den benachbarten Kreises erfasst. Schon jetzt stößt man auf 29 Objekte innerhalb und außerhalb des Kreises Wesel, wenn man ins Suchfeld das Wort „Mühle“ eingibt.
In einem nächsten Schritt sollen neben den noch vorrangig in Erscheinung tretenden Baudenkmälern auch Bodendenkmäler, besondere Bäume oder Gedenksteine aufgenommen werden, die an ein ehemals vorhandene Objekt erinnern sollen. H.Sch.























