von Marie-Therese Gewert

Schermbeck. „Wenn ich vor einem weißen Blatt Papier sitze, weiß ich gar nicht, wie ich anfangen soll“, meint eine Zuhörerin.

Sie und über zehn weitere Gäste sind neugierig, was sie bei der Gesundheits-Info-Veranstaltung „Malerische Selbsterfahrung“ mit Maltherapeutin Linda Wobbe in der Burg Apotheke Schermbeck erwartet.  

Ute Hecht-Neuhaus, Chefin der Burg Apotheke (l.) Malltherapeuting Linda Wobbe und Dr. Uta Schettler

Vor den Interessierten sind Pinsel und Farben auf einem Tisch verteilt. Diese kommen später noch zum Einsatz. Zunächst hilft Referentin Linda Wobbe den Zuhörern, ein tieferes Gespür für die Kunsttherapie zu entwickeln.

Anthroposophische Kunsttherapie

Die 28-Jährige kommt ursprünglich aus Schermbeck, hat in den Niederlanden „anthroposophische Kunsttherapie“ studiert und ist jetzt als Maltherapeutin am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in der inneren Medizin tätig. Zeitweise arbeitet sie in der Jugendpsychiatrie. Seit Mitte des Jahres auch in einem Hospiz.

Manch einer würde die Themen Kunsttherapie und Krebserkrankung nie in Zusammenhang bringen. In der anthroposophisch erweiterten Medizin wird Kunsttherapie mittlerweile von Krebs bis zur Depression als unterstützendes Element im Heilungsprozess eingesetzt.

Burgapotheke Malerische Selbsterfahrung
Maltherapeutin Linda Wobbe

Dahinter verbirgt sich, dass der Mensch als Einheit von Leib, Seele und Geist betrachtet wird. Jeder Mensch hat seinen kreativen und schöpferischen Schaffensprozess selbst in der Hand.

Wer sich auf die Erfahrung einlässt, kann mithilfe der Kunst Wege finden, den eigenen  Heilungsprozess anthroposophisch, sprich ganzheitlich, zu unterstützen.

Das ist auch der Grund, warum Ute Hecht-Neuhaus, Chefin der Burg Apotheke, und Dr. Uta Schettler selbst mit großem Interesse dem Vortrag der Expertin lauschen.

Die Apotheke legt hohen Wert darauf, den Menschen in seiner Ganzheit zu betrachten – und alternative Wege aufzuzeigen, die über die alleinige Verwendung von Arzneimitteln hinausgehen.

Linda Wobbe erreicht Patienten mit ihrer Arbeit so auf drei Ebenen: Im Denken, Fühlen und Handeln/Wollen.

Kunsttherapie bedeutet Veränderung

In der bildenden Kunsttherapie kommen damit verschiedene künstlerische Mittel zum Einsatz: Das Zeichnen, Malen und Plastizieren (mit Ton). Auch das Werken (mit Holz oder Spekstein).

Kunsttherapie bedeutet Veränderung: „Kunst macht was mit mir“, erklärt Wobbe. Der Mensch ist mit der Kunst verbunden. Hat vielleicht das Bedürfnis, sich auszudrücken. Ohne Worte.

Die eigene Stimmung kommt zum Ausdruck im künstlerischen Gestalten. Das „Ich“ bekommt mehr Raum, sich neuen Perspektiven zu öffnen. Im Idealfall stehen Expression und Impression hierbei in einem heilsamen Wechsel zueinander.

Warum ist die Blume rot

Therapeutin und Patient begegnen sich so über das gestaltete Werk ­– ohne große Erklärungen. Linda Wobbe stellt keine Frage der Interpretation oder Analyse. Fragt nicht: „Warum ist die Blume rot und nicht rosa?“ Das bringe keinen weiter.

Was weiter bringt, sei das eigene Tun und sinnliche Erleben. Dadurch kann der Patient zu sich selbst finden und mit sich in Berührung kommen. Im wahrsten Sinne des Wortes – auf mehreren Ebenen.

Am Ende bringen die Zuhörer des Abends mithilfe der Malerei einen Prozess zum Fließen – und drücken sich aus, ohne Worte finden zu müssen.

Der eine arbeitet in Stille – ein anderer sucht dann doch den Austausch im Gespräch. Alles in allem ist es ein eindrucksvoller Abend, der mit jedem etwas gemacht hat.

Info:

Laut Berufsverband Anthroposophische Kunsttherapie, kurz BVAKT, können durch die Form der Therapie Selbstheilungskräfte der Patienten angeregt werden.

Durch ihr schöpferisches Handeln und in der gestalterischen Auseinandersetzung können Patienten die eigenen Krankheitstendenzen erkennen, ihnen so „selbst aktiv entgegen wirken und sie in gesunde Zukunftspotentiale verwandeln“.

Therapie sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen

Anwendung findet die Therapie sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen. Die anthroposophische Kunsttherapie wird von der Behandlung und Rehabilitation akuter und chronisch körperlicher, psychosomatischer und psychischer Erkrankungen eingesetzt, aber auch bei Verhaltens- und Entwicklungsstörungen in biografischen Krisen sowie in der Palliativmedizin.

Wer es nicht geschafft hat, zu kommen: Die Burg Apotheke möchte regelmäßig Veranstaltungen zu gesundheitlichen Aspekten anbieten. Weitere Infos gibt’s direkt vor Ort.

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André Elschenbroich
Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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