Seit Mittwoch arbeitet sich der Bagger an der Vorderfront des Marienheim Schermbeck vor. Mit jedem kräftigen Zug reißt er tiefer in die alten Gemäuer, während Materialien sauber getrennt und sortiert werden. Für viele Menschen aus der Gemeinde ist dieser Abriss ein emotionaler Moment.

Der sichtbare Beginn des Wandels
An der Erler Straße verändert sich das Bild täglich. Die Abrissarbeiten markieren den sichtbaren Beginn eines Projekts, über das bereits Anfang 2017 gesprochen und geplant wurde. Jetzt laufen die Arbeiten mit voller Kraft. Das ehemalige Krankenhaus und das frühere Hausmeistergebäude müssen weichen, damit Neues entstehen kann.

Die cbt erklärte seinerzeit, dass die gesamte Bausubstanz des Komplexes nicht erhaltenswert sei. Mit dem Abriss verschwindet ein markantes Gebäude, in dem viele Menschen der Gemeinde geboren wurden oder Angehörige in Pflege betreut wurden. Seit dem Jahr 1988 wurde das frühere Krankenhaus als Pflegeheim genutzt.
Zwei Neubauten und 44 Seniorenwohnungen geplant
Auf den freigeräumten Flächen sollen zwei vierstöckige Neubauten entstehen. Die Pläne sehen bis zu 44 barrierefreie Seniorenwohnungen vor. Für eine Person sind Wohnflächen zwischen 45 und 55 Quadratmetern vorgesehen, für zwei Personen zwischen 58 und 72 Quadratmetern. Im Erdgeschoss des Gebäudes entlang der Erler Straße sollen zudem zwölf bis 18 Tagespflegeplätze eingerichtet werden. Ein Gemeinschaftsraum mit 165 Quadratmetern ergänzt das Angebot.

Ein Ort mit langer Geschichte
Die Geschichte des Krankenhauses reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Seit 1994 betreibt die cbt das Marienheim mit damals rund 108 Dauer- und sechs Kurzzeitpflegeplätzen. Ziel war es stets, älteren Menschen einen verlässlichen Ort zu bieten, an dem sie sich geachtet und gut begleitet fühlen.
Mit dem Abriss beginnt nun ein neues Kapitel am Standort des Marienheim Schermbeck. Die vertraute Ansicht verschwindet, doch die Planungen richten sich auf moderne, barrierefreie Wohn- und Pflegeangebote für die kommenden Jahrzehnte.

Historie des ehemaligen Krankenhauses an der Erler Straße
Planung und Bau
Der Neubau wurde 1909 nach Plänen des Duisburger Architekten Otto Höing errichtet. 20 Betten waren vorgesehen, bereits im ersten Jahr wurden 136 Kranke behandelt. Vier Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus unterstützten den leitenden Arzt Dr. Siepmann.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg
Bei Bombenangriffen 1945 wurde fast die Hälfte des Krankenhauses zerstört, darunter auch die Hauskapelle. Unter Leitung der Oberin Agathopia begann sofort der Wiederaufbau, unterstützt durch Spenden und freiwillige Helferinnen und Helfer.

Einsatz der Franziskanerschwestern
Über Jahrzehnte betreuten Franziskanerschwestern die Schermbecker Kranken. Noch 1987 gehörten 14 Schwestern zur Gemeinschaft des Schermbecker Konvents.

Erweiterungen ab den 1950er-Jahren
Der Fortschritt in der Medizin sowie das Wachstum der Gemeinde machten eine Modernisierung notwendig. 1957 erteilte die Regierung die Genehmigung zur Erweiterung. 1958 begann der Bau, 1959 wurde er abgeschlossen. Weitere Umbauten folgten, unter anderem zur Anpassung an moderne Pflegeanforderungen. In den 1960er-Jahren entstand ein Wohnheim, das 1993 zu einem Behindertenwohnheim umgebaut wurde. (Quelle: Helmut Scheffler)























