Marc Stiemer – Ein Feuerwehrmann, der für Familie und Beruf brennt

Schermbeck. Welcher kleine Junge wollte nicht Feuerwehrmann werden, wenn er groß ist? So auch Marc Stiemer. Nur, dass er seinen Kindheitstraum schon lange lebt. Seit 2013 fährt der gebürtige Schermbecker bei der Berufsfeuerwehr in Essen seine Einsätze. Bei der freiwilligen Feuerwehr Altschermbeck ist er als zuverlässiger Kamerad schon 13 Jahre lang im Einsatz.

Martinshorn und Brände löschen. Das verbindet jeder mit dem Einsatz des Feuerwehrmanns. Es gehört aber vielmehr dazu. Als Notfallsanitäter kommt Marc Stiemer ganz nah mit Menschen in Kontakt. Mit Menschen, die sich in einer Notlage befinden, sei es durch einen Unfall oder Brandverletzungen. Wenn er gerufen wird, ist jemand in Gefahr.

Marc Stiemer über Covid 19

„Wenn es hart auf hart kommt im Einsatz, agiere ich möglichst schnell und effektiv. Die eigene Sicherheit tritt da irgendwie trotz der Auflagen, die wir erfüllen müssen, manchmal in den Hintergrund, wenn es um Menschenleben geht“, erklärt der 31-jährige Brandmeister.

Covid 19 verändere, so Stiemer, den Blick auf das Wesentliche. Auch vor der Coronakrise gab es schon immer gefährliche Infektionen. Die Einsatzkräfte waren sich der Ansteckungsgefahr immer bewusst: „Die Medien schieben durch ihre Berichterstattung Covid 19 massiv in den Vordergrund. Das beeinflusst mein Verhalten schon, ich arbeite noch vorsichtiger.“

Die Familie lebt meinen Beruf mit

Marc Stiemer arbeitet in einem Risikoberuf. Niemand möchte die Gefahr mit nach Hause nehmen. Die Ansteckungsgefahr ist immer gegeben. Das weiß auch seine Familie. Seine Frau und seine zweijährige Tochter leben seinen Beruf gefühlt immer mit. Auch wenn Marc Stiemer sich sicher ist, dass er sich persönlich gut schützt, kann er nie wissen, auf wen er im Einsatz trifft. „Tatsächlich wird jeder Heuschnupfen oder Husten im Supermarkt schon kritisch begutachtet. Ich habe schon dicke Backen, wenn ich selbst mal husten muss“, lacht Marc Stiemer.

Mit der Frau und Kind zu Bienen und Blumen…
Foto: Petra Bosse

Um sich und seine Familie vor einer Erkrankung zu schützen, hält er sich an die umfangreichen strengen Auflagen. So versucht er das Risiko zu minimieren, es vor der Haustür zu lassen und privat abzuschalten. „Ich betrachte mich selbst sehr viel genauer. Es ist nicht einfach, immer einen kühlen Kopf zu bewahren und die Gedanken draußen zu lassen.“

Marc Stiemer: „Als Familienvater fühlt man intensiver“

Vor allem nicht, wenn er vom Einsatz kommt, bei dem es um häusliche Gewalt geht. Seitdem er selbst Vater ist, fühlt er bei Einsätzen, bei denen Kinder betroffen sind, besonders mit. Auch ältere Menschen, die durch die Kontaktverbote vereinsamen, haben sein Mitgefühl. Er selbst und seine Familie haben zu Beginn der Krise den Kontakt zu den Eltern minimiert und sie so geschützt. „Das war für mich als Familienmensch nicht einfach, aber notwendig.“

Auch in seiner „Berufsfamilie“ bei der Feuerwehr ist es seit der Coronakrise schwieriger geworden. Allein der Umstand, die Mahlzeiten nicht mehr gemeinsam einnehmen zu dürfen, belastet die Kameradschaft schon, bedauert Marc Stiemer. „Es ist zwar immer noch eine Familie, aber eine Familie auf Abstand.“ Weiter meint er: „Aber, es gibt auch schöne Momente, die einen Stolz machen, wie zum Beispiel, wenn die Leute an der Straße stehen und klatschen oder einem signalisieren, wie dankbar sie sind, dass es uns gibt.“

Bevölkerung nimmt uns wieder mehr positiv wahr

Stiemer betont: „Das betrifft nicht nur die Feuerwehr alleine, sondern auch viele andere Berufsgruppen, die hautnah damit zu tun haben. Das stärkt die einzelnen Berufsfelder und Gruppen wie z. B. die Krankenschwestern. Wer hätte es jemals gedacht, dass eine Kassiererin an der Supermarktkasse jemals so gewürdigt wird? Das finde ich schon echt klasse.“, freut sich Marc Stiemer. 

„Diese neue Anerkennung von Seiten der Bevölkerung trifft mitten ins Herz“, erzählt er. „Vor allem, wo auch ich bei Einsätzen viel Negatives erleben musste und beispielsweise beschimpft wurde. Deswegen freue ich mich, genau wie meine Kollegen über die Anerkennung, für das was wir leisten“, so Stiemer. „Das bestärkt mich erneut, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.“

In der Großstadt gibts mehr kleinere Einsätze

Interessanterweise gibt es einen großen Unterschied zwischen der Großstadt und der kleinen Gemeinde. Im Dorf gibt es wirklich noch den Mann, die Person, die sich selbst zu helfen weiß. Im Gegensatz zu der Großstadt, wo die Hilflosigkeit schon viel größer sei. Schon allein im Rettungsdienstbereich werde er häufiger für Kleinigkeiten gerufen, als auf dem Land. „Aber wir sind immer im Einsatz nach dem Leitspruch: Immer wenn es brennt, die Feuerwehr rennt. Auch in Zeiten von Covid-19.“

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André Elschenbroich
Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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