Leserbrief zum Konflikt Wölfe: Fakten auf den Tisch!

Der heftige Konflikt um die Wölfe zeigt eines: Die Sachlage ist unklar, denn über eindeutige Fakten müsste man nicht streiten. Das LANUV (Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz NRW) sagt, dass in den meisten Fällen der empfohlene Weidetierschutz nicht eingehalten war.

Meine Frage daher an alle, die bereits das Todesurteil für die Wölfe ausgesprochen haben: Lügt das LANUV?

In einigen Fällen war es für jeden Leser zu erkennen: Auf Fotos von gerissenen Tieren waren im Hintergrund völlig unzureichende Zäune zu sehen. In anderen Fällen aber sollen die Wölfe Zaunhöhen von 1,9 m überwunden haben, jedoch offensichtlich sind auch diese Fälle nicht ganz eindeutig.

Also haben die Wölfe nun tatsächlich den empfohlenen Weidetierschutz nun schon mehrfach überwunden oder waren die Zäune zu niedrig, defekt, zum Boden hin nicht abgeschlossen, der Strom nicht eingeschaltet etc.? Bitte legen Sie die Fakten auf den Tisch: Wie hoch war der Zaun bei welchem Übergriff, war er intakt, war der Strom eingeschaltet? So lange all dies für mich als Außenstehender so unklar ist, kann ich die Sachlage nicht hinreichend beurteilen und solange gilt: Im Zweifelsfall für den Angeklagten.

Zudem wünsche ich mir eine Rückkehr zur Sachlichkeit und eine Abkehr von Halb- und Unwahrheiten, wie z. B. im Artikel „Mahnwache in Hünxe“ vom 11.11. Nicht ein Wolf benötigt 300 km², sondern ein Rudel benötigt in etwa diese Fläche – die Abweichungen in beide Richtungen sind aber je nach Lebensraum und Nahrung sehr groß. Die Wölfe im Schermbecker Wolfsgebiet sind nicht „wie in einem großen Gatter“.

Sie sind selbst in das Gebiet hereingekommen und könnten es auch jederzeit wieder verlassen – aber warum sollten sie das tun? Woher sind die Zahlen am Ende des genannten Artikels zu Wolfsangriffen? Der Wissenschaftliche Dienst ist keine Quellenangabe, sondern er kann sich selbst nur auf vorhandene Quellen beziehen. Die zweite Studie des Norwegischen Institutes für Naturforschung: „Wolf attacks on humans: An update for 2002 – 2020“ belegt in diesem Zeitraum genau zwei Angriffe in Europa: Ein tollwütiger Wolf in Kroatien (Tollwut bei Füchsen, Wölfen und Hunden ist in Deutschland seit Jahrzehnten ausgestorben) und ein sich in Bedrängnis wehrender Wolf in Nordmazedonien (Jedes bedrängte Tier setzt sich zur Wehr). Beide Angriffe waren nicht tödlich.

Ich hatte selbst schon mehr als 20 Begegnungen mit wildlebenden Wölfen in Polen, zum Teil nah, zum Teil nachts und ich war fast immer allein. Ich wurde dabei auch schon von neugierigen Wölfen beobachtet. Keine dieser Begegnungen war für mich auch nur im Ansatz gefährlich und in keinem Fall hatte ich Angst.

Dr. Martin Steverding (Diplom-Biologe) Rhede

Hinweis: Verantwortlich für den Inhalt der veröffentlichten Zuschriften/Leserbrief ist der jeweilige Verfasser. Leserbriefe können auch durch die Redaktion gekürzt werden.

Vorheriger ArtikelElektrozaun-Vorfall: Klare Sache von Aufsichtspflicht
Nächster ArtikelSichtbares Zeichen gegen häusliche Gewalt
Leserbriefe und Kommentare bitte an: info [at] heimatmedien.de. Netiquette - Kennzeichnen Sie den Leserbrief mit Ihrem Namen. Benutzten Sie dabei keine anonymen Namen. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe abzulehnen, zu kürzen und die Identität des Absenders zu überprüfen. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Ihre Briefe richten Sie bitte an: info [at] heimatmedien.de Mailadressen und andere persönliche Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Petra Bosse alias Celawie