Familie Johannsen aus Dorsten rettet auch in Zeiten der Coronakrise immer noch Lebensmittel vor der Tonne

von Martina Jansen

Seit Dezember 2018 fährt das Team um Dieter und Karin Johannsen und Tochter Nicky auf den Hof der Dorstener Arbeit am Holzplatz. Ihre Autos sind vollgepackt mit unzähligen Kisten diverser Lebensmittel, mit denen sie den „Fairteiler“ befüllen. Ihr Sammeltour geht weit über die Stadtgrenze hinaus. Discounter und Supermärkte in Schermbeck könnten ebenfalls angefahren. Das sei überhaupt kein Problem, sagt die Familie.

Der kleine Raum verbirgt sich unscheinbar hinter einer großen Tür auf dem Gelände der Dorstener Arbeit. Wurst, Käse, Salate, Milch, Joghurt, Obst und Gemüse, alles ist in großer Anzahl vertreten. Er ist rund um die Uhr geöffnet und beinhaltet neben gerade abgelaufenen Lebensmitteln, auch Waren, bei denen die Packungen beschädigt sind. Alle Lebensmittel aus dem Verteiler können kostenlos von jedem Bürger mitgenommen werden.

Foodsaver
Nicky Johannsen (vorne) füllt mit ihrem Vater Dieter (hinten rechts) und ehrenamtlichen Helfern täglich den Verteiler neu auf Foto: privat

Nicky Johannsen brachte die Idee des Lebensmittelrettens 2018 nach Dorsten. Sie lernte in Australien das illegale „Mülltauchen“, kennen. „Ich war mehr als erstaunt, wie viel gutaussehende und frische Lebensmittel abends auf dem Tisch lagen“, erinnert sich die junge Hervesterin. „Ich konnte nicht einfach zusehen, wie gutes Obst, Gemüse und auch Fleisch in der Müllverbrennung landen, während andere Menschen Hunger leiden“, erzählt Nicky weiter.

Lebensmittel vor der Tonne retten

Sie fand auf der Webseite foodsharing.de Menschen, die sich auch dafür einsetzen, Lebensmittel vor der Tonne zu retten – und das auf legalem Wege, denn in Deutschland ist das „Containern“ ebenfalls noch verboten und wird bei einer Anzeige als Diebstahl oder Hausfriedensbruch gewertet – und dies bei Lebensmitteln, die auf dem Müll landen würden.

Lebensmittelretter foodshare Dorsten
Der Verteiler am Holzplatz in Dorsten ist stets gut gefüllt Foto: Christian Sklenak

Die Nahrungsmittel holten die Foodsaver bisher von der Dorstener Tafel ab, die die gespendeten Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, nicht mehr verkaufen dürfen. Da die Tafel in Barkenberg jedoch momentan geschlossen hat, holen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Waren jetzt direkt und auch nur übergangsweise bei verschiedenen Discountern sowie seit dieser Woche auch in allen vier Edeka Honsel-Märkten ab.

Ralf Honsel freut sich, die ehrenamtlichen Helfer nun auch unterstützen zu können. „Schon immer ist es unser Bestreben, nicht verkäufliche, aber noch verzehrbare Lebensmittel nicht wegzuwerfen. Die vielen Anstrengungen, die in diesem Bereich von Ehrenamtlichen, wie beispielsweise bei der Dorstener Tafel unternommen werden, unterstützen wir gerne.

Kontakt mit Dieter Johannsen aufgenommen

Aufgrund eines Artikels im letzten Jahr in der Lokallust über die Foodsafer in Dorsten haben wir uns jetzt wieder an sie erinnert und haben nun, da die Dorstener Tafel geschlossen hat, Kontakt mit Dieter Johannsen aufgenommen.“

Durch die zur Zeit viel größere Menge an gespendeten Lebensmitteln haben die Lebensmittelretter zurzeit bedeutend mehr zu tun hat. „Aber gerade jetzt ist es für uns noch wichtiger, die Lebensmittel zu verteilen“, so Dieter Johannsen. „Unsere ehrenamtlichen älteren Fahrer halten sich zurzeit wunschgemäß zu Hause auf, daher sind wir gerade jetzt dringend auf jüngere Fahrer, die uns in dieser Zeit unterstützen möchten, angewiesen“, fährt er fort. „Wir achten natürlich auf die Hygieneanforderungen, tragen Mundschutz und Handschuhe und nutzen selbstverständlich auch Desinfektionsmittel“, ergänzt seine Tochter.

Karin Johannsen
Karin Johannsen freut sich mit Tochter Nicky, dass sie auch in Dorsten Lebensmittel vor der Tonne retten können Foto: Christian Sklenak

Es heißt „Mindestens haltbar bis“ und nicht „Tödlich ab“. Daher sind die meisten Lebensmittel Tage oder auch Wochen nach dem Haltbarkeitsdatum noch durchaus schmackhaft und vor allem nicht gesundheitsgefährdend. „Ich ernähre mich jetzt seit etlichen Jahren immer wieder auf diese Weise und bin davon noch nie krank geworden“, bemerkt die 25-Jährige.

Spender werden nicht haftbar gemacht

Dennoch ist jeder Bürger, der sich aus dem Verteiler bedient, für sich selbst verantwortlich. „Weder wir noch die Firmen, die die Lebensmittel spenden, können haftbar gemacht werden, falls ein Lebensmittel nicht mehr ganz in Ordnung war“, so Karin Johannsen und ihre Tochter ergänzt: „Jeder muss seine drei Sinne einsetzen: Sehen, riechen, schmecken, dann weiß man, ob das Gemüse, das Fleisch oder der Joghurt noch genießbar sind.“

Hier am Verteiler sind normalerweise alle Altersklassen und soziale Schichten anzutreffen und jeder hat sein Argument, warum er hier ist: die Umwelt schonen, Lebensmittel nicht verschwenden und deren Wert schätzen oder seinen Geldbeutel schonen. Vielleicht sollten aber momentan diejenigen, die nicht auf die Spenden angewiesen sind, den Bedürftigen den Vortritt lassen.

Weitere Infos bei Dieter Johannsen unter 0157 37820916 oder unter: [email protected]

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