Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser

Sommerliche Temperaturen führen zu einem hohen Wasserverbrauch. Die Kinder möchten das Planschbecken befüllt haben. Aber auch das selbst angebaute Gemüse, die Blumen und der Rasen müssen bewässert werden. „Das Wasser aus dem eigenen Brunnen stellt eine gute Alternative zum kostbaren Leitungswasser dar. Wer Brunnenwasser nutzt trägt zu einem nachhaltigen Umgang mit unseren Trinkwasservorräten bei.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Doch leider verschmutzen Nitrate und Pestizide das Grundwasser unserer landwirtschaftlich intensiv genutzten Region. Auch können durch verschiedene Einflüsse Krankheitserreger ins Wasser geraten. Ob das selbst geförderte Wasser für das Befüllen des Planschbeckens, Gießen, als Tränkwasser für Tiere oder sogar zum Trinken geeignet ist, kann man am Labormobil der Gewässerschutzorganisation erfahren. Es hält am Dienstag, den 13. August auf dem Schützenplatz beim Rathaus in Schermbeck. Wasserproben nehmen die Umweltschützer von 9 bis 11 Uhr am Mobil entgegen. Die Grunduntersuchung auf den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt wird gegen eine geringe Kostenbeteiligung von 12 € vor Ort durchgeführt, so dass der Bürger schon gegen Ende der Aktion sein Ergebnis wieder abholen kann. Brunnenbesitzer, die das Wasser auch auf weitere Parameter wie Eisen und Bakterien gegen Kostenbeteiligung untersuchen lassen möchten bekommen das Ergebnis mit einer Bewertung per Post zugeschickt. Doch keiner wird mit seinen Messwerten allein gelassen. Das Team vom VSR-Gewässerschutz berät, sobald die entsprechenden Messergebnisse vorliegen, ob das Wasser zum Gießen, zum Befüllen des Planschbeckens, zum Waschen oder sogar zum Trinken geeignet ist. Außerdem beantwortet Dipl.-Phys. Harald Gülzow, unser Experte zum Thema Brunnenwasserqualität, immer Freitags zwischen 9 und 12 Uhr Fragen unter der Rufnummer 02831 976523.

Damit die Ergebnisse auch aussagefähig sind, sollten für die Probenahme und Transport Mineralwasserflaschen, die zuvor mehrmals mit dem jeweiligen Brunnenwasser gespült wurden, benutzt werden. Am besten werden diese Flaschen erst kurz vor der Abgabe am Labormobil befüllt. Das Team vom VSR-Gewässerschutz bietet am Labormobil neben der allgemeinen Informationen zu Belastungen und deren Ursachen auch eine individuelle Beratung für den jeweiligen Brunnenbesitzer, um eine Belastung und deren Ursache zu besprechen.

Die Gewässerschützer möchten beim Thema Wasserqualität besonders die breite Öffentlichkeit einbeziehen. „Bürger die Brunnenwasser nutzen haben das gleiche Ziel wie der VSR-Gewässerschutz: Das Grundwasser soll möglichst unbelastet sein.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. So tragen wir gemeinsam dazu bei, dass die Wasserqualität des Grundwassers auch außerhalb von den Wasserschutzgebieten der Wasserversorgern verbessert wird.

Bei flächendeckenden Belastungen erhält der VSR-Gewässerschutz durch die Analyse vieler einzelner Brunnenwässer Informationen über den Zustand des oberflächennahen Grundwassers einer Region. Da das belastete Grundwasser den Bächen, Flüssen und Seen zusickert, wird auch dort die Wasserqualität verschlechtert. Einen Überblick über die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung werden vom Verein auf die Region bezogen zusammengestellt und dann an die Öffentlichkeitsarbeit weitergegeben. Aber auch in überregionalen Darstellungen fließen die Ergebnisse der einzelnen Aktionen ein. Die vom VSR-Gewässerschutz in den Jahren 2006 – 2010 gemessenen Nitratgehalte in den privat genutzten Brunnen im deutschen Einzugsgebiet von Nord- und Ostsee wurden schon in einer Karte zusammengefasst. Diese zeigt deutlich die Belastungsschwerpunkte und kann im Internet unter http://www.vsr-gewaesserschutz.de/15.html eingesehen werden.

Nitrate im Grundwasser

Nitrat ist ein Bestandteil von Dünger in der Landwirtschaft. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass der Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft die Hauptursache für die Belastung des Grundwassers mit Nitrat ist. Der VSR-Gewässerschutz sieht einen großen Handlungsbedarf, dass die zum Teil noch verwendete veraltete Technik, mit der keine gezielte bedarfsorientierte Düngung möglich ist, ersetzt wird. In der Praxis zeigt es sich, dass dadurch neben der besseren Mineraldüngerverteilung teilweise auch die Nitratauswaschung durch die Ausbringung von Gülle und von Gärresten verringert werden kann. Wichtig ist aber auch, dass der bereits durchgeführte erfolgreiche Anbau und Einsatz von anderen Pflanzen außer Mais in Biogasanlagen in der Zukunft ausgedehnt wird.

Coliforme Keime im Grundwasser

E.coli gehört zu der Gruppe der coliformen Keime. Wenn in einem Brunnenwasser E.coli vorhanden ist, wurden Fäkalkeime eingetragen, die auch gesundheitsgefährdend sein können. Man findet Keime im Grundwasser, wenn verunreinigtes Wasser in den Untergrund fließt, z.B. durch Überschwemmungen oder schadhaften Kanalisation. Die unsachgemäße Ausbringung von Gülle ist noch immer eine der Hauptursachen für das Auftreten von Keimen im Grundwasser.

Saures Grundwasser

Die Quelle für den hohen Säuregrad ist in der Regel im noch sauren Regen zu suchen. Die mit ihm eingetragenen Schadstoffe wie Schwefelverbindungen und Stickoxide können das oberflächennahe Grundwasser versauern. Die Ursachen für die belasteten Niederschläge sind die Abgase aus Industrieanlagen, Kraftfahrzeugen und Kraftwerken. Aber auch das Ammoniak aus der Tierhaltung führt zur Versauerung. Der pH-Wert hat einen großen Einfluss auf die Löslichkeit der vor allem im Boden durch die Düngung eingetragenen Schwermetalle. Diese Stoffe sind im basischem Milieu nur gering löslich. Wird das Grundwasser aber sauer kann es zur Freisetzung der im Boden gebundenen Metalle kommen.

Mitgeteilt von Diplom-Physiker Harald Gülzow

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Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

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