Katholische Kirche: Schritte in die richtige Richtung

Die Schermbeckerin Petra Becker bewertet die Ergebnisse der dritten Synodalversammlung der katholischen Kirche. RN-Foto Scheffler

Die Schermbeckerin Petra Becker bewertet die Ergebnisse der Synodalversammlung

Die dritte Synodalversammlung im Rahmen des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland fand in der Zeit vom 3. bis 5. Februar in Frankfurt statt.

Als Mitglied des elfköpfigen Leitungsteams der „Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“ (kfd) im Bistum Münster hat die Schermbeckerin Petra Becker den Verlauf der Synodalversammlung aufmerksam verfolgt. Wir baten sie um die Beantwortung einiger Fragen.

Petra Becker

Die Versammlung hat sich mit mehreren Themen befasst, deren Behandlung auch von der kirchlichen Basis seit langem gefordert wurde. Die kfd wird sich besonders für die künftige Stellung von Frauen in der Kirche interessiert haben. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Becker: Die Entwicklung im Thema „Öffnung aller Dienste und Ämter für Frauen“ können wir als kfd nur gutheißen, denn noch 1999 mussten wir in der Auseinandersetzung mit der Bischofskonferenz alle dahin gehenden Forderungen aus unseren Leitlinien streichen. Am Wochenende fanden die Forderungen, konkret zunächst zum Diakoninnen-Amt, 95 % Zustimmung.

In einer Pressemitteilung des Bundesverbandes der kfd heißt es: „Auch in den Fragen von Macht und Gewaltenteilung, von Anerkennung aller Geschlechter, von Ehe, Sexualmoral, priesterlichen Lebensformen, kirchlichem Arbeitsrecht und Segnungen für Paare, die sich lieben, sind aus Sicht der kfd die richtigen und absolut notwendigen Schritte eingeleitet worden.“

Die Mitbestimmung der Gläubigen bei der Wahl des Bischofs ist ein erster Schritt in Richtung Macht- und Gewaltenteilung.

Jetzt muss die Reform der Kirche konkret in Gang kommen und weiterhin Unterstützung und Rückenwind bekommen durch Aktionen wie die der kfd in Kooperation mit Maria 2.0 und den vielen anderen Initiativen.

Die Delegierten sprachen sich auch für eine Lockerung des Pflichtzölibats aus. Deckt sich das mit der Auffassung der kfd?

Becker: Ja klar! Ein kleiner, aber sicher bald umsetzbarer Schritt zur Reform des Priesteramtes und Anpassung an die Zeichen der Zeit. Darüber hinaus ermöglicht dieser Schritt Priestern, in Partnerschaft und Familie zu leben und aus diesen Erfahrungen heraus auch ihren Dienst zu gestalten und diese Erfahrungen mit vielen Christ*innen zu teilen.

Wie beurteilen Sie die Diskussion der Versammlungsteilnehmer über das Thema „kirchliche Sexualmoral“?

Becker: Ich möchte Brigitte Mock, die Vorsitzende des Forums „Leben in gelingenden Beziehungen“, zitieren, die sagte: „Wir begreifen Sexualität als positive Kraft!“. Dazu stehen wir auch als kfd. Natürlich begrüßen wir die positive

Abstimmung des Handlungstextes zur Neubewertung der Homosexualität und die dem zugrunde liegende neue Auffassung der Sexualmoral. Und der Text erhielt knapp 90 % Zustimmung der Versammlung. Darin heißt es: „Jeder Mensch ist mit seiner Geschlechtlichkeit von Gott geschaffen und hat … eine unantastbare Würde… Menschen dürfen aufgrund ihrer homosexuellen Orientierung daher nicht diskriminiert werden… Alle Gläubigen und die Kirche sind dazu verpflichtet, aktiv gegen jede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität vorzugehen.“

Die Synodalversammlung hat sich auch mit dem sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche befasst? Sind Sie als kfd-Vertreterin mit der klerikalen Auffassung zufrieden oder hatten Sie eine andere Bewertung erwartet?

Becker: Es werden Schritte in die richtige Richtung gemacht wie die Beteiligung von Betroffenen, unabhängige Aufarbeitung in vielen Bistümern und die Präventionsarbeit. Auch die Schmerzensgeldzahlungen standen auf der Tagesordnung der Bischofskonferenz. Aber das reicht noch nicht, solange Priester und Bischöfe Verantwortung leugnen und weiterhin vertuschen. Solange wie der Betroffenenbeirat nicht zufrieden mit den Ergebnissen ist, können auch wir als katholischer Verband nicht zufrieden sein. Es muss weiterhin darum gehen, dass in unserer Kirche die Schwachen Schutz finden und Menschen sich ohne Angst äußern, anvertrauen und leben können.

Die kfd als größter Frauenverband Deutschlands ist mit vier Frauen beim Synodalen Weg vertreten. Sie berichten alle hoffnungsfroh und sind positiv gestimmt von einem erfolgreichen Wochenende. Jetzt müssen die Reformen zur Erneuerung der Kirche umgesetzt werden und das möglichst schnell, damit am Ende auch noch Christ*innen in der Kirche sind, die die neue Kirche aufbauen. Da kann man nur hoffen, dass das „schrille Alarmläuten“ der Kirchenglocken auch in Rom zu hören ist.

Die Fragen stellte Helmut Scheffler.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.