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Jugendliche aus drei Erdteilen für ein Jahr zu Gast in Schermbeck

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Drei Schermbecker Familien unterstützen ehrenamtlich den AFS-Schüleraustausch

Gasteltern holen frischen Wind und neue Sichtweisen in ihr Leben. Diese Erfahrung machen derzeit drei Schermbecker Familien. Sie haben sich bereit erklärt, drei Jugendlichen einen bis zu einjährigen Aufenthalt in einer deutschen Familie zu ermöglichen.

Unterstützung bei der Vermittlung der drei Gastschüler gab es vom Verein „AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.“, einem weltweit verbreiteten Netzwerk. Als ehrenamtliche Mitarbeiter des lokalen AFS-Komitees Wesel-Emmerich-Bocholt suchten die Schermbecker Andrea und Frank Große Brinkhaus über die lokalen Medien Gasteltern. Simone Deiters-Schwerthöffer und Marlis Fengels meldeten sich ebenso wie Alice und Dennis Cluse.

AFS organisierte das Zusammenbringen von Gastschülern und -eltern, und so kam die 17-jährige Japanerin Yukiko Toda als Schülerin einer Highschool zu Marlis Fengels in den Schermbecker Pöttekamp. Der 17-jährige Marcelo Bueno wohnt seit über einem Monat bei Simone Deiters-Schwerthöffer und Ingo Raulf.  Der 15-jährige Spanier Nicolás Lorenzo verbringt nach einem achtmonatigen Aufenthalt in einer norddeutschen Familie die letzten Monate bei Alice und Dennis Cluse.

Die Gasteltern verdienen mit der Aufnahme der Jugendlichen kein Geld. Sie übernehmen ehrenamtlich die Unterbringung und Versorgung der Austauschschüler, die von Zuhause lediglich ihr Taschengeld mitbringen.

Marcelo Bueno (3.v.l.), Yukiko Todo (5.v.l.) und Nicolás Lorenzo (7.v.l.) freuen sich, dass sie bei Schermbecker Gastfamilien bis zu einem Jahr lang wohnen können. Foto: Helmut Scheffler
Marcelo Bueno (3.v.l.), Yukiko Todo (5.v.l.) und Nicolás Lorenzo (7.v.l.) freuen sich, dass sie bei Schermbecker Gastfamilien bis zu einem Jahr lang wohnen können. Foto: Helmut Scheffler

Für die drei Austauschschüler ist die Zeit in Schermbeck kein Urlaub und auch keine Sprachreise, sondern eine tiefgreifende Kulturerfahrung, die sie gemeinsam mit einer Gastfamilie meistern. Wesentlicher Bestandteil der Austauschprogramme ist der Besuch einer weiterführenden Schule in Deutschland. Yukiko Toda besucht das Dorstener St.-Ursula-Gymnasium, Nicolás Lorenzo und Marcelo Bueno nehmen am Unterricht in der Schermbecker Gesamtschule teil.

Ale drei sind eifrig bemüht, die deutsche Sprache zu erlernen. Marcelo Bueno fährt sogar jeden Tag nach Wesel, um an der dortigen Volkshochschule einen Deutschkurs zu besuchen. Für Yukiko bedeutet die deutsche Sprache eine ganz besondere Herausforderung. Seit einem Monat beißt sie sich ehrgeizig durch die Schwierigkeiten dieser Sprache hindurch. Nicolás fährt an zwei Tagen zu einem entsprechenden Kurs in der Dorstener VHS.

In ihren Familien lernen die Gastschüler die typische deutsche Lebensweise kennen. Dabei sammeln sie Eindrücke von Alltagsgepflogenheiten in einer Intensität, wie sie ein Lehrbuch niemals vermitteln kann, zumal sie angehalten sind, sich aktiv am Familienleben zu beteiligen.

Die Freizeitgestaltung im Anschluss an den Schulbesuch sieht ganz unterschiedlich aus. Nicolás  spielt gerne Basketball in Dorsten,  Yukiko spielt Klavier und hatte zusammen mit ihrer Gitarre spielenden Gastmutter inzwischen schon den ersten Auftritt in einem privaten Kreis. Sie ist Gastsängerin im Ludgerus-Chor „da capo“. Derzeit bemüht sie sich als Klarinettenspielerin um eine zeitlich begrenzte Aufnahme in die Blaskapelle „Einklang“. Marcelo spielt Gitarre, hat inzwischen die „Ten Sing“-Jugendlichen kennen gelernt und begleitet zudem Tom, den Sohn seiner Gasteltern, zu den Proben der Band „Youth in Retrospekt“.

Etwa jedes Vierteljahr steht ein gemeinsames Camp an. Dann treffen sich die Austauschschüler aus der gesamten Region, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Das letzte Camp fand in der Jugendherberge in Velbert statt. Dort wurden auch offen Probleme angesprochen, die im Alltag mit den Gasteltern auftreten können.

Soweit die Jugendlichen Interesse haben, können sie auch an den Ausflügen der Gasteltern teilnehmen. So lernen sie auch weitere Mosaiksteine einer interkulturellen Kompetenz kennen, die sie als wertvolle Bereicherungen in ihre Heimatländer mitnehmen können oder den Eltern bei den regelmäßigen Telefonaten oder Email-Chats mitteilen können.  Eine solche Kompetenz gewinnt in einer immer globaler werdenden Berufswelt eine immer größere Bedeutung.

Auch der gemeinsame Urlaub ist vorgesehen. Yukiko fährt im Sommer mit nach Südtirol.  Marcelo begleitet seine Gasteltern im Herbst mit nach Berlin. Nicolás kehrt im Sommer schon in seine Heimat zurück, weil dann die Gesamtdauer seines Deutschlandaufenthaltes endet.

„Man sitzt viel zusammen und spricht über viele kleine Alltäglichkeiten“, berichtet Simone Deiters-Schwerthöffer von ihren positiven Erfahrungen. Das zustimmende Kopfnicken macht an mehreren Stellen des Gespräches über positive Erfahrungen deutlich, dass die jetzigen Gasteltern weitere Gasteltern ermuntern möchten, Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren ehrenamtlich aufzunehmen. Gastfamilie kann fast jeder werden, egal ob Paare mit oder ohne Kinder, alleinerziehende Mütter oder Väter, gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinstehende. Wer Interesse hat, einem ausländischen Schüler einen bis zu zwölf Monate währenden Deutschlandaufenthalt zu gewähren, kann sich mit Andrea Große Brinkhaus per Handy (0178) 1685979 in Verbindung setzen. H.Sch.

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