Die neue Wölfin im Kreis, mit der Kennung GW954f, hat jetzt einen Namen – Gloria von Wesel.

Seit Anfang des Monats ist der Kreis Wesel offizielles Wolfsgebiet. Ansässig ist hier die Wölfin mit dem stilvollen Namen „Gloria von Wesel“.
„Wir sind es nicht gewohnt, dass so ein Wildtier bei uns lebt“, sagt Landrat Dr. Ansgar Müller bei seinem Besuch am Freitag in Gahlen.

„Nun ist die Wölfin mit der Kennung GW954f da, und wir könnten ihr jetzt einen echten Namen geben. Ich denke da an Gloria von Wesel“, schlug Landrat Ansgar Müller vor.

Der Landrat und Dr. Matthias Kaiser, Leiter der Wolfs-Arbeitsgruppe in Nordrhein-Westfalen LANUV, sowie Mitarbeiter des Kreises Wesel kamen am Freitagmittag nach Gahlen, um sich vor Ort an der Schafswiese von Christiane Rittman am Elsenweg einen Eindruck der jetzigen Situation zu verschaffen. „Einerseits müssen wir das Ansiedeln der Wölfin positiv sehen, andererseits müssen wir uns nun auch gründlich mit den Folgen auseinander setzen“, so der Landrat.

Landrat Ansgar Müller und Matthias Kaiser Lanuv zum Wolf in Schermbeck
Landrat Dr. Ansgar Müller und Dr. Matthias Kaiser, Leiter der Wolfs-Arbeitsgruppe in Nordrhein-Westfalen LANUV, sowie Mitarbeiter des Kreises Wesel kamen am Freitagmittag nach Gahlen.

Wo drückt der Schuh?

Sie wollten sich darüber informieren, wo hier „der Schuh drückt“. Der Ort war bewusst ausgewählt worden, da die Schafsherde von Christiane Rittmann in Schermbeck-Gahlen in der Nacht zum 10. September Ziel eines Wolfsangriffs war.

Es war schon dramatisch, so beschreibt die Hobbyzüchterin, den Anblick am Morgen danach. „Als ich morgens auf die Wiese kam, sah ich schon von Weitem, dass hier etwas nicht stimmte“, erinnert sich die Gahlenerin. Das Ergebnis des nächtlichen Wolfsangriffs waren fünf tote Schafe und zwei verletzte Tiere mit Kehlkopfbissen. Bei einem Schaf fehlte ein Vorderlauf.

Während des Gespräches ließ Dr. Matthias Kaiser keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es sich hierbei um einen Wolf handelte. Mittlerweile hat Christiane Rittmann gehandelt und einen Elektrozaun mit 8000 Volt um die gesamte Schafswiese gezogen.

Christiane Rittman schafzüchterin Gahlen
Christiane Rittmann mit Sohn vor ihrer Schafwiese in Gahlen.

Herausforderung für Schafzüchterin

Allerdings zahlt sie diesen aus eigener Tasche, da die Anerkennung zum Wolfsgebiet erst einige Wochen später offiziell wurde und bleibt somit auf den Kosten für die Präventionsmaßnahme sitzen. Besonders der Arbeitsaufwand durch die Rückkehr des Wolfes, stellt Weidetierhalter, Hobby- und Berufsschäfer vor neue Herausforderungen. So auch bei Christiane Rittmann. „In den Fördermittelrichtlinien ist nicht festgelegt, dass man für die Präventionsmittel, die man bereits angeschafft hat, Rückzahlungen bekommt. Das müsste geändert werden“, lautet ihr Anliegen an den Landrat.

Um alle Schafwiesen wolfssicher zu machen, sei der Arbeitsaufwand enorm groß. „Ich wünsche mir, dass dieser Aufwand geringer wird. Besonders ärgerlich bin ich darüber, dass ich auf meinen Kosten der Sicherung hängen bleibe. Leider gibt es auch keine Schlupflöcher“, betonte die Hobbyzüchterin.

Auf dieser Wiese riss der Wolf fünf Sschafe in einer Nacht

Kein Blutrausch

Mit Blick auf das Fressverhalten der Wölfe, und wie im Fall Rittmann, die vielen toten Schafe, erklärte Matthias Kaiser: Eine Wölfin kann schon mal bis zu neun Kilogramm Fleisch verzehren. Das reiche dann für eine Woche aus und sie legt sich dann zur Ruhe.

Dass Wölfe nicht nur ein Schaf reißen und dieses dann Fressen, habe etwas, so Kaiser mit dem Beuteinstinkt der Wölfe zu tun. Bei einer Mehrfachtötung läuft, wie bei jeder Jagd auch, dass ganz normale „Beutegreifer-Programm“ ab. Das beutet, dass rennende Schafe immer wieder von neuem den Beutefangreflex auslösen und der Wolf dadurch nicht zum fressen kommt. Er wird durch die anderen rennenden Schafe immer wieder unterbrochen und die getöteten Tiere bleiben liegen. Von einen „Blutrausch“ könne man, so Kaiser, in diesem Fall nicht sprechen.

Versicherung zahlt keine Fremdschäden

Der Etat für Förderanträge, so Matthias Kaiser, sei gut aufgestellt. Die Fördergrenze ist den anderen Bundesländern angepasst.

Wichtig zu wissen sei auch, so Matthias Kaiser, dass Landwirte und Schafzüchter im Fall eines Schadens, auch bei größeren Schäden durch einen Wolfsangriff,  nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die eigene Versicherung fängt die Schäden auf. Anders sieht es allerdings bei Fremdsschäden aus.

Ein Elektrozaun mit 8000 Volt soll nun die Schafe schützen.

Für den Fall, dass eine durch einen Wolf aufgeschreckte Herde, oder Einzeltiere Zäune einreißen, im schlimmsten Fall über eine Straße rennen und dadurch größere Schäden anrichten, so haftet die Versicherung nur für den eigenen Schaden beim Halter. Allerdings zahlt die Versicherung nicht bei Fremdschäden, wie Klaus Horstmann vom Kreis Wesel, erklärt. „Der Geschädigte bleibt auf den Schaden sitzen und muss erst einen Nachweis erbringen, um an sein Geld zu kommen. Das ist eine Versicherungslücke, aber nicht nur beim Wolf“.

Eindeutig keine Wolfshybriden

Mit Blick auf die ansässige Wölfin „Gloria von Wesel“ sind sich der Landrat und Matthias Kaiser sicher, dass es sich hier um einen „echten Wolf“, und keinen Hybriden handelt.

Kaiser verwies eindeutig auf die Untersuchungen und Analysen des Senckenberg-Insitutes, sowie auf einen zweiten Nachweis des Institutes, der die Untersuchung stütze. „Wir möchten generell keine Wolfshybriden haben. So steht es auch im Wolfsmanagement“, betonte Kaiser. Um die Bürger mit dem Wolf besser vertraut zu machen, plant Landrat Müller im nächsten Jahr eine Ausstellung im Kreishaus zum Thema „Rückkehr des Wolfes nach NRW“.

Bei der Ausstellung handelt es sich um ein durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderte Umweltbildungskampagne, zur Rückkehr des Wolfes nach NRW des NABU NRW.

Darüber hinaus bietet der NABU NRW an, bei Sorgen und Ängsten zum Wolf, Referenten an Kindergärten/Schulen u.ä. zu vermitteln.
Anfragen können hierzu an [email protected] gestellt werden.

Kinder müssen Umgang mit Wölfen lernen

Die Ausstellung habe das Ziel, so Müller, keine Ängste unter den Bürgern zu schüren sondern aufzukären. Das sei sehr wichtig. Auch seien weitere Kontakte und Gespräche mit den Bürgern geplant. Die Zuständigkeit dafür liege aber bei LANUV.

Mit Blick auf das Verhalten von Menschen bei einem Wolfskontakt verwies Kaiser auf Bedachtsamkeit und ruhiges Verhalten. Damit müsen auch die Kinder lernen umzugehen:  „Wir sollten den Kindern keine Angst vor dem ´bösen Wolf` machen. Der ist jetzt da und wir müssen alle lernen, damit umzugehen. Wenn wir ihm gegenüberstehen, sollten wir uns ruhig verhalten. Und auch unsere Kindern müssen wir ein kontrolliertes Verhalten gegenüber dem Wolf, falls er ihnen im Wald begegnet, beibringen“.

Der Wolf im Kreis Wesel wirft viele Fragen bei den Bürgern auf.

Bei der Infoveranstaltung am letzten Freitag im Saal von Holtkamp fragte eine besorgte Katja Maschmeier,  Kita-Leiterin aus Raesfeld, wie sie ihre Kinder im Wald von Schloss Raesfeld vor den Wolf schützen könne. Kaiser verwies an diesem Abend auf eine Trillerpfeife. Diese sei, so betonte Kaiser heute, auch ohne Wolf prinzipiell gut für alle im Wald spielenden Kinder, um auf sich aufmerksam zu machen, falls sie mal verloren gehen“. Und: Lautstärke verscheuche den Wolf, da er ja ein sehr scheues Tier sei und die Menschen meide.

Infos

Im Kreis Wesel gibt es rund 430 Schafzüchter. Alleine  zirka 10.000 Schafe davon sind Mutterschafe.

Petra Bosse

Weiterer Links zum Thema Förderprogramm und Präventionsschutz

WolfsMonitor NRW

dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/monitoring

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here