Hohe Auszeichnung für einen engagierten Gahlener Pohlbürger

Gahlen. Eigentlich sollte Gerhard Becks schon im September die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ (= Bundesverdienstkreuz) überreicht werden.

Wegen eines längeren Klinikaufenthaltes wurde die Ehrung auf den 3. Dezember verschoben. An diesem Tag wird dem Gahlener Ehrenamtler um 13 Uhr im Schermbecker Rathaus die hohe Auszeichnung durch den Landrat überreicht.

Der 76-jährige gebürtige Gahlener Gerhard Becks wird am Dienstag für sein großes ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Foto: Helmut Scheffler

„Wir haben in Gahlen eine Person, die sich ihr Leben lang mit voller Hingabe ehrenamtlich für die Solidargemeinschaft eingesetzt hat und immer noch einsetzt“, begründete der Gahlener Heimatvereinsvorsitzende Jürgen Höchst in seinem Schreiben vom 30. April 2017 an den Landrat Dr. Ansgar Müller die Anregung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Unterstützung fand Höchst beim HV-Mitglied Stefan Steinkühler und bei der SPD-Kreistagsabgeordneten Daniela Schwitt. Im Frühjahr 2019 erteilte das Bundespräsidialamt die Genehmigung. Damit wurde der weg frei für die Verleihung des Verdienstkreuzes.

„Der hat es auch verdient“

„Der hat es auch verdient“ und „Gerd ist überall, wo man ihn braucht“ – solche und ähnliche Formulierungen machten in Gahlen die Runde, als man vor Wochen erstmals von der hohen Auszeichnung des „Hans Dampf in allen Gassen“ erfuhr, der unzählige Stunden zum Wohle des Dörfchens Gahlen investiert hat.

Kerniger Auktionator mit markigen Aussprüchen

Der gebürtige Gahlener ist mit dem Lippedorf eng verwurzelt wie kaum ein anderer. Schon zeitig ließ er sich für die Belange des Junggesellenvereins Gahlen-Bruch in die Pflicht nehmen. Seit Mitte der 1960er-Jahre tritt er bis jetzt nahezu alljährlich als kerniger Auktionator mit markigen Aussprüchen bei der Schafversteigerung vors Publikum und bringt die Leute dabei mächtig zum Lachen. „So kriegen wir manchen Euro in die Kasse des Vereins“, freut sich Jürgen Höchst über Becks` Bereicherung des Gahlener Schafmarktes.

Der 76-jährige gebürtige Gahlener Gerhard Becks wird am Dienstag für sein großes ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Foto: Helmut Scheffler

Seit 1968 verstärkt Gerhard Becks den Tenor im Chor der Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen. Eine Zeitlang war er als stellvertretender Vorsitzender oder Vorsitzender im Vorstand tätig. In der Gahlener Kirchengemeinde wurde Becks 1980 erstmals Presbyter.

Anstellung als Küster

Am 1. November 1986 wurde er Küster in der Friedenskirche. Vom 1. Juni 1992 bis 2008 verrichtete Becks den Küsterdienst in der Dorfkirche. Seine Anstellung als Küster war für Gerhard Becks nicht nur ein Beruf, sondern auch Berufung. Das Sauberhalten des Kirchenumfeldes war für ihn eine Selbstverständlichkeit wie auch die Unterstützung des Kindergartens beim Obstpflücken. Was auch immer zu tun war, Gerhard war zu jeder Zeit zur Stelle, ohne auf die Uhr zu schauen. Selbst heute noch, als Rentner, ist er immer wieder für die Kirchengemeinde am Kindergarten oder Gemeindehaus mit Reinigungs- und Pflegearbeiten aktiv.

Wechsel in ein neues Lebensjahrzehnt

Den VdK-Ortsverband Gahlen leitet Gerhard Becks seit 1992. Dort übernimmt er seit mehr als zwei Jahrzehnten auch die Organisation von Fahrten und Veranstaltungen.

Am Vorabend des Wechsels in ein neues Lebensjahrzehnt übernahm Gerhard Becks im September 2003 bei den Bürgerschützen des Lippedorfes, denen er seit 1966 angehört, das Amt des Oberst. In seine vierjährige Amtszeit fiel die Fahnenweihe im Jahre 2005. Inzwischen ist Becks Ehrenmitglied des Vereins.

Rentnertruppe

Seit seinem Eintritt in den Ruhestand gehört Gerhard Becks zum Aktivistenteam des Heimatvereins. Zusammen mit der „Rentnertruppe“ hilft er beim Aufbau der HV-Zelte für Veranstaltungen ebenso wie bei der Pflege des Mühlenteichumfeldes, des Kneipp-Tretbeckens im Aap, beim Binden des Mai- und Erntekranzes oder bei der Organisation von Veranstaltungen am neuen Museum. Seit 1992 erfreut Gerhard Becks als Nikolaus die Kinder beim Nikolauszug im Lippedorf. Kinderaugen strahlen, wenn er durch die Menge geht und ihnen die Hand schüttelt.

Die Laienspielschar des Heimatvereins unterstützt Gerhard Becks seit 25 Jahren. Durch sein Auftreten und seinen Humor bringt er jedes Mal den Saal zum Lachen. Er versteht es auch zu improvisieren oder durch den Bezug auf aktuelle Geschehnisse oder real existierende Personen ein Theaterstück noch interessanter zu machen. Auch in den Pausen fällt ihm immer noch ein lustiges Döneken ein.

Vermittlung der Mundart an Schulkinder

Seit 2008 engagiert sich Gerhard Becks für die Vermittlung der Mundart an Schulkinder. Als Leiter der Plattdeutsch-AG (Prootköster) des Heimatvereins unterrichtet er einmal in der Woche Kinder an der Gemeinschaftsgrundschule Schermbeck in der plattdeutschen Sprache. Ein zweiter Platz einer seiner Schüler beim Plattdeutsch-Wettbewerb im Kreis Wesel zeigt den Erfolg. Hinzu kommen seit Jahren Auftritte der Kinder beim Seniorennachmittag der Gahlener Bürgerschützen.

Im Jahre 2011 begleitete Gerhard Becks die Kinder zum plattdeutschen Lesewettbewerb ins Weseler Kreishaus. Foto: Helmut Scheffler

Mitbegründer des Seniorenbeirates

Gerhard Becks gehört zu den Mitbegründern des Seniorenbeirates der Gemeinde Schermbeck. Er vertrat die Senioren zunächst im ehemaligen Wirtschaftsförderungsausschuss und setzt sich momentan für die Belange der älteren Menschen im Bau- und Liegenschaftsausschuss ein. Becks gehörte im Jahre 2017 zum Redaktionsteam für die Erstellung des gemeindlichen Senioren-Wegweisers.

„Ich hatte ja keine Familie, sodass ich auch die nötige Zeit hatte“, erklärt Gerhard Becks in der Rückschau sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement. Im Gespräch mit ihm schimmerte aber noch ein weiterer Grund durch. Als Kind wuchs er schon zeitig in die Übernahme von Pflichten hinein. Da sein Vater aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückkam, konnte die Mutter die Hilfe der Kinder stets gut gebrauchen. Von der Mutter hat Gerhard Becks auch einen ganz wichtigen Mosaikstein für seine Lebensphilosophie mitbekommen. Sie hat die Kinder wiederholt daran erinnert, dass alles menschliche Tun geleitet wird vom göttlichen Willen. Helmut Scheffler

Vorheriger ArtikelVereinsmeisterschaft des RV Lippe-Bruch Gahlen
Nächster ArtikelGahlen – Nikolaus begrüßt alle Kinder per Handschlag
Heimatreporter
Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Bitte den vollständigen Vor- und Nachnamen eintragen