Trügerische Sicherheit – Führt die Mega-Stromtrasse doch durch Schermbeck?

Lange sah es so aus, als ob die Trasse der Hochspannungsleitung von Emden nach Osterath (bei Düsseldorf) einen Bogen um Schermbeck macht. Doch jetzt sind die Gemeinde und ihre Nachbarkreise und –städte offenbar wieder ins Blickfeld der Planer geraten.

Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth und seine betroffenen Amtskollegen machen gegen die Stromtrasse mobil und richten sich an die Bundesnetzagentur. In eigens dafür einberufenen Sondersitzungen sollen die Räte eine gemeinsame Resolution beschließen und den Protest so auf eine breite Basis stellen. Und das möglichst schnell, denn Anfang Mai ist wohl mit einer Entscheidung der Bundesnetzagentur über die Trassenführung zu rechnen.

Amprion nord Schermbeck trassenkorridore
Geplante Strecke östlich bei Rees (rot) sowie die angedachte alternatvie Strecke durch Schermbeck. Karte: Amprion

Doch der Reihe nach: In Windkraftanlagen auf offener See – sogenannten Offshore-Parks – wird immer mehr Strom produziert. Für den Transport ins Hinterland werden neue Stromtrassen benötigt. Doch deren Planung und Bau wird oft zum Streitpunkt. Stromtrassen ja, aber nicht vor unserer Haustür, lautet die bundesweit vielstimmige Kritik. So auch in Schermbeck und den Nachbargemeinden. Kritik, die in Schermbeck erstmals durch einen Ratsbeschluss vom 26. Juni 2018 aktenkundig wurde. Mit sieben Argumenten legten die Ortspolitiker mehrheitlich ihre Ablehnung einer neuen Stromtrasse in Schermbecker Boden dar.

Hauptargumente gegen die Trasse

Die Region in und um Schermbeck sei „durch den Bergbau, die nicht zu verfüllenden Ausgrabungen und durch vorhandene und bereits geplante Netzinfrastruktur schon zu stark belastet“, vor allem in Hinblick auf den Natur- und Landschaftsschutz, heißt es im Anhang des Entwurfs der Resolution. Außerdem würde diese Trassenvariante zu nah an Wohn- und Siedlungsflächen vorbeiführen. Auch technisch sei eine Trasse durch Schermbeck risikobehaftet und zu teuer. Bis zu 24-mal müsse in dieser Planung die Stromleitung die Gas-Pipeline „Zeelink“ kreuzen. Dabei müsse aber ein Mindestabstand zwischen beiden Leitungen eingehalten werden. Nicht zuletzt würde die Schermbecker Trasse viele Wasserschutzgebiete, die auch der Trinkwassergewinnung dienen, queren, so die Argumentation.

Gemeinde zeigt sich „erstaunt“

Auch das Dortmunder Unternehmen Amprion schien bislang eine andere Streckenführung zu bevorzugen: weiter östlich mit einer Rheinquerung bei Rees.

Nun zeigt sich Gemeinde Schermbeck erstaunt, sehr überrascht und zugleich irritiert über die aktuelleren Aussagen der Fa. Amprion,dass die Trassenvariante „Rheinquerung bei Wallach“, welche u.a. über das Gebiet der Gemeinde Schermbeck verlaufen soll, gleichwertig mit der Variante „Rheinquerung bei Rees“ angesehen werde. In „in Bürgersprechstunden oder Fachgesprächen mit den Kommunen“ und in einem Anhörungsverfahren sei „die Priorisierung der Trasse ,Rheinquerung bei Rees‘ immer offen kommuniziert“ worden. Man habe nicht davon ausgehen können, dass „eine Entscheidung zugunsten einer Leitungsführung über das Schermbecker Gemeindegebiet in Betracht kommen“ würde.

Laut Resolution sei aus Sicht der Amprion GmbH die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und zeitnahen Umsetzung des Vorhabens A-Nord im Korridorverlauf über die Rheinquerung bei Rees(West) nach Abwägung aller Umstände höher. Für die Vorhabenträgerin stehe, wie ausführlichin den Unterlagen dargestellt, im Vordergrund, dass die Realisierung des Vorhabens mit insgesamt möglichst geringen Risiken verbunden sein muss. Dementsprechend empfiehlt sie den Vergleichsabschnitt Rheinquerung Rees (West). Im Vergleich betrachtet sei die Trasse mit der Rheinquerung bei Rees als die günstigere Variante für Menschen und Umwelt anzusehen. Die Trasse mit einer Rheinquerung bei Wallach über das Schermbecker Gemeindegebiet wird daher von der Gemeinde Schermbeck abgelehnt.