Schermbecker Gesamtschüler erwiesen sich als einfallsreiche Forscher
Aus Laub, Gras und Papierstärke kann man Papier herstellen
„Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht, welch tolle Ideen junge Menschen entwickeln und wie intensiv sie an Lösungen arbeiten“, freute sich Schulleiter Norbert Hohmann am Diuenstag, als die Neunt- und Zehntklässler ihre Arbeiten für den diesjährigen Wettbewerb „Jugend forscht“ in der Gesamtschule vorstellten.
Zum achten Male beteiligte sich die Schermbecker Gesamtschule an dem Regionalwettbewerb „Jugend forscht“. Zum achten Male kehrten die Schülerinnen und Schüler mit guten Erfolgen aus Marl zurück.
Die 25 Neunt- und Zehntklässler hatten sich mit der Biologie- und Chemielehrerin Bianca Sadowski und mit dem Physiklehrer Pascal Gohr auf den Wettbewerb vorbereitet. Mit 13 Projekten traten sie im Marler „Feierabendhaus“ zum Wettbewerb an. Jedes Team stellte sein Projekt etwa zehn Minuten lang vor und musste den fachlich versierten Juroren Rede und Antwort stehen.
Die Schermbecker Gesamtschüler erhielten drei Preise. Ein Ausflug für den ganzen Kurs des Jahrgangs 9 ins Bochumer Schülerlabor steckt hinter dem MINT-Regio-Gutschein, den die Neuntklässler Joshua Coners, Jan Kohlenbrenner und Erik-Elias Grasedieck für ihr Projekt „LEGO: Hilfe im Alltag?“ erhielten. Die Schüler präsentierten aus zwei LEGO-Mindstorms EV3 und Teilen eines EV3-Erweiterungssets einen Roboter, der so programmiert wurde, dass mit ihm entlang eines farbig markierten Bodenmarkierungsbandes Lasten in einem Supermarkt transportiert werden können. Damit der Transportbehälter der Linie am Boden folgen konnte, benutzten die Schüler ein PID-Line-Following-Programm.
Der Zehntklässler Finn Kleine-Brockhoff belegte mit seinem Projekt „Einfach mehrfach – statt Knotenbeutel“ den zweiten Platz und wurde mit dem Umweltpreis „Jufo“ ausgezeichnet. Ausgangspunkt für sein Projekt war die erschreckende Information, dass in der EU jährlich etwa 100 Milliarden so genannte Knotenbeutel benötigt werden, wie man sie vor allem von Gemüsetheken kennt. „Sie sind zum Symbol der Wegwerfgesellschaft geworden“, bedauerte Finn Kleine-Brockhoff eine Entwicklung in der Verpackungsindustrie. Als Ersatzlösung präsentierte er eine Einkaufstüte, die aus Pet-Flaschen hergestellt wird. Diese Tüten, für deren Herstellung zwei Pet-Flaschen benötigt werden, können mehrfach genutzt werden.
Den dritten Platz im Jahrgang 10 belegten Max Beemelmans, Paula Lensing und Cornelius Baetz mit einem Projekt, für dessen Vorstufe sie bereits im vergangenen Jahr als Neuntklässler im Wettbewerb „Jugend experimentiert“ den ersten Preis erhielten und am Landeswettbewerb teilnehmen konnten. Sie zeigten, wie man aus Laub Papier herstellen kann. In diesem Jahr haben sie nach einer Lösung gesucht, wie man auf den bisherigen Holzanteil im Papier komplett verzichten kann. Für die gelungene Umsetzung des Verzichtes auf Holz erhielten sie in Marl den Sonderpreis „Nachwachsende Rohstoffe“. Eine Mischung aus Laub, das im Thermomix verkleinert wurde, aus püriertem Gras, Wasser und Speisestärke wurde gegautscht und mit Hilfe eines Traktors und einer Rüttelplatte gepresst. Das so entstandene Papier konnte mit dem Füller beschriftet werden. Das Papier eignet sich besonders für die Herstellung von Packpapier.
Die anderen Projekte wurden zwar nicht mit einem Preis ausgezeichnet, erhielten aber von den Juroren in Marl viel Lob. Die Präsentation machte zudem deutlich, wie viel technischen Ideenreichtum die Gesamtschüler in den letzten Monaten entwickelten. Das reichte bei den Neuntklässlern von Forschungen zum „Gluten in unserem Leben“ und zur „Wasserpest“ über Fleckenentferner bis zur Frage, welcher Dünger besser ist. Jan Klabuhn und Lars Rieger wollen die Zahl der Verkehrstoten durch ihren „Magnet-Unfallschutz“ verringern, indem sie Fahrzeuge rundum mit Elektromagneten versehen, welche die Aufprallwucht deutlich verringern.
Die Zehntklässler entwickelten einen Schutz gegen Handystrahlen, machten sich Gedanken über ein verkehrssicheres Fahrrad, entwickelten einen Popcornhalter für Kinobesucher und stellten Gummibärchen aus Fruchtsaft her.
Der Kurs „Jugend forscht“ wird auch im kommenden Schuljahr wieder angeboten. Die jetzigen Neuntklässler machen wieder mit. Einige wollen ihr jetziges Projekt weiterentwickeln, andere wollen wieder auf die Suche nach technischen Neuerungen gehen. Die jetzigen Achtklässler, die an der Präsentation teilnahmen, können sich im Mai für den neuen Kurs anmelden.
Die mehrjährige Teilnahme am Wettbewerb hat sich inzwischen auch auf den Oberstufen-Projektkurs „Technik und Innovation“ ausgewirkt. Zahlreiche Schüler nehmen dort teil, die zuvor in den Wettbewerbsfolgen von „Jugend Forscht“ aktiv waren.
Nach der Rückkehr von Stephanie Herbstritt, der jahrelangen Mitbetreuerin des Projektes „Jugend forscht“, bietet sich für das dann dreiköpfige Leitungsteam die Chance, zumindest in Teilbereichen eine Betreuung im Team vorzunehmen. Helmut Scheffler