Eindrucksvolle Kunst-Aktion der Umwelt zuliebe

Schermbecker Gesamtschüler machen gegen Plastiktüten mobil

Schermbeck Mit der distanzierenden Behauptung „Das kommt mir nicht in die Tüte!“ formierten sich die beiden Gesamtschulklassen 9d und 9f in den letzten Monaten zum Schulterschluss gegen die Flut von Plastikmüll. Was die Klassen im Unterricht unter Anleitung der Kunstlehrerin Christina Echelmeyer erarbeitet haben, zeigen die Jungen und Mädchen seit gestern im Klausurraum (Raum 301) der Öffentlichkeit.

„Wir wollen auf den oft unbewussten Verbrauch von Plastiktüten aufmerksam machen und die Besucher dafür sensibilisieren“,  begründete Lehrerin Echelmeyer die Zielsetzung der Ausstellung. Tüten würden als Verpackung in der Regel ungefragt dem Verbraucher mitgegeben und nach nur einmaliger Nutzung weggeworfen.

Zum Auftakt der Ausstellung machten die Schüler spektakulär auf ihre Arbeit aufmerksam. Sie versammelten sich in der Pause auf dem Schulhof, ergriffen ein mehrere hundert Meter langes Band aus zusammengeknüpften Tüten, wanderten in großen Serpentinen zwischen den übrigen Schülergruppen hindurch und das Treppenhaus hinauf zum Ausstellungsraum.

Was Plastiktüten alles ausrichten können, zeigt die erste von mehreren Schautafeln, die von den Schülern gestaltet wurden. Tüten verschmutzen Wälder, Wiesen, Bäche, Flüsse und werden an Stränden angespült. Tütenreste werden von Fischen und von an Land lebenden Tieren mit der Nahrung verspeist, sodass sie elendig zu Grunde gehen.

Die Neunklässler entwickelten zahlreiche Ideen für die Verwendung von Plastiktüten. Sophia Lastowka, Gina Lietz und Marie Wiesker (v.l.) bastelten aus Plastiktüten eine schmucke Lampe. Foto: Helmut Scheffler
Die Neunklässler entwickelten zahlreiche Ideen für die Verwendung von Plastiktüten. Sophia Lastowka, Gina Lietz und Marie Wiesker (v.l.) bastelten aus Plastiktüten eine schmucke Lampe. Foto: Helmut Scheffler

Die Ausstellung informiert über die Bemühungen der Europäischen Union, die Umwelt künftig besser vor Plastikmüll zu schützen. Ab 2018 dürfen nach der EU-Richtlinie von Händlern keine Tragetaschen kostenlos herausgegeben werden. Zudem soll der Verbrauch pro Bürger rationiert werden. Der Gesetzentwurf vom April 2015 sieht vor, dass jeder Bürger bis zum Jahre 2025 durchschnittlich nur noch 40 Beutel pro Jahr verbrauchen darf; im Jahre 2010 waren es noch 176 Einwegtüten, sodass damals 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangten. Wegen riesiger Müllteppiche im Meer, die von den Schülern auf einer Weltkarte gezeigt wurden, sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger.

Die Schermbecker Gesamtschüler zeigen in ihrer Ausstellung nicht nur auf, wie man Plastiktüten ersetzen kann. Sie beweisen idenreich, dass man einmal erhaltene Tüten nicht unbedingt dem Abfall zuführen muss, sondern für nützliche Alltagsgegenständen recyceln kann. Maike Ponzle, Lara Kolz und Gina Görtz entwarfen schmucke Stofftaschen. Eine überdimensionale Tüte bastelten Niklas Hessing, Marvin Schwichtenberg und Tristan Niermann aus Papier. Dass man sogar Kleidungsstücke aus Plastiktüten herstellen kann, bewiesen die Neuntklässler Hanna Cluse, Fatima Rustemi, Berta Haziri und ihre Mitschülerin Beatrice.

Für die Herstellung von Etuis aus Tüten hat sich der 15-jährige Gerome Vahlpfahl sogar das Nähen beibringen lassen, bevor er sich mit seinen Freunden Julius Becker und Ýannick Johannemann an die Arbeit machte. Lukas Triptrap und Nico Hatkemper schnitten Plastiktüten zu dünnen Streifen und flechteten aus den Bändern Seile, die zum Seilspringen verwendet werden können. Felix Loick und Simon Tempelmann zeigten, dass man sein Handy auch in einem Etui aus ehemaligen Plastiktütenteilen aufbewahren kann. Ole Jungenkrüger und Johannes Neuhaus nachten an einer gebastelten Erdkugel deutlich, dass alle aneinandergeknüpften Mülltüten eines Jahresverbrauchs die Erde 34-mal  umrunden könnten. Zum Blickfang wurde eine Tüten-Lampe, die Gina Lietz, Sophie Lastowka, Marie Wiesker und Milena Partus aus Tütenteilen entworfen hatten.

Die Ausstellung war gestern bis 19 Uhr geöffnet, um auch berufstätigen Eltern und Besuchern die Möglichkeit zur Besichtigung zu geben. Heute (Dienstag) und am Donnerstag können Schüler zwischen 8 und 13 Uhr die Besichtigung der Ausstellung mit der Herstellung von Buttons und Tüten verbinden. Es werden auch kurze Videofilme zur Thematik gezeigt. „Wir wollen einen Anstoß geben, den Plastiktütenverbrauch zumindest in Schermbeck zu verringern und so der Umwelt einen Gefallen zu tun“, erhofft sich Christina Echelmeyer von der Kunst-Aktion. H.Sch.

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Unter der Artikel-Kennzeichnung "Heimatreporter" postet der Schermbeck-Dammer Helmut Scheffler seit dem Start dieser Online-Seite im Jahre 2013 Artikel über vergangene und gegenwärtige Entwicklungen der Großgemeinde Schermbeck. Seit 1977 schreibt der inzwischen pensionierte Mathematik- und Erdkundelehrer für Lokalzeitungen. 1990 wurde er freier Mitarbeiter des Lokalfunks "Radio Kreis Wesel", darüber hinaus hat er seit 1976 zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Geschichte Schermbecks in niederrheinischen und westfälischen Schriftenreihen veröffentlicht. 32 Jahre lang war er Redakteur des "Schermbecker Schaufenster". Im Jahre 2007 erhielt er für seine niederrheinischen Forschungen den "Rheinland-Taler" des Landschaftsverbandes Rheinland.